Die Gramboler: 30 Jahre Pest und Party

Das sündige Eheweib muss bestraft werden: Das ersten Kurz-Theaterstücke der Gramboler – wie hier 1988 auf dem Marktplatz - waren Gerichtsszenen, in denen sich zumeist untreue Mannen und Weiber zu verantworten hatten, die mehr oder weniger gerechten Strafen zugeführt wurden. (Foto: wod)
 
Gespenstisch geht es zu, wenn die Gramboler als Pestärzte (Foto) durch die Gassen ziehen und die Leichen auf ihren Karren laden: 1504 war nicht alles eitel Sonnenschein. (Foto: Thomas Rebel)

Die Gramboler bereichern das Fest mit ihrem gegensätzlichen Programm.

Bretten (wod) Gegensätzlicher geht’s kaum: „Fürchtet die Pest!“ schallt es Sonntagnacht zur elften Stund schauerlich durch Brettheims alte Gassen, auf einem Karren stapeln sich grässlich entstellte Leichen, davor lamentierende Weiber und Männer in langen schwarzen Mänteln, überdimensionalen weißen Nasenmasken und Fackeln. Die gleichen Darsteller haben noch drei Stunden zuvor in der Bessergasse ein heiter burleskes Theaterstück zum Besten gegeben, gespickt mit Anspielungen aufs Jetzt und Heute, mit Musik und Jubel, Trubel, Heiterkeit. Kaum eine Gruppe beim Fest ist so zwiegespalten wie die „Gramboler“. Seit 30 Jahren heißt es Pest und Party, seit 30 Jahren freuen sich die Besucher auf die ausgelassene Gramboler-Stimmung ebenso wie auf den bedrückenden Nachtumzug, der an die Geißel der Menschheit zu jener Zeit erinnert, die Pest.

Pest und Tribunal

Im Frühjahr 1987 machten sich 15 junge Brettener daran, ihrer Clique einen Platz auf dem Fest zuzuordnen. Bewusst wählten sie Themen, die bislang beim Fest zu kurz kamen: Pest und Tribunal: Mit gespielten Gerichtsverhandlungen unterhielten die Gramboler ihr Publikum in den ersten Jahren. 1987 teerten und federten sie ein untreues Eheweib auf dem Marktplatz zur Strafe, an dem großen Baum auf dem Kirchplatz hängten sie im Jahr darauf den fremdgehenden Ehemann so filmreif, dass Eltern hernach ihren Kindern den quitschfidelen „Gehenkten“ vorführten, um zu beweisen, dass er noch lebt. Gefolterte Weibsbilder im Keuschheitsgürtel – nichts war der Truppe zu verwegen, um es nicht als Schauspiel vorzuführen. Die Stücke wurden von Jahr zu Jahr umfangreicher und länger – heute dauert ein Grambolerstück, das samstags und sonntags jeweils um acht Uhr in der Bessergasse zu sehen ist, eine Stunde. Und es ist jedes Jahr ein neues und eigens fürs Fest selbst verfasstes Stück: Aufgegriffen werden aktuelle stadtpolitische Themen, die in einen historischen Kontext verpackt werden und für Lacher über Lacher sorgen. Damit nicht genug: Passend zum Stück entsteht Jahr für Jahr ein neues Lied. So wuchs das Repertoire jährlich – bislang konnte allerdings kein Lied den Klassiker der Truppe toppen, das „Grambolerlied“ , das überall erklingt, wo die Spaßvögel im Fest auftauchen.

Lärmende, laute Kinder und Jugendliche

Gramboler? So nennt man in Bretten lärmende und laute Kinder und Jugendliche. Und genau deshalb nannten die Festneulinge 1987 so. Laut wollte man sein – und leise zugleich. Denn die andere, die zweite Facette der Gruppe ist alles andere als lustig. Dem allüberall lustigen Festtreiben setzen die Gramboler seit 30 Jahren ein ziemlich gruselig anmutendes Spektakel entgegen: Wenn die Musik zur elften Stund am Sonntagnacht in den umtriebigen Gassen und Plätzen erstirbt, das Licht ausgeht, dann erscheinen sie mit ihrem rumpelnden Karren, die Pestärzte, fackelbewehrt und mit dem Auftrag, die herumliegenden Pestleichen aufzuladen und vor der Stadt zu verscharren. Auf dem Wagen der warnende Rufer: „Fürchtet die Pest“ schallt es über das Fest. Und er berichtet, was zu tun und zu lassen ist, um der Seuche zu entgehen.
So manches Buch haben die Gramboler gewälzt, um die Pest so authentisch wie möglich darzustellen. Die „Leichen“ werden grausig geschminkt, liegen plötzlich in den Lagern herum, um auf dem Pestwagen zu landen, unsanft. So zieht der Pest-Tross von Lager zu Lager, um den Besuchern die andere, die schwarze Seite jener Zeit sehr authentisch und ernsthaft vor Augen zu führen – denn die Zeit des ausgehenden Mittelalters war beileibe nicht nur die fröhliche und ausschweifende – Tod und Verderben waren allgegenwärtig. Neben dem Tod auf den Schlachtfeldern fielen viele damals Seuchen zum Opfer, allen voran eben die Pestilenzia, der „schwarze Tod“.

Gramboler bleiben ihren Themen treu

Auch im 30. Jahr ihres Bestehens bleiben die Gramboler ihren beiden Themen treu. Die Gruppe ist gewachsen, die Kinder der Gründungsväter und –mütter sind zwischenzeitlich ebenso aktiv wie es ihre Eltern auch nach 30 Peter-und-Paul-Festen und vielerlei Auftritten in nah und fern immer noch sind. Gut, auf Enkel warten sie noch ... Aber auch werden natürlich - Gramboler.

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