Bürgerinformation über Umgehungsstraße Bretten: Gegen "Schnellschüsse"

Umgehungsstraße Bretten: Die Bürgerinformation war gut besucht. (Foto: ch)

Dass die von der Stadtverwaltung veranstaltete Bürgerinformation über die verschiedenen Varianten einer Verkehrsentlastung für den Brettener Süden auf großes Interesse stoßen würde, zeichnete sich schon im Vorfeld ab.

Bretten (ch) Dass die von der Stadtverwaltung veranstaltete Bürgerinformation über die verschiedenen Varianten einer Verkehrsentlastung für den Brettener Süden auf großes Interesse stoßen würde, zeichnete sich schon im Vorfeld ab. Letzte Woche hatten rund 20 Bürgerinnen und Bürger bei einer Begehung der mutmaßlichen Südumgehungs-Trasse beschlossen, eine neue „Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten (BIVEB) zu gründen, die nun ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Die Stühle im Saal des Brettener Rathauses waren größtenteils besetzt. Es kursierten Faltblätter der Bürgerinitiative und einige Redner meldeten sich zu Wort. Die Tonlage blieb jedoch auf allen Seiten den Abend über sachlich und lösungsorientiert.
Zu Beginn trat Oberbürgermeister Martin Wolff dem Verdacht entgegen, es solle „eine Trasse durchgepeitscht werden“. Das sei „völlig daneben“. Mit Verweis auf den in der vorderen Reihe sitzenden zuständigen Straßenplaner im Regierungspräsidium Karlsruhe, Axel Speer, fügte er hinzu: „Wir können uns als Gemeinderat was wünschen, aber die Entscheidungsgewalt haben wir nicht.“

"Gemeinderat macht keine Schnellschüsse"

Stadtrat Martin Knecht versprach namens seiner Kollegen, dass der Gemeinderat „keine Schnellschüsse“ machen werde. Bevor die Besucher zu Wort kamen, hatte Ulrich Braun seinen Auftritt. Der Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Baurecht legte in einer fast anderthalbstündigen Präsentation alle bekannten Fakten auf den Tisch. Einer seiner Schlüsselsätze, die er mit Zahlen aktueller, erst im Mai und Juni durchgeführten Verkehrserhebungen untermauerte, lautete: „Unser Verkehrsproblem besteht nicht allein aus dem Durchgangsverkehr, sondern aus dem Ziel-, Quell- und Binnenverkehr.“ Die gute Ausstattung des Mittelzentrums Bretten strahle auf das Umland aus und ziehe Verkehr an. Neue Gewohnheiten und Dienstleistungen, mehr Wohn- und Arbeitsplätze, alles führe zu mehr Verkehr nach Bretten, in Bretten selbst und in Brettens Umgebung.

"80 Prozent aus heimischem Quell- und Binnenverkehr"

So bestehe zum Beispiel der am Alexanderplatz gemessene Verkehr aus Pforzheim und Sprantal mit Fahrtrichtung Bruchsal/Karlsruhe nur zu 16 Prozent aus Durchgangsverkehr, aber zu mindestens 80 Prozent aus heimischem Quell- und Binnenverkehr. Eine weitere Zahl: In den letzten 17 Jahren habe sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Berufseinpendler mehr als verdoppelt, so stark wie in keinem anderen Mittelzentrum. Zugleich sei die Zahl der Berufsauspendler immerhin um 50 Prozent gestiegen. Die der Stadt vorliegenden aktuellen Unterlagen werden laut Braun auf der städtischen Internetseite zur allgemeinen Einsichtnahme veröffentlicht.

"Stadtbahnpreise sind indiskutabel"

Was denn die Stadt unternehme, um den Binnenverkehr rund um die Schulen einzudämmen, zum Beispiel mit einem ermäßigten Abo für Bretten und Umgebung, wollte ein Besucher wissen. Die Stadtbahnpreise seien ja „indiskutabel“. Das höre er zum ersten Mal seit sieben Jahren, entgegnete Oberbürgermeister Martin Wolff. Bretten bezuschusse den Karlsruher Verkehrsverbund jährlich mit bis zu 14 Millionen Euro, sonst wären die Fahrkarten "doppelt so teuer". Einen Bretten-Tarif werde es aber „mit Sicherheit nicht geben“.

Skepsis bei Nord-Süd-Tunnel unter der Innenstadt

Der Klage von zwei Zuhörern über "extreme Belastung" durch Lkw-Durchgangsverkehr mit Erdaushub von Stuttgart 21 für den Wössinger Steinbruch versprach der OB nachzugehen. Auf allgemeine Skepsis schien indes die Anregung von Innenstadtbewohner Ulrich Reich für einen Nord-Süd-Tunnel unter der Innenstadt hindurch zu stoßen. Nach den Überschwemmungen der Vorjahre habe er gegen solche Tiefbauwerke Bedenken, konterte ein anderer Besucher. Seitens der neuen Bürgerinitiative verlangte Frank Schneidereit, den innerstädtischen Verkehr zu betrachten und sich nicht auf eine Trasse festzulegen. "Genau das tun wir", beschied der OB. Kurz vor Schluss wiederholte er seine bereits in der Vorwoche gemachte Ankündigung, die Stadt wolle noch vor den Sommerferien dafür sorgen, dass drei Ampeln an der Pforzheimer und Wilhelmstraße "verkehrsabhängig" geschaltet werden. Damit soll kurzfristig der Verkehr flüssiger gemacht werden.
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