In der Praxis bewährt: Feuchte Wundheilung ist moderne Wundheilung

Auch kleine Wunden müssen vernünftig heilen. Als moderner Allrounder bewährt sich ein hydroaktives Wundgel der neuen Generation mit Zink und Eisen. (Foto: metinkiyak/istock)
 
Dr. med. Oliver Götte, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Bad Hersfeld (Foto: privat)

Oberflächliche Hautverletzungen sind ein Alltagsrisiko. Außer dem teilweise heftigen Schmerz beunruhigt dann vor allem die Sorge, dass die Wunde nicht vernünftig heilt und Narben hinterlässt. Was können Betroffene tun, um ihren Körper bei der Wundheilung optimal zu unterstützen? Und welche Rolle spielt dabei die inzwischen so häufig empfohlene feuchte Wundheilung? Darüber und über die Bedeutung eines hydroaktiven Wundgels der neuen Generation sprachen wir mit dem Bad Hersfelder Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Dr. med. Oliver Götte.

Herr Dr. Götte, wenn ich mir eine Schürf- oder Schnittwunde zugezogen habe, was sollte ich als Erstes tun?

Dr. O. Götte: Ganz egal, welche Art oberflächlicher Hautverletzung das ist, die Haut, die ja als Schutzschirm unseres Körpers nach außen fungiert, wird dadurch geöffnet für Verunreinigungen und Bakterien. Der allererste Schritt muss daher sein, Staub und Schmutz aus der Wunde herauszuwaschen. Reinigung ist das oberste Gebot nach jeder oberflächlichen Verletzung. Also die Wunde sofort unter frischem, fließendem Wasser abwaschen. Denn je weniger die Wunde verunreinigt ist, desto effektiver kann der Selbstheilungsprozess des Körpers seine Arbeit verrichten.

Wie geht dieser Selbstheilungsprozess vonstatten? Es ist ja eines der kleinen Wunder des Körpers, dass er Wunden selber heilen kann.

Dr. O. Götte: Bei der Wundheilung unterscheiden wir drei Phasen. In der ersten, der Reinigungsphase, wird vermehrt Wundsekret gebildet, um Bakterien, Schmutzpartikel und sonstige Keime auszuschwemmen. Typisch dafür sind Rötung, Erwärmung, Schwellung und Schmerzen. Danach folgt die Granulations- oder Proliferationsphase. Mit ihr startet der Wundverschluss. Es wird neues, noch vorläufiges und sehr leicht verletzbares Gewebe aufgebaut. Zum Schluss dann, als letzte Heilungsmaßnahme, folgt die Reparations- oder Epithelisierungsphase. Hier verheilt die Wunde endgültig, die Wundränder ziehen sich zusammen und neues Gewebe verschließt die Wunde. Art und Ausprägung der verbleibenden Narbe sind individuell unterschiedlich und hängen unter anderem auch von der Art der Wundheilung ab.

Wunde nicht austrocknen lassen

Nun sagte man ja früher, an eine abheilende Wunde muss Luft dran. Stimmt das noch immer?

Dr. O. Götte: Man sollte da unterscheiden zwischen 'Luft dran' und 'Sauerstoff dran'. Sauerstoff muss auf jeden Fall an die sich neu bildenden Hautzellen. Dieses 'Luft dran' meint jedoch ein Austrocknen der Wunde. Und das ist völlig kontraproduktiv. Denn neu entstehende Zellen können sich auf einer feuchten Wundoberfläche wesentlich leichter ausbreiten, sich vernetzen und so die Wunde zuverlässiger schließen. Auch werden die neuen Zellen in feuchter Umgebung besser mit Nährstoffen versorgt, die Versorgung mit Wachstumsfaktoren und Enzymen wird optimiert. Und ganz wichtig: Es entsteht keine störende Kruste. Eine solche Kruste verzögert den Heilungsprozess, kann Bakterien einschließen, die Narbenbildung fördern sowie während der Heilung Spannungsschmerzen hervorrufen.

Welche Rolle spielen Salben und Gele bei der Heilung? Besonders ein hydroaktives Wundheilungsgel (MediGel, rezeptfrei in Apotheken) wird ja immer wieder positiv erwähnt.

Dr. O. Götte: Wichtig ist es, das sogenannte 'Wundklima' zu optimieren, also den ph-Wert der Wunde auf ein für die Heilung förderliches Niveau zu bringen. Und das tut dieses Gel mit seinen Bestandteilen Zink, Eisen, Vitamin E sowie pflegenden Ölen. Da Sie das Wort 'hydroaktiv' verwenden: In der Tat lässt ein hydroaktives Gel genügend Sauerstoff durch, um neu gebildete Zellen zu versorgen. Da die Wundauflage, der 'Verband', nicht mit der Wundoberfläche verkleben kann, gehen Verbandswechsel schmerz- und problemlos vonstatten und das gefürchtete Wieder-Aufreißen der gerade neu gebildeten Gewebsschicht wird vermieden. Das Narbenrisiko lässt sich so im Vergleich zur herkömmlichen Wundbehandlung erheblich reduzieren.

Angenehm kühl und hautfreundlich

Wann kann dieses Gel denn auf die Wunde aufgebracht werden?

Dr. O. Götte: Das ist ein weiterer großer Vorteil – die Anwendung ist in jeder Phase der Heilung möglich, also auch auf einer frisch entstandenen Wunde, aber bitte natürlich erst, nachdem sie gründlich gereinigt wurde. Es kann ungefähr zwei Millimeter dick aufgetragen werden, kühlt die Wunde sehr angenehm und hinterlässt kein klebriges Gefühl. Aufgrund der sehr hautfreundlichen Zusammensetzung ist es auch bei Kleinkindern und Säuglingen anwendbar.

Ist dann eigentlich noch ein Pflaster oder Verband nötig?

Dr. O. Götte: Im Gesicht vielleicht nicht, aber sonst hat z. B. das Pflaster schon Vorteile. Die neu gebildeten Hautzellen sind anfangs noch sehr empfindlich. Ein Pflaster schützt vor mechanischer Belastung und hält Keime fern. Inzwischen gibt es ja sehr schonende, allergenfreie Pflaster, die sich auch wieder schmerzfrei und schonend entfernen lassen.
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