"Kämpfen sehr stark darum": Vielfalt der Nutzpflanzen in Europa stark zurückgegangen

(Foto: Pixabay, PixelAnarchy)

In Europa sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Nutzpflanzen ausgestorben. "Wir haben in Mitteleuropa mehr als 90 Prozent der Sortenvielfalt bei den Kulturpflanzen verloren", sagte Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

Nürtingen (dpa/lsw) In Europa sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Nutzpflanzen ausgestorben. "Wir haben in Mitteleuropa mehr als 90 Prozent der Sortenvielfalt bei den Kulturpflanzen verloren", sagte Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Die Schätzungen bezögen sich vor allem auf den Zeitraum seit dem Zweiten Weltkrieg. "Die Sorten sind auch nicht in Genbanken gerettet, sondern weg - wirklich ausgestorben." Weltweit betrage der Rückgang der Sorten rund 70 Prozent.

Projekt "Genbänkle" gestartet

Um einen Beitrag zum Erhalt alter und seltener Sorten zu leisten, hat der Professor an der HfWU-Fakultät für Landschaftsarchitektur, Umwelt und Stadtplanung mit weiteren Partnern ein Projekt mit dem Namen "Genbänkle" gestartet. Auf einer Internetplattform werden Initiativen und Organisationen zum Thema "Alte und seltene Gemüsesorten" in Baden-Württemberg aufgelistet und vernetzt. Zudem gibt es eine Datenbank und eine Online-Landkarte, die interessierten Menschen den Zugang zu den Sorten erleichtern soll. "Wir stellen auch fest, dass das Interesse daran zunimmt", sagte Lenz. "Die Vielfalt ist als Thema angekommen." So werde beispielsweise diskutiert, welche Vorteile alte Sorten haben - etwa im Geschmack oder auch, ob sie weniger Allergien auslösten. Ob das Interesse aber ausreiche, um die Kulturpflanzenvielfalt zu retten, könne er nicht sagen, sagte Lenz weiter. "Im Moment kämpfen wir sehr stark darum."

Hybridsorten verdrängen Vielfalt

Verluste in der Sortenvielfalt seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass Firmen in den vergangenen Jahrzehnten Züchtungen aufgekauft und sogenannte Hybridsorten entwickelt hätten, die sich selbst nicht vermehren könnten, sagte Lenz. Dadurch müsse der Kunde immer wieder aufs Neue Samen kaufen, woran die Firmen gut verdienten. "Im Prinzip verdrängt man aber mit einer Hybridsorte neun andere. Damit verliert man die Vielfalt in einem Anbaugebiet."
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