„Wir sind immer mehr in der Pflicht“ - Interview mit Polizei-Chef Bernhard Brenner

Der Leiter des Polizeireviers Bretten, Bernhard Brenner.

Bernhard Brenner, Leiter des Brettener Polizeireviers, ist mit seinen Kollegen maßgeblich am sicheren Verlauf des Peter-und-Paul-Festes in Bretten beteiligt. Im Interview mit der Brettener Woche spricht er über die wachsenden und sich wandelnden Herausforderungen für die Beamten bei diesem Großereignis sowie über seinen privaten Festbesuch.

Bretten (swiz) Herr Brenner, das Peter-und-Paul-Fest wurde in den vergangenen Jahren immer friedlicher. Wenig Auseinandersetzungen, so gut wie keine Festnahmen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Einsatztaktik angepasst, zeigen noch deutlichere Polizeipräsenz an den Einsatzschwerpunkten wie zum Beispiel in der Pforzheimer Straße und am Vergnügungspark und sind dabei nicht nur mit Doppelstreifen, sondern teilweise mit ganzen Einsatzgruppen unterwegs. Das dürfte potentielle Gewalttäter ziemlich beeindruckt haben. Dazu kommen natürlich auch noch einige taktische Erwägungen, die sicherlich auch eine Rolle gespielt haben.


Mit wie vielen Beamten werden Sie das Fest in diesem Jahr bestreifen?
Idealerweise haben wir immer genau so viele Beamtinnen und Beamte im Einsatz, wie wir brauchen. Da wir das im Voraus nie ganz genau wissen können, arbeiten wir mit einem flexiblen Einsatzplan. Zu kritischen Zeiten, wenn erfahrungsgemäß besonders viele Menschen auf dem Fest sind oder wenn die Wahrscheinlichkeit für Polizeieinsätze größer ist, erhöhen wir stufenweise unseren Kräfteansatz. Samstagnacht haben wir dann mit über 50 so viele Kolleginnen und Kollegen im Dienst wie nie zuvor und im Krisenfall, der hoffentlich nie eintritt, können wir selbstverständlich landesweit zusätzliche Einsatzkräfte alarmieren.


Was sind für Sie die größten Herausforderungen bei einem solchen Großereignis?
Unser Hauptanliegen ist es, allen Besucherinnen und Besuchern des Festes ein sicheres Verweilen zu gewährleisten. Wir müssen daher sowohl gewaltbereite und alkoholisierte Personengruppen im Auge behalten als auch den Schutz von größeren Menschenansammlungen durch gefährliche Einflüsse aller Art von außen gewährleisten - hierfür haben wir beim Polizeirevier Bretten auch in direkter Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst mögliche Unwetterlagen im Blick. Dazu kommt noch das so genannte "Alltagsgeschäft", das aufgrund der vielen Menschen in der Stadt stark zunimmt. Vom gestohlenen Geldbeutel, vom Kind das seine Eltern sucht, vom Verkehrsunfall bei der An- und Abfahrt bis hin zur Kontrolle von alkoholisierten Fahrern ist hier alles dabei.

Skizzieren Sie doch den Lesern bitte kurz die Bedeutung des über die Jahre verfeinerten Sicherheitskonzepts für das Peter-und-Paul-Fest. Wer wirkt daran mit?
Die Arbeit an dem verbindlichen Sicherheitskonzept begann im Jahr meines Amtsantritts in Bretten. Man kann sich das wie einen runden Tisch vorstellen, an dem neben den Entscheidern der Vereinigung Alt Brettheim und der Stadtverwaltung auch Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sitzen und der Reihe nach sicherheitsrelevante Themen abarbeiten und schließlich schriftlich fixieren. Fachspezifische Themen werden in kleineren Arbeitsgruppen ausgearbeitet und fließen ins Sicherheitskonzept mit ein. Das Konzept, das zeitweise auch von einer externen Firma moderiert wurde und das wir heute in Händen halten, entspricht dem anderer Großveranstaltungen und beinhaltet neben Kommunikations-und Fluchtplänen auch klare Handlungsanweisungen bei entsprechenden Gefahrenlagen. In jedem Lager befindet sich ein Festhelfer, der bei besonderen Anlässen direkt von der Festleitung informiert wird und deren Anweisungen weitergeben kann. Festleitung, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst kommunizieren über festgelegte Kanäle direkt. Zusätzlich gibt es sogar noch eine WhatsApp-Gruppe mit 55 Mitgliedern in allen Lagern, über die man direkte Anfragen an die Polizei richten kann und auch direkte, verifizierte Informationen von der Polizei erhält, um Gerüchten und Falschmeldungen entgegen zu treten.


Inwiefern haben sich die Herausforderungen für Polizisten bei solchen Großereignissen über die vergangenen Jahre gewandelt?
Im Kontext der bekannten abstrakten Gefährdungslage sind wir selbstverständlich immer mehr in der Pflicht, an Plätzen mit hohem Besucheraufkommen eine schnelle Notfall-Intervention gewährleisten zu können. In Kombination mit Personenkontrollen an den Zugängen und angesichts der Vielzahl der belebten Plätze kommen wir da auch an unsere Grenzen. Daher müssen wir uns nach und nach von Aufgaben befreien, die rechtlich betrachtet eigentlich keine Aufgabe für die Polizei sind. Dazu gehören beispielsweise reine Absperraufgaben, die der Veranstalter auf andere Weise selbst gewährleisten muss. Hieran arbeiten wir sehr offen und ehrlich mit allen Beteiligten zusammen. Immer häufiger beschäftigen uns auch mögliche Wetterkapriolen, denn Sturm, Gewitter und plötzliche Hochwasser stellen ernste Gefahren dar.

Abschließende Frage: Wird man Bernhard Brenner auch einmal in zivil im Gewand auf dem Peter-und-Paul-Fest antreffen?
Ich bin von Freitagabend bis Montagfrüh praktisch im Dauereinsatz. Man hat mir diese Frage auch schon sehr oft gestellt. Ich fürchte, dass ich leider zu wenig Gelegenheit hätte, ein Gewand zu tragen. Ich möchte aber wie in jedem Jahr gern am späten Montagabend mit meiner Frau das Fest in Ruhe genießen, ohne angerufen zu werden.

Die Fragen stellte Christian Schweizer, Redaktionsleiter der Brettener Woche/kraichgau.news.

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