Kinderecke: Zwischen den Jahren – die Rauhnächte

(Foto: Pixabay, irioto)

Die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig sind im Volksglauben voller Magie

Verwirrend, aber auch faszinierend fand ich als Kind immer die Bezeichnung „zwischen den Jahren“ für den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr. Wie können ein paar Tage denn zwischen den Jahren liegen? Schließlich ist jedes Datum doch vollständig, auch der 28. Dezember gehört heuer noch zum Jahr 2016. Andererseits hat diese Zeit doch tatsächlich etwas Entrücktes, als schwebten diese Tage so dazwischen. Alle haben frei, zumindest fast alle, rund um Weihnachten wirkt alles ein wenig verzaubert, im besten Fall kann man in den Tag hineinleben, sich mit den Geschenken und der Familie beschäftigen und muss sich keine Gedanken um den Terminkalender machen. Die frühen Christen feierten Jesu Geburt und damit auch den Beginn des neuen Jahres am 6. Januar. Im 4. oder 5. Jahrhundert wurde Weihnachten auf den 25. Dezember verlegt, an dem die Römer und andere heidnische Völker bereits die Wintersonnenwende begingen. Es dauerte einige Jahrhunderte, bis die Regelung in ganz Europa verbreitet war, daher empfanden die Menschen diese Zeit als eine Art Hohlraum im Kalender.

Achtung: Geister sind unterwegs

Besonders spannend sind die Sagen und Brauchtümer, die sich um diesen auch „Rauhnächte“ genannten Zeitraum ranken. Mancherorts werden die Häuser ausgeräuchert, um böse Geister fernzuhalten. Denn ähnlich wie an Halloween soll zwischen den Jahren dem Volksglauben nach das Totenreich offenstehen und ruhelose Seelen und Dämonen ihr Unwesen treiben. Es gibt die Sage von der „Wilden Jagd“, das ist eine Gruppe von Geistern, die über den Himmel jagt. Daher darf man zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche aufhängen, denn einer der Jägergeister könnte sich darin verfangen und das brächte Unglück. Das Silvesterfeuerwerk hat in diesem Aberglauben auch mit seinen Ursprung, denn die Knallerei begrüßt nicht nur das Neue Jahr, sondern soll auch böse Geister vertreiben. Die Rauhnächte galten auch als eine günstige Zeit für das Befragen von Orakeln. Kein Wunder, dass Bleigießen an Silvester immer noch so beliebt ist. Früher wurde jedem der zwölf Rauhnächte ein Monat zugeordnet und durch genaue Beobachtung des Wetters, der Stimmung im Haus oder des Essens schloss man, wie das kommende Jahr werden würde. Aber ein Hintertürchen ließ man sich offen: Zwischendurch, am 28. Dezember, und am Ende, am 5. Januar, konnte man dadurch, dass man es sich in seiner Phantasie positiv und schön vorstellte, alles wieder gut machen. (ger)

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