"Engen Kontakt zu Leistungsträgern pflegen" - Interview mit Christina Lennhof

Christina Lennhof, neue Geschäftsführerin des Kraichgau-Stromberg Tourismus, spricht im Interview mit der Brettener Woche über ihre Ziele und Pläne als neue Geschäftsführerin von Kraichgau-Stromberg Tourismus.

Frau Lennhof, wie sind Sie als Kommunikationswissenschaftlerin zu einer Karriere in der Tourismusbranche gekommen?
Ich habe zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Tourismus und das Hotelwesen hänge sehr eng zusammen. Im Bereich Kommunikationswissenschaften dagegen lernt man alles über Kommunikation, Marketing, Medien und PR. Kenntnisse in beiden Branchen, dazu eine Leidenschaft für Outdooraktivitäten und Deutschland als Reiseland – da ist der Tourismus naheliegend. Das hat dann auch in kürzester Zeit geklappt. Nach vier Jahren im Nordschwarzwald bin ich jetzt seit dem ersten Oktober in der Region Kraichgau-Stromberg tätig.

Was hat Sie bewogen, nach Bretten zu kommen?
Ich kenne die Region um Bretten seit vielen Jahren durch das Wandern und den Wein. Es ist eine spannende Region. Gemeinsam mit 43 Gemeinden und drei Leistungsträgern gilt es, die Themen des Kraichgau-Stromberg in die Welt zu tragen. Und es ist natürlich eine berufliche Weiterentwicklung: Von einer Gemeinde im Schwarzwald zu einer Destination. (Anmerkung der Redaktion: Eine Destination beschreibt ein Reiseziel, das eine geographische Region umfasst.) Und das habe ich mir gewünscht.

Können Sie uns ein Ihren Berufsalltag beschreiben? Wo liegen Ihre Schwerpunkte?
Der Schwerpunkt in meinen Aufgaben liegt darin, die Region touristisch nach außen zu tragen, Netzwerke aufzubauen und bereits bestehende touristische Kooperationen weiterzuentwickeln. Außerdem haben wir es uns ganz groß auf die Fahnen geschrieben, einen engen Kontakt zu unseren Leistungsträgern zu pflegen. Das ist mir ganz wichtig, denn die Leistungsträger und ihre Gemeinden sind letztendlich diejenigen, die die Region prägen.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, die Themen, die die Region Kraichgau-Stromberg ausmachen, noch intensiver in den Fokus zu rücken. Das sind vor allem Themen wie Wein, Genuss und Besenkultur, die sehr spannend und touristisch von großer Bedeutung sind. Auch das Thema Wandern ist bei uns ganz oben angesiedelt. Zurzeit arbeiten wir intensiv an der Umsetzung einer Wanderwegekonzeption für die gesamte Region. Der Kraichgau-Stromberg ist auch eine Kulturregion mit Burgen, Schlössern und mit vielen einmaligen Neckarsteillagen. Die Vermarktung dieser Themen möchten wir intensivieren. Ansonsten soll auch ein Fokus auf den Bereich Geschäftstourismus gelegt. Es gibt hier viele große Mittelständler, teilweise Weltmarktführer. Die locken natürlich auch Geschäftstouristen in die Region. Da möchten wir uns öffnen und eine Zusammenarbeit anvisieren.

Und konkret für die kommenden ein bis zwei Jahre?
Ein ganz großes Thema, wie bereits erwähnt, ist die neue Wanderwegekonzeption. Die wurde ja schon letztes Jahr begonnen, und ich möchte dieses Projekt umfassend begleiten, weil Wanderwege sehr wichtig für die Region sind. Es gibt hier sehr viele Wandervereine, aber keine gewachsene Struktur. Zum Beispiel gibt es im Schwarzwald seit Jahrzehnten eine einheitliche Wanderbeschilderung und so etwas möchten wir hier im Frühjahr 2018 mit den 40 schönsten Wanderwegen auf den Weg bringen. Ein weiteres, großes Anliegen ist mir, die Besenkultur stärker nach außen zu tragen. Das ist identitätsstiftend für die Region.

Vor einiger Zeit gab es auch einen Austritt aus dem Verein Kraichgau-Stromberg Tourismus. Macht Ihnen das Sorgen?
Wenn eine Kommune meint, ihre touristischen Attraktionen besser alleine vermarkten zu können, muss man das respektieren. Ich persönlich bin jedoch der Auffassung, dass das gemeinsame Auftreten als große Destination auf lange Sicht erfolgreicher ist. Kleine Einheiten sind von der heutigen Schnelligkeit oft überfordert. Eine Kommune allein kann nicht alles machen, weder finanziell noch personell –Messebearbeitung, Anzeigen schalten, die Medien bedienen, Onlinemarketing – den ganzen Marketingmix also. Wir bieten unseren Mitgliedern zum Beispiel mit regelmäßigen Leistungsträgertreffen auch eine Plattform, damit sie sich vernetzen können.


Was zieht Ihrer Meinung nach Touristen in die Region hier? Ist es der Landschaft, Kultur oder Geschichte wegen? Oder sind es die Menschen?
Es ist eine Mixtur aus allem: Es ist die Gastlichkeit, gepaart mit der Möglichkeit zu wandern und auch Rad zu fahren. Es ist eine liebliche Region, in der sich auch Wanderer wiederfinden, die nicht 500 oder 600 Höhenmeter bestreiten wollen. Auch die Weinberge und Fachwerkdörfer hier sind unheimlich reizvoll. Die ganze Mischung gepaart mit tollen Einkehrmöglichkeiten ist für Touristen von besonderer Bedeutung.

Warum verbringen immer mehr Menschen ihren Urlaub „zu Hause“? Viele Menschen bevorzugen es inzwischen, einfach in ihrer Heimatregion zu bleiben.
Es ist festzustellen, dass der Trend hin zum mehrfachen Kurzurlaub geht. Dann verbringt man seine drei, vier Tage auch mal gerne in der Region vor der eigenen Haustür. Das hat aber auch ganz viel mit dem sogenannten Angsttourismus zu tun: Die Menschen bleiben gerne in Deutschland, da die Welt nicht mehr so sicher ist, wie noch vor einigen Jahren. Wenn die Menschen dann ihren Urlaub letztendlich in Deutschland verbringen, dann entdecken sie aber auch, wie schön es eigentlich hier sein kann. Das war jahrelang nicht so. Ich glaube, eine Zeit lang kannte man Spanien oder Italien und die ganze Welt besser als das eigene Land.

Frau Lennhof, wir haben sehr viele junge Leser. Welchen Rat können Sie ihnen mit auf den Weg geben, damit der erfolgreiche Sprung in die Tourismusbranche gelingt?
Einfach machen! Wichtig ist natürlich, dass man als Voraussetzung ein paar Interessen mitbringt, die diese Branche betreffen. Also, man sollte zum Beispiel selber gerne reisen und unterwegs sein, aufgeschlossen sein und sich ein bisschen in den Themen wiederfinden können, die man später vermarkten möchte. Was die Ausbildung betrifft, gibt es jede Menge Möglichkeiten, zum Beispiel in Heilbronn. Wichtig ist Leidenschaft und Herzblut!

Die Fragen stellten Chris Heinemann und Havva Keskin.
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