„Die Versäumnisse werden auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen“ – Umfrage zum Diesel-Gipfel

Herbert Sassmann aus Ölbronn-Dürrn
 
Engin Kaykun aus Gondelsheim

Saubere Luft, das wünscht sich jeder. Deshalb fand am 2. August das Nationale Forum Diesel (Diesel-Gipfel) statt, bei dem sich die Bundesregierung und Vertreter der deutschen Automobilindustrie zusammenfanden. Sie diskutierten darüber, wie man den Ausstoß von Schadstoffen von Dieselfahrzeugen reduzieren kann. Am Ende kam man zu dem Beschluss, dass vorerst ein Software-Update für Fahrzeuge der EU-Abgasnormen 5 und 6 durchgeführt werden soll. Wir haben unsere Leser gefragt, ob dieser Beschluss ausreichend ist und wie die Diesel-Diskussion sie momentan betrifft.

„Man hätte schon viel früher etwas unternehmen müssen. Es ist doch schon lange bekannt, dass E-Motoren überfällig sind. Ich habe das Gefühl, man führt die Menschen an der Nase herum. Ein Software-Update reicht keineswegs aus, da die Technik an sich überholt ist. Man braucht eine ganz neue Strategie, um die Abgase zu verhindern. Es gibt doch mit Sicherheit Technologien, die in der Schublade schlummern. Diese sind jetzt notwendig. Ich überlege mir schon länger, mich umzuorientieren. Elektrofahrzeuge sind aber noch nicht ausgereift genug und zu teuer.“
Herbert Sassmann aus Ölbronn-Dürrn

„Ich denke nicht, dass ein Software-Update hilfreich ist, aber auch Fahrverbote lösen das Problem nicht. Hilfreich wäre es schon, wenn mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad oder Fahrgemeinschaften in Anspruch nehmen. Ob ich auf Elektro umsteigen würde – wieso nicht? Derzeit fahre ich noch einen Diesel, aber ich bin damit auch auf längeren Strecken unterwegs.“
Engin Kaykun aus Gondelsheim

„Wissen kann ich das nicht, aber ich glaube nicht, dass ein Software-Update ausreichend ist. Es kann nur einen Teil des Problems lösen und bringt vorübergehend etwas. Die Fahrzeugindustrie hat vorher schon Fehler gemacht – die Politik schaut weg und macht mit und die Versäumnisse werden auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen. Bei einem Fahrverbot müssten schon alle Verbrennungsmotoren beteiligt werden. Ich habe einige Jahre in Stuttgart gearbeitet: In Großstädten können Fahrverbote etwas bringen, wenn die Luftbelastung entsprechend hoch ist. Ich mache mir schon seit längerer Zeit Gedanken über einen Umstieg, aber der Strom muss auch erzeugt werden. Hier greift die große Diskussion um erneuerbare Energien: Alle Ressourcen sind begrenzt.“
Jürgen Lang aus Walzbachtal

„Den Diesel-Gipfel habe ich nicht mitbekommen, aber das was in Stuttgart derzeit gerichtlich passiert ist. Ich glaube nicht, dass ein Software-Update etwas bringt, andererseits wird heutzutage alles über IT abgewickelt. Ob das Software-Update auch etwas zur Gesundheit beiträgt ist die andere Frage. Fahrverbote sind ein guter Ansatz, aber die Problematik liegt doch teilweise ganz woanders: Es gibt so viele Menschen die von A nach B kommen wollen und man braucht ein Auto, um das zu tun. Meistens sitzt im Auto aber nur eine Person. Deshalb wären am besten Fahrgemeinschaften.
Hakan Peker aus Bretten

„Ein Software-Update reicht nicht aus. Vor Jahren hat man Diesel-Fahrzeuge als gut eingestuft und nun das. Das ist reiner Betrug und jetzt will man sich davonschleichen. Ich verstehe nicht, dass die Bundesrepublik keine Sammelklage eingereicht hat. Jetzt sind die Autobesitzer die Dummen – das ist schade für die Leute. Denn schuldig ist die Industrie, die den Verbrauchern etwas ganz anderes suggeriert hat. Ich überlege, umzusteigen, aber nicht auf ein Elektrofahrzeug. Dafür gibt es noch zu wenige Ladestationen.
Hermann Irion aus Bretten

Die Fragen stellte Havva Keskin.
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