Von Bretten nach Gurs und nicht mehr zurück

Gurs, am Fuße der Pyrenäen gelegen - eines der nationalen Denkmale Frankreichs – wer kennt es schon? In Deutschland oder in Frankreich? Totgeschwiegen in beiden Ländern. Hier ist die deutsche mit der französischen Geschichte eng verwoben.
Immer im April lädt die AG zur Unterhaltung für den Deportiertenfriedhof zusammen mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft zur Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof in Gurs ein. Ein besonderes Augenmerk liegt bei diesem Gedenken auf der Teilnahme von Jugendlichen und Zeitzeugen.
Ebenso weiß kaum jemand von der Wagner-Bürckel-Aktion, bei der im Oktober 1940 etwa 6.500 Juden gesammelt und zur Deportation nach Gurs verfrachtet wurden.
Sie kamen aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet. Aus diesen Gebieten konnte dann nach Berlin berichtet werden „Wir sind judenrein.“ Die Stadt Bretten gehört der Arbeitsgemeinschaft seit letztem Jahr an, und so hatten Noemi Sitzler vom MGB, Jan Olbrich vom Jugendgemeinderat und Heidi Leins, Stadträtin, die Gelegenheit, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
Das typische „Gurswetter“, von dem auch der mitgereiste Zeitzeuge Paul Niedermann, ursprünglich Karlsruher, jetzt aus Paris berichtete, haben die Besucher erlebt. Das heißt, es goss aus Kübeln bei starkem Wind, sodass die Reden und Gebete der drei Konfessionen ins Gemeindehaus verlegt wurden.
Der zweite Zeitzeuge war Hans Flohr aus Heidelberg. „Isch bin an ächder Heidelberger.“, so sagte er.
Niedermann wurde nach Gurs deportiert und Flohr nach Theresienstadt. Sie erzählten den Besuchern des Forums aus ihren unterschiedlich verlaufenen Lebenssträngen mit doch vielen Gemeinsamkeiten. Beispielsweise war es beiden durch ihre jüdische Abstammung nicht möglich mehr als die erste Klasse zu besuchen und trotzdem haben beide einen Weg gefunden, ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten und Wünsche, wie bei Hans Flohr nach einem Studium, wahr werden lassen.
Die beiden 90jährigen ermunterten die Zuhörer, ohne im Zorn zurückzublicken, denn „auf Hass kann man nicht aufbauen“, so Niedermann. Beide erzählten daher auch von helfenden Händen, Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen, die trotz des vielen Leides neue Hoffnung schenkten. Besonders wichtig war Ihnen auch für ein friedliches Miteinander zu werben, verbunden mit der Mahnung, die nationalen und radikalen Kräfte in vielen Ländern im Blick zu behalten und geschlossen entgegenzusteuern.
Der Nachmittag gehörte dem Friedhofsbesuch, wo mitgebrachte Steine, in jüdischer Tradition anstatt Blumen, auf die Grabstelen der Brettener gelegt wurden, die im Lager starben. Anschließend ging es zum Lagergelände, das jetzt von einem „idyllischen“ Wald umgeben ist, und nur noch eine exemplarische Baracke an das Lager erinnert. Dort berichtete Paul Niedermann vor allem vom Lagerleben in der „Vorhölle von Auschwitz“. Wer hier nicht starb, wer nicht fliehen oder emigrieren konnte, was nur wenigen möglich war, kam über Drancy nach Auschwitz in die Gaskammern.
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