Berufliche Schulen Bretten: Geballte Politprominenz im Dialog mit Schülern

(Foto: bn)

Landesinitiative „Was uns bewegt“ an den Beruflichen Schulen Bretten.

Bretten (bn) Amira Heidt und Alexander Buhl stehen im Foyer der Beruflichen Schulen Bretten (BSB). Gleich werden sie und ihre Mitschüler der Eingangsklasse TGG 11 des Beruflichen Gymnasiums, Politikern aus Bund, Land und Kreis begegnen dürfen. Später wird Schulleiterin Barbara Sellin in ihrer Begrüßung sagen, dass man an den BSB so eine geballte politische Prominenz schon lange nicht mehr gehabt habe. „Die von der Landesregierung Baden-Württemberg initiierte Veranstaltung 'Was uns bewegt' führen wir im Landkreis Karlsruhe heute zum dritten Mal durch“, freute sich auch Landrat Christoph Schnaudigel und hieß zahlreiche Politiker und Schüler zum gemeinsamen Austausch willkommen. Aus Berlin war der Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer (CDU) angereist, aus dem Stuttgarter Landtag Joachim Kößler (CDU), Andrea Schwarz (Grüne) und Rainer Balzer (AfD). Vom Kreisrat OB Martin Wolff (Freie Wähler), Christine Geiger (Grüne) und Jürgen Wacker (FDP). „Ich bin noch nie Politikern persönlich begegnet“, meinte Amira, als alle in die Aula gingen. Aufgeregt sei sie aber nicht, schließlich habe man sich im Unterricht sehr gut auf diesen Tag vorbereitet und Fragen ausgearbeitet. Ihr Klassenkamerad Alexander blickt mit Spannung auf diesen Vormittag: „Unser Thema ist Elektromobilität, mich interessiert, was die Politik machen möchte, damit das Thema bei Jugendlichen mehr Relevanz erhält.“

Anregende Debatten

Nachdem Moderator Armin Glaser die Runde vorgestellt hatte, gingen die Schülerinnen und Schüler in verschiedene Foren, denen jeweils ein bis zwei Politiker zugeordnet waren. Was folgten, waren anregende Debatten. Im Forum „Neue Formen politischer Beteiligung“ drehte beispielsweise Axel E. Fischer den Spieß um und fragte die Klasse, wer sich überhaupt politisch interessiere oder in einer Partei engagiere. „Politische Beteiligung kann im Jugendalter beginnen“, rief er den Schülern zu. Eine andere Klasse stellte die Frage, ob die Ausschreitungen des G20 Gipfels auch Ausdruck eines Rechtsrucks in der Bevölkerung seien. Dem erteilte Andrea Schwarz eine Absage: „Das in Hamburg waren Straftäter, das waren rechte und linke Irre.“ Die Formen der Integrationsmöglichkeiten wurden indes von einer anderen Gruppe kritisch beleuchtet. Christine Geiger schlug den Eingangsklassen vor, doch Patenschaften für die VABO-Klassen zu übernehmen. Das sei eine große Chance für die Integration. Eine Schülerin wollte wissen, warum so wenige Schüler mit Handicap an der Schule seien. Joachim Kößler betonte darauf, dass Baden-Württemberg sehr viel für Inklusion tue. „Inklusion stößt aber auch an ihre Grenzen, außerdem finanzieren wir im Land parallel zur Inklusion viele Förderschulen.“ Dem Thema Mobilität und ÖPNV widmeten sich Landrat und Oberbürgermeister höchstpersönlich. Viele Schüler zeigten sich verärgert, dass manche Busse nicht auf verspätete Stadtbahnen warteten. Dies kommentierte Schnaudigel mit der Tatsache, dass „sich ein Linienbus an den Fahrplan halten muss, sonst kommt es zu Folgeverspätungen.“

Wahlen ab 16?

Jetzt sind Amira Heidt und Alexander Buhl aus der TGG 11 mit ihrem Thema Förderung der Elektromobilität dran. Oberbürgermeister Wolff erklärte, die Kommunen gäben ihr Bestmöglichstes, Ladeplätze zu ermöglichen. Zusätzlich würden E-Autos finanziell gefördert und der Strom sei günstiger. „Jedoch“, ergänzte Landrat Schnaudigel, „stehen auch hier Wirtschaftsunternehmen dahinter und es ist der Entwicklung nicht dienlich, wenn Fördertöpfe nicht genutzt werden.“ Am Ende überreichten die Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen an die Politiker. Die Gruppe „Neue Formen der politischen Beteiligung“ etwa fordert „Wahlen ab 16“ oder „Politische Informationen über von der Jugend bevorzugte Kanäle zu verbreiten.“ Landrat Christoph Schnaudigel kündigte in seinem Schlusswort an, die engagiert vorgetragenen und vielseitigen Vorschläge würden auf Machbarkeit geprüft und an die entsprechenden Abgeordneten und Organe weitergeleitet werden. Diese Begegnung von Politikern und Schülern war ein Erfolg, wie der kollektive Schlussapplaus zeigte.
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