Pachtvertrag gekündigt: Caritas sieht keine Zukunft für Altenpflegeheim in Apothekergasse

Der Stein des Anstoßes: Das Altenheim St. Laurentius. wh

Die geplante Verlegung des Altenhilfezentrums St. Laurentius aus der Apothekergasse in der Brettener Innenstadt auf das Mellert-Fibron-Gelände beim Kraichgau-Center sorgt für Unmut. Von Seiten der Caritas wird der neue Standort aber als "alternativlos" bezeichnet. Denn die Zeit drängt: Der Pachtvertrag wurde bereits zum 31. August 2018 gekündigt. Lesen Sie dazu den Kommentar.

Bretten (wh) Die geplante Verlegung des Altenpflegeheims St. Laurentius auf das Mellert-Fibron-Gelände schlägt derzeit hohe Wellen. Hauptkritikpunkte sind der Schienenlärm sowie die Stadtrandlage. „Mit mir als OB wird es das nicht geben“, ließ der zukünftige Oberbürgermeister-Kandidat Aaron Treut verlautbaren und sprach sich für den Verbleib des Altenhilfezentrums am derzeitigen Standort aus.

Der Bau ist nach dem derzeitig gültigen Bebauungsplan möglich. Auch ob das Lärmgutachten, das im Juli im Gemeinderat vorgestellt wird, dem Projekt noch gefährlich werden könnte, ist fraglich, da es eine große Bandbreite baulicher Möglichkeiten gibt. Trotzdem steht Treut mit seiner Meinung nicht allein da: Auch Peter Schwertges, der für Die Linke als Oberbürgermeisterkandidat antreten wird, will das Altenpflegeheim in der Innenstadt belassen. In einer Pressemitteilung erklärt er: „Flächen für eine notwendige Erweiterung wären in unmittelbarer Nachbarschaft im westlichen Bereich des Sporgassen-Areals vorhanden“. Es habe Gespräche mit der Caritas gegeben, berichtet Oberbürgermeister Martin Wolff. Alternative Standorte seien abgelehnt worden, ebenso eine Aufrechterhaltung der Bewerbung für den Standort Rechbergklinik.

"Die Zeit läuft"

„Der Ersatzbau auf dem Mellert-Fibron-Gelände ist aktuell alternativlos“, meint Yvonn Hürten, Vorsitzende des Caritas-Verbandes Ettlingen, „Wir müssen eine neue Einrichtung quasi aus dem Boden stampfen“. Sie bestätigt, dass ein Standort an der Sporgasse oder an anderen alternativen Orten bereits vor einigen Jahren geprüft und als nicht realisierbar befunden wurden. „Jetzt fängt die Zeit an zu laufen“, mahnt die Verbandsvorsitzende Hürten.

Der Vertrag für den Standort an der Apothekergasse ist bereits zum 31. Dezember 2018 gekündigt. „Wenn wir für einen Ersatzbau am Standort Apothekergasse zumachen müssen, sind unsere Bewohner weg, sind unsere Mitarbeiter weg.“ Dann habe man keinen Ort mehr für die katholische Altenpflege in Bretten. OB Wolff betont, dass es bei allen Emotionen wichtig sei, den Fortbestand der katholischen Altenpflege in Bretten zu sichern. „Wobei ein Erweiterungsbau auf dem Sporgassenareal von meiner Seite nach wie vor diskutabel ist“, sagt das Stadtoberhaupt.

"Quantensprung in der Pflege"

Hürten war von der vorgebrachten Kritik nicht überrascht, kann aber den Vorwurf, es entstehe eine Betonwüste, nicht nachvollziehen. Die Kunst sei es nun, die Atmosphäre von St. Laurentius auch an den neuen Standort zu transportieren. Dies soll vor allem durch eine gute Planung geschehen. Der Neubau soll mit Barrierefreiheit, hellen Räumen, einer begrünten weitläufigen Außenanlage, die auch von Demenzkranken selbstständig genutzt werden kann, und unmittelbaren Einkaufsmöglichkeiten aufwarten. „Dadurch sehe ich den Begriff von Teilhabe erfüllt. Am Kraichgau-Center brummt doch das Leben“, betont Hürten. Auch für die Mitarbeiter gebe es Verbesserungen: Kurze Wege aufgrund der Nähe zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, zudem eine Optimierung der pflegerischen Abläufe. Dies sei ein Quantensprung verglichen zum derzeitigen Gebäude, so Hürten.

Gespräche stehen noch aus

Schwertges hingegen spricht von einem „Alten-Ghetto“, das auf dem Mellert-Fibron-Gelände entstehen soll: „Die jetzt bekannt gewordenen Pläne aber laufen auf die Schaffung eines isolierten „Alten-Ghettos“ zwischen Gewerbe-Immobilien hinaus, die gerade den Bedürfnissen von Senioren nach sozialer Integration in einer vertrauten Umgebung widersprechen.“ Auch auf eine mögliche Schwächung der Innenstadt durch die Verlegung des Altenheimes machen Schwertges und Treut aufmerksam. Andreas Drabek, Inhaber eines Mode-Geschäftes in der Innenstadt, findet diese Debatte am Thema vorbei, spricht sich aber auch für einen Verbleib des Altenpflegeheims in der Innenstadt aus: „Wenn es um die Würde und den Lebensabend unserer älteren Mitbürger geht, kann es nicht um die Frage gehen, ob es Folgen auf die Frequenz der Innenstadt hat. Es sollte um das Wohl der Bewohner des Altenpflegezentrums gehen. Und da sehe ich durchaus Vorteile, wenn das Zentrum weiterhin in Innenstadtnähe angesiedelt bleibt. Die Senioren können dadurch leichter am sozialen Leben unserer Stadt teilnehmen.“

Aber die Verlegung des Altenheims bedeutet nicht, dass das alte Gebäude leer bleibt. Hürten kann sich Sozialwohnungen in dem Gebäude vorstellen. Zudem könnten eine weitere Tagespflege sowie Beratungsangebote dort angesiedelt werden. „Diese Entscheidung trifft jedoch nicht der Caritasverband Ettlingen, sondern die Kirchengemeinde als Eigentümer der Immobilie“. Da noch Gespräche anstehen, wollte sich die Seelsorgeeinheit Bretten-Walzbachtal noch nicht zu dem Thema äußern. „Vielleicht wird es ja bald eine Lösung geben“, ist von Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde zu hören.
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