Bis nach Südafrika geschafft: Die mittelalterliche Gruppe der Bogenschützen gibt es seit 20 Jahren

Bunt gemischter Haufen: Zum 20-jährigen Bestehen treffen sich die rund 60 weit verstreut lebenden Bogenschützen beim diesjährigen Peter- und Paulfest. (Foto: Bogenschützen)
 
Probeschießen auf dem Viehmarkt: Während des Peter- und Paulfests geben die Bogenschützen immer mal wieder ihre Schießbahn für Besucher frei. (Foto: Bogenschützen)
Bretten: Peter-und-Paul-Fest |

(pm) Traditionelles Bogenschießen, Pfeile- und Bögen bauen, Bretten in der Schlacht verteidigen und auch vielen Besuchern das Schießen näherbringen, all das gibt es bei den Bogenschützen auf dem Peter- und Paulfest. Seit nunmehr 20 Jahren existiert diese mittelalterliche Gruppe.

Alles fing mit dem Brettener Open-Air-Fest an. Einige Aktive und Helfer des Musikfestes, darunter Peter Hack, der Vorsitzende des Bogenschützenvereins, waren auf der Suche nach einem mittelalterlichen Verein. „Wir wollten aktiv an dem Fest teilhaben“, erinnert sich Hack. „Wir beschlossen deshalb, eine eigene Gruppe zu gründen. Wir überlegten, was wir denn machen könnten, und fanden dann schließlich das Bogenschützenthema. Dass wir dabei auch eine neue Sportart kennenlernen und ausüben konnten, war einfach perfekt.“

Rat vom professionellen Bogenbauer

Im ersten Jahr wurde das Fest sehr improvisiert und abgeschieden in einem Keller in der Bessergasse gefeiert. Doch im nächsten Jahr, gerade mal zu fünfzehnt, ging es dann schon zum langjährigen Platz der Gruppe am Seedamm. Ein Zelt wurde selbst entworfen, und mit der Hilfe von vielen Verwandten und Freunden wurde fleißig gezimmert und genäht. Das Interesse für das Bogenschießen war geweckt, es wurden viele Bücher zu Rate gezogen und auf der Suche nach weiterer Hilfe nahmen die Bogenschützen Kontakt zu einem professionellen Bogenbauer aus Stuttgart auf. Christoph Matzke, der mittlerweile auch Mitglied in dem Verein ist, brachte das Know-how und die nötigen Bögen mit. Gerade bei den selbstgebauten Bögen wird sehr auf die Authentizität geachtet. Im Vergleich zu modernen Compound-Bögen ist der Umgang mit den Langbögen sehr kraftintensiv und muss hart trainiert werden. Dazu wurden im Laufe der Jahre Streuobstwiesen in Brettens Umgebung angemietet. Jetzt allerdings geht es auf einen professionellen Schießplatz eines befreundeten Vereins in Baden-Baden.

Blaue Flecken vom Trainieren

Aller Anfang war schwer. Der Umgang mit dem Bogen war sehr gewöhnungsbedürftig, und einige Bogenschützen kamen abends nach dem Training nicht nur deprimiert nach Hause, sondern auch mit blauen Flecken auf dem Unterarm von der vorbeischnalzenden Sehne. Aber es hat sich gelohnt. Mittlerweile nehmen einige an Bogenschützenturnieren teil. Ein eigenes Turnier wurde auch schon veranstaltet. Und 2013 haben es zwei aus der Gruppe, Ismet Karabulut und Peter Hack, sogar bis zur Feldbogen-Weltmeisterschaft nach Südafrika geschafft.
Neben dem sportlichen Thema steht auch das mittelalterliche Miteinander im Vordergrund. Zu Beginn gab es kleinere Ausflüge in die Umgebung. So ging es zum Beispiel auf die Ravensburg: Mit Kind und Kegel, Pferd und Wagen wurde zur Burg gewandert und dort übernachtet. Natürlich waren die Bogenschützen auch beim Tross 2004 vertreten.

Gemeinsame Ausfahrten zu Mittelalter-Events

Heute gehen viele der Bogenschützen zusammen auf mittelalterliche Ausfahrten. Während sie sich oft den befreundeten Landsknechten anschließen, wie bei den Fahrten nach beispielsweise Calliano oder Le Puy, haben sie auch ein eigenes Ziel: die Insel Gotland in Schweden. Die gut erhaltene mittelalterliche Stadt Visby feiert jedes Jahr ihr Mittelalterfest mit dem wohl schönsten mittelalterlichen Bogenturnier in Europa, bei dem die Brettener Bogenschützen immer herzlich willkommen sind.
Die Gruppe ist mittlerweile ein bunt gemischter Haufen aus 60 Mitgliedern, die weit verstreut leben - von Stuttgart über Köln und Berlin bis Sydney. Trotz der Entfernung schaffen es aber die meisten, sich mindestens einmal pro Jahr, am Peter- und Paulfest, in Bretten wieder zu treffen. Gerade das lässige Miteinander, das Sportthema, aber auch das Abwechslungsreiche am Peter- und Paulfest machen diese Gruppe so interessant. Neben der Teilnahme an der Schlacht (Florian Grässle: „mir g’winne’ immer“) wird hier auch auf der eigenen Schießbahn geschossen, werden neue Pfeile und Bögen gebaut und interessierte Besucher im Bogenschießen angelernt.

Größere Schießbahn auf dem Viehmarkt

Zwischenzeitlich wurde ein neuer, größerer Platz am Viehmarkt bezogen. „Hier haben wir eine deutlich größere Schießbahn und auch viel mehr Platz für unsere ständig wachsende Gruppe“, so Peter Hack. Und er fügt hinzu: „Kommt uns einfach hier unten mal besuchen, tagsüber während dem mittelalterlichen Treiben geben wir immer mal wieder unsere Schießbahn für Besucher frei.“

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