Bretten: Altes Fachwerkhaus auf dem Prüfstand

Herbert Vogler will das Haus der ehemaligen Bäckerei Böckle in der Weißhofer Straße 33 vor dem Abriss bewahren.
 

Die Familie von Herbert Vogler war mehr als 300 Jahre lang im Besitz des Hauses in der Weißhoferstraße 33, wo lange Zeit die Bäckerei Böckle ansässig war. Dann wurde es an die Stadt Bretten verkauft, die nun dieses und andere Häuser abreißen möchte, um die Kreuzung zu vergrößern. Hintergrund sind die geplanten Umbaumaßnahmen in der Sporgasse sowie der Weißhofer Straße.

Bretten (wh) Ist es jedes alte Gebäude wert, erhalten zu werden? Mit dieser Frage wird sich der Brettener Gemeinderat auseinandersetzen müssen, wenn es um die konkreten Planungen zur Sporgassen-Bebauung beziehungsweise Umgestaltung der Weißhofer Straße geht. Die Vorschläge dazu, die in einer Infoveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sehen nämlich den Abriss der Gebäude mit den Hausnummern 33, 35 und 37 in der Weißhoferstraße vor. Betroffen ist dabei auch das Haus der ehemaligen Bäckerei Böckle. Herbert Vogler appellierte während der Veranstaltung eindrücklich, das alte Gebäude, das mehr als 300 Jahre in Besitz seiner Familie gewesen sei, nicht abzureißen. Unter der bröckligen Fassade des Hauses befinde sich ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit einem mehrstöckigen Gewölbekeller. „Ich möchte, dass das Haus erhalten bleibt. Ich sehe keine Notwendigkeit für den Abriss“, sagt Vogler.

Größerer Kreuzungsbereich gewünscht

In der Stadtverwaltung hingegen wünscht man sich einen größeren Kreuzungsbereich, wenn der Hauptverkehrsfluss wie geplant über die Sporgasse und nicht mehr über die Weißhoferstraße geht. Besonders für die Busse sei die derzeitige Situation problematisch, erklärt Oberbürgermeister Martin Wolff. Für Christopher Retsch, Mittelalterforscher und Denkmalpfleger, ist das ein schwaches Argument: „Es ist ein unmögliches Vorgehen, wenn man Geschichte opfert, um eine Verkehrsinsel zu bauen. Jetzt wird ein Problem herbeigeredet, was vorher keines war. Die Busfahrer schaffen die Kurve seit Jahrzehnten“.

Retsch fürchtet, dass es in Bretten irgendwann keine richtige Altstadt mehr geben könnte. Viele Bauvorhaben, nicht nur in Bretten, seien auf 30 oder 40 Jahre angelegt und würden dann wieder hinfällig. In Bretten sei das Sporgassenareal ein gutes Beispiel. Hier habe man in den 60er- und 70er-Jahren historische Gebäude abgerissen, um einen Parkplatz zu schaffen, den man nun wieder bebauen möchte.

Denkmalwürdigkeit des Landmesserhauses größer?

Im Hinblick auf den Bereich Weißhoferstraße schlägt Retsch daher vor: „Dann könnte man doch gleich das Haus – ich schätze es stammt aus den 70er-Jahren – auf der gegenüberliegenden Seite des Böckle-Hauses abreißen, um die Straße zu vergrößern. Das wird, wenn die momentane Erneuerungswelle so weitergeht, sowieso in 30 Jahren abgerissen.“ Auch Vogler und sein Bruder stimmten 1976 dem Abriss des Hauses der Großeltern zu. „Das war notwendig“, erklärt Vogler. Der Abriss des Böckle-Hauses sei es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn das weitaus jüngere Landmesserhaus unter Denkmalschutz steht, solle dieses Gebäude auch darunter fallen, so Vogler. Dem stimmt Wolff nicht zu und schätzt die Denkmalwürdigkeit des Landmesserhauses größer ein. Für Retsch hingegen geht es gar nicht in erster Linie um Denkmalschutz, sondern um das Stadtbild: „Die Stadt meint: ,Was nicht unter Denkmalschutz steht, ist nichts mehr wert‘, aber Denkmalschutz ist nicht gleich Stadtbildpflege. Eine Stadt, die mit ihrer Geschichte hausieren geht, muss sich auch um ihre sichtbare Geschichte kümmern. Die Stadtverwaltung sollte mit gutem Beispiel voran gehen und sich um die alte Substanz in öffentlicher Hand kümmern.“ Wolff hingegen bezeichnet das Haus als abgewirtschaftet und fragt: „Was macht man denn noch damit?“. Nach Ansicht von Retsch könne es noch als Wohnhaus genutzt werden: „Der Putz bröckelt ein bisschen, aber das Böckle-Haus ist kein Schandfleck“.

"Noch nichts entschieden"

Noch sei nichts abschließend entschieden, betont Wolff. In der Sitzung vom 11. April wurde der Antrag zur Umgestaltung des Bereichs Weißhoferstraße, Marktplatz und Pforzheimer Straße zwar einstimmig zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig hat der Gemeinderat aber die Verwaltung beauftragt, „ein Meinungsbild der Betroffenen und der Öffentlichkeit einzuholen.“
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