Das Melanchthonhaus - bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt

Der Vorläuferbau im Jahr 1892: Das Anfang des 18. Jahrhunderts auf den beim Stadtbrand 1689 erhalten gebliebenen Gewölbekellern des Original-Geburtshauses von Melanchthon musste vier Jahre nach dieser Aufnahme dem Neubau der heutigen Gedächtnisstätte weichen. (Foto: Stadtarchiv Bretten)
 
Heutiger Zustand: Das 1903 eröffnete Melanchthonhaus zieht bis heute Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an. (Foto: Stadtarchiv Bretten)
Bretten: Melanchthonhaus |

Folge 6 unserer Reihe zum Jubiläumsjahr über Schauplätze der Stadtgeschichte

Anlässlich des Stadtjubiläums „1250 Jahre Bretten“ veröffentlicht die Brettener Woche jeden Monat einen Beitrag von Dr. Peter Bahn. In der Serie beleuchtet der Leiter des Stadtmuseums im Schweizer Hof ausgewählte Schauplätze, die mit bedeutenden Kapiteln der Brettener Stadtgeschichte verbunden sind. Lesen Sie heute den sechsten Beitrag von Dr. Bahn über das Melanchthonhaus.

Das Melanchthonhaus ist die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Großen Kreisstadt Bretten und Ziel von zahlreichen Besuchergruppen aus Nah und Fern. Mit dem Bau des heutigen Melanchthonhauses wurde 1897, im 400. Geburtsjahr Philipp Melanchthons, begonnen. Nach sechsjähriger Bauzeit wurde es im Herbst 1903 eröffnet. Heute beherbergt das Gebäude neben einem Museum eine große Sammlung von Büchern zur Reformationsgeschichte und zur Geschichte der frühen Neuzeit sowie von Handschriften Melanchthons und weiterer Reformatoren.

Bedeutung für Reformations- und Stadtgeschichte

Doch weisen das Gebäude und der Hausplatz, auf dem es steht, nicht nur reformationsgeschichtliche, sondern auch stadtgeschichtliche Bezüge auf. An der Stelle des Melanchthonhauses befand sich im Spätmittelalter das Haus von Melanchthons Großvater mütterlicherseits Hans Reuter, eines bedeutenden Brettener Großkaufmanns. In diesem Anwesen kam Melanchthon unter seinem ursprünglichen Namen Philipp Schwartzerdt am 16. Februar 1497 als Sohn des kurpfälzischen Rüstmeisters und Waffenschmieds Georg Schwartzerdt, des Älteren, und seiner Frau Barbara, gebürtige Reuter, auf die Welt. Es handelte sich um ein an prominenter Stelle gelegenes Ackerbürgerhaus mit einem großen Haushalt und mehreren Dienstboten. Bis 1561 war das Haus im Eigentum von Melanchthons jüngerem Bruder Georg Schwartzerdt, dem Jüngeren, der wahrscheinlich hier seine Chronik über die Belagerung Brettens im Landshuter Erbfolgekrieg verfasste.

Original-Geburtshaus bei Stadtbrand zerstört

Gut hundert Jahre später beschrieben zwei Prinzen aus dem thüringischen Gotha, die auf der Durchreise in Bretten Station machten und im Gasthaus „Krone“ logierten, in ihrem Reisebericht das Gebäude wie folgt: „Gleich gegen dem Wirtshause über wahr ein alt unansehnlich Eckhaus, darinnen Philippus Melanchthon gebohren, an deßen Thorgewende diese worte eingehauen sind: ‚Dei pietate natus est in hac domo doctissimus Philippus Melanchthon XVI. Febr. Ao. etc. M.CCCCXCVII. Obiit Ao. etc. MDLX.“ Das Geburtshaus Melanchthons befand sich also Ende des 17. Jahrhunderts bereits in einem heruntergekommenen Zustand und fiel kurz nach dem zitierten Bericht dem Stadtbrand von 1689 zum Opfer.

Melanchthons Lebensweg an der Hauptfassade

Die dem Marktplatz zugewandte, reich verzierte Nordfassade informiert mit ihrer Symbolik über Melanchthons Lebensweg. Die Städtewappen am Balkon erinnern an die verschiedenen Stationen: Bretten, Pforzheim, Heidelberg, Tübingen und Wittenberg. An dem kleinen Eckbalkon links sind unter anderem das blau-weiß gerautete Wappen der Kurpfalz und das Wappen des Großherzogtums Baden zu sehen, die an die territoriale Zugehörigkeit Brettens zu Lebzeiten Melanchthons und zur Zeit des Erbauung des Hauses erinnern. Eine weitere Wappendarstellung unter dem Mauerbogen neben dem Eingang zeigt das Wappen von Melanchthons Familie, der aus Heidelberg stammenden Schmiede- und Rüstmeisterfamilie Schwartzerdt, mit dem kurpfälzischen Löwen und Schmiedewerkzeugen sowie Melanchthons später angenommenes persönliches Wappen mit Kreuz und Schlange.
Dr. Peter Bahn

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