Hindernisparcours mit Gefahrenstellen: Die Brettener Woche hat mit RSC-Mitglied Klaus Krätschmer die städtischen Radwege getestet

Gefährliche Fahrt mit Hindernissen: Die Brettener Woche hat zusammen mit dem RSC die Radwege in der Brettener Innenstadt getestet. Foto: ch
 
Startpunkt der Radwege-Testfahrt: Bei den Stadtwerken nehmen wir den gemeinsamen Geh- und Radweg Richtung Innenstadt.
 
Die erste Engstelle auf der Pforzheimer Straße: Eingezwängt zwischen einer Mauer und Autos bleibt kaum Platz, um entgegenkommenden Fußgängern oder Radlern auszuweichen.
Bretten: Innenstadt |

Der Brettener Gemeinderat hat im April auf Antrag der Grünen-Fraktion mehrheitlich beschlossen, die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Radverkehrskonzepts für das Stadtgebiet zu beauftragen. Schritt für Schritt soll damit in den nächsten fünf Jahren aus dem bisherigen Stückwerk ein zusammenhängendes Radwegenetz werden.

An welchen neuralgischen Punkten Verbesserungsbedarf besteht, hat unser Redakteur Chris Heinemann gemeinsam mit Klaus Krätschmer vom Radsportclub Bretten bei einer Testfahrt erkundet.

Erste Engstelle auf der Ortseinfahrt

(ch) Dies ist ein subjektiver Bericht ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir beginnen unsere Tour bei den Stadtwerken, wo der von Sprantal kommende gemeinsame Geh- und Radweg stadteinwärts in die Pforzheimer Straße mündet. Nur wenige Meter weiter wird es schon eng: Eingezwängt zwischen Autoverkehr und eine Stützmauer bleibt kaum Platz, um zwei entgegenkommenden Radlern auszuweichen. Zum Glück sind gerade keine Fußgänger unterwegs. An der Einmündung der Straße Im Brückle fehlt – wie an fast allen Straßenquerungen – eine durchgezogene Radweg-Markierung als Warnung für Autofahrer.

Hinter der Tankstelle ist Schluss

Auf dem regulären Radweg ab dem Kraichgau-Center steuern wir Richtung Marktplatz, doch hinter der Aral-Tankstelle ist abrupt Schluss. Mangelhafte Sichtverhältnisse am Windstegweg und das notorisch starke Verkehrsaufkommen auf der Pforzheimer Straße zwingen uns aus dem Sattel. Weil die Pforzheimer Straße am Saalbach zur stadtauswärtigen Einbahnstraße wird und das Einfahrtverbot auch keine Ausnahme für Radler zulässt, müssen wir mit den Autoschlangen in die Georg-Wörner-Straße abbiegen, um uns auf eigene Faust am Gerberhaus vorbei über Friedrichstraße und Wassergasse zum Marktplatz durchzuwursteln.

"Deutschlands schmalster Radweg"?

Immerhin, vor „Brettens guter Stube“ signalisiert ein Schild: „Radverkehr frei“. Doch wie sieht es Richtung Knittlingen aus? Auch die Weißhofer Straße ist an dieser Stelle Einbahnstraße und, wie am regen Verkehr ablesbar, eine beliebte Abkürzung durch die Innenstadt. Radler müssen entweder den kleinen Umweg über die Sporgasse nehmen oder den Rückweg über die Wassergasse zur Georg-Wörner-Straße antreten. Wir entscheiden uns für Letzteres. Über die Friedrichstraße lässt sich noch relativ unbehelligt radeln, doch ab der Ölmühle wird es schwierig.
In stadtauswärtiger Fahrtrichtung ist kein Radweg erkennbar. Also nehmen wir den gemeinsamen Rad- und Gehweg auf der anderen Straßenseite: eine Kuriosität in Form eines lächerlich kleinen Radstreifens, der sich mit nur 50 Zentimetern das Etikett „Deutschlands schmalster Radweg“ redlich verdient hätte. Er lässt nur die Alternative: entweder mit Fußgängern in Konflikt zu kommen oder mit entgegenkommenden Fahrzeugen quasi „auf Tuchfühlung“ zu gehen. Am Kreisel ist „Ende Gelände“. Wir teilen uns wieder mit dem Autoverkehr die Fahrbahn und gelangen unter der S-Bahnbrücke hindurch zum gemeinsamen Rad- und Fußweg nach Knittlingen und Maulbronn.

Beinahe-Unfall eines Radlers

Der reguläre Radweg zurück ins Stadtzentrum zweigt vor der Bahnbrücke ab zum Schwimmbad. Ob diese Umleitung denn auch angenommen wird, wollen wir von einer entgegenkommenden Radlerin wissen, die nach eigener Aussage bei gutem Wetter täglich mit dem Rad nach Knittlingen zur Arbeit und zurück fährt. Die junge Frau, die namentlich ungenannt bleiben möchte, schüttelt den Kopf: „Die meisten fahren auf der Straße geradeaus.“ Der Radweg werde stark genutzt, vor allem von Schülern und Lehrern. Sie erzählt uns von einem Beinahe-Unfall: „An der Schwimmbadausfahrt ist ein Arbeitskollege von mir gestürzt, als dort ein Auto raus kam.“

Kein Zeichen, wo es weitergeht

Bei der Firma Sauter gelangen wir zurück auf die Weißhofer Straße und biegen nach der Kreuzung in die Reuchlinstraße ein. An der Heilbronner Straße stadtauswärts erwartet uns wieder ein gemeinsamer Rad- und Gehweg. Zunächst über eine abenteuerliche Holperstrecke wechselnder Beläge, ab dem Alfred-Neff-Seniorendomizil dann über ordentliches Pflaster. Allerdings gibt es auch hier Engstellen, und die Abgrenzung der Nutzer wirft Fragen auf: Ob für Radler oder Fußgänger, der nur knapp 50 Zentimeter breite graue Randstreifen an der Bordsteinkante reicht für keinen von beiden. Oben an der Kreuzung Richtung Gölshausen begegnen wir Ralf Martin. „Da ist kein Zeichen, wo der Radweg weitergeht“, bemängelt der Lehrer, der regelmäßig von Bauerbach in die Innenstadt zur Schule und zurück radelt.

Baustellen und plötzlich ausfahrende Autos

Wir kehren um. Unser letztes Ziel: Wilhelmstraße und Alexanderplatz. Trotz streckenweise gut ausgebautem Rad- und Fußweg auch dort keine freie Fahrt. Erst zwingt eine Baustelle vor den Beruflichen Schulen zum Absteigen. Dann folgt ein engeres, nicht ausgebautes Teilstück, auf dem urplötzlich ein aus einem Grundstück ausfahrendes Auto den Weg blockiert. Gut, dass wir nicht in Eile sind, sonst wäre ein Crash nicht ausgeschlossen gewesen. Kurz vor dem ovalen Kreisel dann noch einmal eine Baustellenabsperrung, die nur ein Viertel der Wegbreite frei lässt. Wahrscheinlich wurde hier im Haltestellenbereich an ein- und aussteigende Busfahrgäste gedacht, weniger an Passanten zu Fuß oder Radfahrer.

Ein Lob mit Wermutstropfen

Die Fuß- und Radüberwege rund um den Kreisel geben keinen Anlass zum Meckern. Die Art, wie hinter dem Kauflandkreisel auf der Melanchthonstraße der gemeinsame Rad- und Gehweg in einen gut markierten Fahrbahn-Radweg überführt wird, beweist, wie die Interessen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer miteinander vereinbar sind, vorausgesetzt der nötige Raum ist vorhanden. Aber kein Lob ohne Wermutstropfen. Kurz vor dem Alexanderplatz stehlen sich die Straßenplaner aus der Verantwortung und überlassen es ausgerechnet auf dem Abbiegestreifen Richtung Heilbronn-Stuttgart den Verkehrsteilnehmern selbst, wie sie miteinander auskommen. Mit dem Ergebnis, dass brisante Interessenkonflikte um die Nutzung des gemeinsamen Straßenraums an der Tagesordnung sind.

Parkendes Auto behindert Radler

An diesem vom Verkehrslärm Tag und Nacht umtosten Knotenpunkt trennen sich unsere Wege. Während Klaus Krätschmer, eskortiert von einer Fahrzeugschlange, über die Diedelsheimer Höhe heimwärts radelt, schaue ich mir noch die andere Straßenseite an. Es zeigt sich, dass etliche Radler die Gefahrenstelle meiden und lieber gegen die allgemeine Fahrtrichtung auf dem gegenüber liegenden Rad- und Gehweg den Alexanderplatz queren. Dann heißt es auch für mich umkehren. Vor dem Kauflandkreisel ragt ein Fahrzeugheck in den Radweg. Der Parkplatz vor einem Laden ist anscheinend zu knapp bemessen. Das Bewusstsein für radelnde Mitmenschen auch. Ansonsten führt mein Weg über das wohl längste zusammenhängende Teilstück des ausgebauten Brettener Radwegenetzes entlang von Melanchthon-, Zähringer, Wilhelm- und Pforzheimer Straße.

Verblasste Radwege und ein Vorschlag

Dass Teile dieses Ausbaus schon lange zurück liegen, signalisiert der vielerorts verblasste, ehemals rot gepflasterte Radwegebelag. Die Folge sind Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern. Wie hatte mein Begleiter vom RSC Bretten unterwegs gesagt: „Man muss ja nicht gleich das Pflaster austauschen. Es würde schon reichen, jeweils in Sichtweite ein Radlersymbol auf dem Pflaster aufzubringen.“

Wenn Sie weitere Gefahrenstellen für Radler in und um Bretten kennen, dann würden wir uns über Ihren Kommentar unter diesem Bericht freuen. Oder schreiben Sie eine E-Mail an die Redaktion unter: redaktion@brettener-woche.de

Alle Fotos: Chris Heinemann und Klaus Krätschmer

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