Poetry Slam: Slam Poet Nektarios Vlachopoulos im Interview

Slampoet Nektarios Vlachopoulos wurde 2011 deutscher Meister im Poetry Slam. (Foto: Marvin Ruppert)

Slampoet Nektarios Vlachopoulos ist gebürtiger Brettener und wurde für seine Kunst bereits mehrfach mit verschiedenen Preisen geehrt. 2011 gewann er die deutschen Poetry Slam-Meisterschaften in Hamburg. Der 31-jährige ehemalige Deutschlehrer erklärt im Interview mit der Brettener Woche, was das Besondere am Poetry Slam ist. Mehr zum 1. Brettener Poetry Slam finden Sie auf unserer Themenseite.

Herr Vlachopoulos, Sie sind Slampoet. In ihren eigenen Worten: Was ist das?
Nektarios Vlachopoulos: Das sind Menschen, die mit ihren selbst geschriebenen Texten an Poetry Slams teilnehmen. Mittlerweile mache ich das nicht mehr so oft wie früher. Aber ich habe noch keine bessere Bezeichnung für das, was ich mache.

Sie bezeichnen sich selbst als „Deutschlehrer mit griechischem Integrationshintergrund“. Was sagt das über Sie als Poetry Slammer aus?
Das Kunstwort „Integrationshintergrund“ soll die Erwartungshaltung der Leute ad absurdum führen, die griechisch-deutsche Klischeewitze erwarten. Ich habe mich nämlich gar nicht integriert. Ich war schon immer so deutsch wie Döner.

Was ist das besondere am Poetry Slam verglichen mit anderen Kunstformen?
Der Poetry Slam ist ja an sich gar keine Kunstform. Er ist ein Veranstaltungsformat, in dem mehrere Kunstformen wie Rap, Spoken-Word-Poesie oder lustiges Storytelling stattfinden können.

Texte entwickeln sich weiter

Welche Themen behandeln Sie in Ihren Texten?
Vorurteile, Ängste, Überforderung, Liebe, Menschen, Leben, Tanzen, Welt.

Welchen Stellenwert hat der Vortrag für die Wirkung eines Textes?
Wenn ein Text fertig geschrieben ist, ist erst die halbe Arbeit getan. Ich muss ihn dann erst ein paar Mal auf der Bühne vortragen, damit sich das einspielt. Texte entwickeln sich teilweise noch nach monatelanger Rezitation immer noch weiter.

Muss man als Poetry Slammer nicht sehr viel auswendig lernen? Wie schaffen Sie das?
Als Poetry Slammer muss man bei weitem nicht so viel auswendig lernen wie als Schauspieler. Ein paar fünfminütige Texte kann sich jeder reinkloppen.


„Keinen falschen Ehrgeiz entwickeln"

Poetry Slam hat einen starken Wettbewerbscharakter. Spüren Sie Konkurrenzdruck in der Szene?
Das Lustige daran ist ja, dass der Wettbewerb den meisten Poeten völlig egal ist. Er ist nur ein dramaturgisches Mittel, um den durch Castingshows und Fußballspielen auf Wettbewerb konditionierten Zuschauer zum Zuhören zu bringen.

Der Brettener Poetry Slam richtet sich ja an alle, die mal Lust haben, Poetry Slam auf der Bühne in einem lockeren Rahmen auszuprobieren. Welche Tipps geben Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf den Weg?
Locker rangehen, Spaß dran haben und keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. Wenn das Publikum die Verbissenheit spürt, fliegt man sowieso raus.

Welche Verbindung haben Sie noch zu Bretten?
Ich muss zugeben, dass ich nur äußerst selten in Bretten bin. Aber der Spatuzzi macht gutes Eis.


Die Fragen stellte Wiebke Hagemann
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.