„Eggefeger“ fegen um die Ecken

Sie sind – um die Ecken fegend - meist überall da, wo man sie nicht erwartet: Hier spielen die Eggefeger im Zehrhaus Paravicini auf und „pfeifen aufs Erdenlos“: Sie vereinen alte Musik unplugged und Stand-Up-Renaissance-Comedy. (Foto: wod)
 
Sie sind – um die Ecken fegend - meist überall da, wo man sie nicht erwartet: Hier spielen die Eggefeger im Zehrhaus Paravicini auf und „pfeifen aufs Erdenlos“: Sie vereinen alte Musik unplugged und Stand-Up-Renaissance-Comedy. (Foto: wod)

Seit 30 Jahren begeistern die „Eggefeger“ mit ihrer Musik spontan und ohne Plan.

Bretten (wod) „Wenn wir in der Schenke sitzen, pfeifen wir auf´s Erdenlos!“ Mit mehrstimmigen Sätzen, Madrigalen, Liedern und Tänzen illustrieren sie die großen Themen des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance: Die Welt als Narrenschiff, Tod und Totentanz, Krieg, Pest und Hungersnot, Wein, Bier, Schnaps, Trinken und natürlich die Liebe. Sie wollen an- und aufregen, feiern und musizieren und abbilden, wie Spielleut und fahrendes Volk um 1504 möglicherweise auch die Leut in den Gassen und Schenken Brettheims unterhalten haben.

Bunt gewandete Truppe

Es ist eine bunt gewandete Truppe, die sich vor 30 Jahren zusammenfand, um zu musizieren. Mit Flöten, Lauten, Rauschpfeifen und was es sonst noch gab an Instrumenten zu jener Zeit, als Brettheim dem Utz trotzte und danach ausgiebig feierte. Sechs Musikantinnen und Musikanten wollten nicht länger in der Ecke stehen, sondern um selbige fegen – nichts anderes bedeutet der Namen Eggefeger. Und so fegten sie über das Fest hinweg, überall da Halt machend, wo illustres Volk nach Musik und Unterhaltung lechzte. Die Klamotten waren und sind ein bunter Haufen an theatertauglichem Sammelsurium aus Gewandstücken um 1500. In ein Schema oder gar in eine Schublade lässt sich die heute zehnköpfige Gruppe weder pressen noch stecken. Dazu passt es, dass sich die musikbegeisterten Brettheimer nicht an ein Programm halten. Nein, das stimmt nicht ganz. Denn an allen vier Festtagen ist die vielstimmige und multiinstrumentale Gruppe immer zur neunten Stund in der Bessergasse zu hören und zu bestaunen. Ansonsten gilt: Weg vom festen Programm, schauen, wer da ist und was grad Spaß macht…
Früher gab’s mal einen festen Spielplatz hinter der Stiftskirche, dann fand man die Eggefeger beim sogenannten „Pferdlesplatz“ in der Nähe des Rathauses, heute sind sie ohne festen Platz oder gar Lager – quasi fahrendes Volk im allerbesten Sinn. Das freut alle, die oft genug ganz zufällig Zeuge von Eggefeger-Auftritten überall auf dem Fest werden. Überhaupt bestimmt der Zufall auch die Musikauswahl, gespielt wird, was gerade gefällt, da ist es natürlich von Vorteil, wenn man aus einem gut gefüllten Repertoire fischen kann. Von spaßig derb bis melancholisch, von zeitgenössisch bis
unzeitgemäß – da ist alles dabei, vom Bauer Meusel bis zu den Lästerzungen, dazu Stand-Up-Renaissance-Comedy in Reinkultur.

Bei den Eggefeger bleiben die Menschen stehen

Wo die Eggefeger das Stimmen ihrer Instrumenten anfangen, bleiben die Leute stehen, erwartungsfroh, denn wer sie kennt, die Sängerinnen und Sänger, die Fiedler, Lautenschläger und Pfeifer, der weiß, jetzt geht hier gleich der Mittelalter-Punk ab, Musik und Tanz die ganze Nacht. Einer spielt nach Noten, andere nach Bildern, der Rest nach Ideen – das Ergebnis indes ist und bleibt immer – spannend.
Von 0 auf 1504 in weniger als acht Sekunden, das macht ihnen so schnell niemand nach. Stimmt, eine vergleichbare Gruppe gibt es nicht in Brettheim. Beim Festzug beteiligen sich die Eggefeger auch, durch aktives Mitfühlen, wie sie selbst sagen.
Wer Lust und Laune hat, mit den zehn aufs Erdenlos zu pfeifen, in den Lagern und Schenken aufzuspielen und um die Egge zu fegen – für Nachwuchs stehen die musikalischen Türen offen. Melden kann man sich bei Judith Fritz, Gartenstraße 4, in Bretten. Oder mal anrufen: 07252 87808.

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