Bretten: Diesel-Schadstoffe bisher kein Thema

Die Dieselmotoren werden zwar ständig verbessert, aber die Abgase enthalten immer noch Stickoxide, Feinstaub und andere giftige Chemikalien. (Foto: Fotolia/olando)
 

Bretten nimmt bis heute nicht am landesweiten Feinstaub- und Stickoxid-Messprogramm der LUBW teil.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Christian Schweizer.

Bretten (swiz/ch) „Abgasskandal“, „Dieselgate“, „Dieselgipfel“, „Fahrverbote“ – was anderswo die Gemüter erhitzt, war in der Brettener Verwaltung bisher ein wenig beachtetes Thema. Dabei nimmt der Verkehr auch in Bretten kontinuierlich zu, folglich auch der Anteil an Dieselfahrzeugen mit ihren problematischen Abgasen. Zwar wurden die Dieselmotoren in den vergangenen Jahrzehnten ständig verbessert, aber die Abgase enthalten immer noch Stickoxide, Feinstaub und andere giftige Chemikalien. „Stickoxide reizen die Atemwege, können Krankheiten wie Asthma und Entzündungen auslösen und begünstigen die Bildung von bodennahem Ozon, das ebenfalls ein gesundheitsschädliches Reizgas ist“, erläutert auf Nachfrage Dr. med. Norbert Fischer, Vorsitzender des Ausschusses „Prävention und Umwelt“ bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Stickoxide trügen außerdem zur Bildung von Feinstaub bei, der durch die Lungenbläschen ins Blut dringe und neben Atemwegserkrankungen auch Gefäßschädigungen und eventuell sogar bösartige Krankheiten auslösen könne, so der Mediziner. Insgesamt sei daher der aus dem Ruß im Dieselabgas entstehende Feinstaub noch gefährlicher als die Stickoxide.

Messprogramm der LUBW 

Wie hoch in Bretten die gesundheitliche Belastung für Anwohner der meistbefahrenen Straßen ist, lässt sich nur vermuten. Grund ist, dass, anders als zum Beispiel in Bruchsal, Pfinztal oder Walzbachtal, in Bretten bislang keine Feinstaub- und Stickoxid-Messungen durchgeführt wurden. Ein Angebot, diese Messungen durchzuführen, hatte die Stadt im Jahr 2005 von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) vorliegen. Diese hatte im Juni 2005 alle Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg angeschrieben und gebeten, mögliche straßennahe Belastungspunkte in ihrem Gemeindegebiet sowie die dortigen aktuellen Verkehrsverhältnisse zu nennen. Von Bretten habe man damals keinerlei Daten gemeldet bekommen, erklärt eine Sprecherin der LUBW auf Anfrage der Brettener Woche. Auch in den folgenden Jahren habe die Stadt keine Versuche unternommen, um in das landesweite Messprogramm der LUBW aufgenommen zu werden, so die Sprecherin.

"Keine zusätzlichen Anfragen der LUBW"

Gemessen wurden und werden bei diesem sogenannten Spotmessprogramm die Schadstoffkonzentrationen von Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10). Warum man eine etwaige Anfrage der LUBW 2005 nicht beantwortet habe, könnten nur die damaligen Entscheidungsträger beantworten, erklärt Bürgermeister Michael Nöltner auf Nachfrage der Brettener Woche. Warum die Stadt in den vergangenen Jahren nicht dennoch einen Versuch unternommen hat, noch nachträglich in das Messprojekt zu kommen, begründet Nöltner damit, „dass in erster Linie nicht klar war, dass es noch die Möglichkeit gibt, in diese Langzeituntersuchungen mit einbezogen zu werden.“ Von Seiten der LUBW habe es in den letzten Jahren auch keine zusätzlichen Anfragen gegeben. „Und das Thema Feinstaub und vor allem die durch die Dieselverbrennung belastenden Stickoxide ist erst durch die Diesel-Schummelsoftware wieder in das öffentliche Interesse geraten“, so Nöltner. Auch stünden dabei doch die Großstädte wie Stuttgart, München oder Frankfurt im Fokus. Er werde sich nun aber, aufgrund der neuen Informationen mit der LUBW in Verbindung setzen. Dass die Werte auch dazu dienen könnten, eine zeitliche Vorziehung der geplanten B294-Ortsumgehung zu erreichen, glaubt Nöltner indes nicht. „Da diese Werte nicht flächendeckend vorliegen, wird es schwer sein, hierüber eine Priorisierung vorzunehmen. Das hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Aber bei einer entsprechenden Belastung wäre das in der innerstädtischen Diskussion und Entscheidungsfindung ein weiteres Argument für eine äußere Entlastungsstraße.“

Diskussion unter Gesichtspunkt steigender Verkehrszahlen

Bislang wird die Diskussion über eine Verkehrsentlastung in Bretten hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt steigender Verkehrszahlen geführt. Um welche Größenordnungen es sich dabei handelt, ergibt sich aus einem Vergleich der vorletzten großen Verkehrserhebung im Jahr 2008 und der jüngsten Verkehrszählung im Mai dieses Jahres. Allein in den vergangenen neun Jahren nahm der Gesamtverkehr auf der Pforzheimer Straße zwischen Kraichgau-Center und Ampelanlage an der Aral-Tankstelle um rund 2.800 Fahrzeuge pro Tag zu, während auf dem gemeinsamen Ast der Bundesstraßen 35/293 zwischen Alexanderplatz und Abzweigung nach Walzbachtal eine Zunahme von etwa 4.000 Fahrzeugen pro Tag verzeichnet wurde. Gemessen wurden die Verkehrsmengen an mehreren neuralgischen Punkten in der Innenstadt, teils im Auftrag der Stadt Bretten und teils im Auftrag anderer Behörden, wie Ulrich Braun, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Baurecht, erläutert. Die daraus abgeleiteten Argumente für eine Verkehrsentlastung fallen jedoch unterschiedlich aus.

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