Wohnbau Bretten: „Bezahlbarer Wohnraum ist Anspruch”

Der Neubau an der Schießmauer 1 liegt im Plan und kann zum 1. Oktober dieses Jahres bezogen werden. (Foto: hk)

Gerd Lehmann, Geschäftsführer der Wohnbau Bretten, spricht in der Brettener Woche zu Flüchtlingsunterkünften und Investitionen in der Melanchthonstadt.

Bretten (wod) Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschen. In Bretten ist, wie überall, der Wohnungsmarkt „zu”. Will heißen: Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Genau der aber fehlt – wie andernorts auch – in der Melanchthonstadt. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) hat deshalb das Thema in der Liste der sofort umzusetzenden Maßnahmen ganz oben angesiedelt. Die Brettener Woche hat bei Gerd Lehmann, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Wohnungsbau GmbH Bretten, nachgefragt. Der gebürtige Albstädter ist schon lange in der Immobilienbranche tätig und seit März der Nachfolger von Eugen Kurz. Entwarnung kann Lehmann in Sachen Unterbringung der Asylbewerber und „Anschlussunterkünfte” (AU) geben. „Da sind wir auf einem sehr guten Weg”, betont er und verweist auf den Neubau an der Schießmauer 1, der „voll im Plan liegt und zum 1. Oktober dieses Jahres bezogen werden kann.” Dort entstehen kleine Wohnungen als sogenannte AU, also für Menschen, deren Asylantrag erfolgreich war. 70 Prozent der Wohnfläche im Neubau werden Kleinstwohnungen mit Bad und Kochnische, 30 Prozent werden zu Gemeinschaftsunterkünften ausgebaut, das bedeutet, je ein Zimmer für Singles mit Nasszellen für mehrere Personen.

Bretten ist auf Herausforderung Flüchtlingsunterkünfte vorbereitet

Damit, so Lehmann, sei man in Bretten bestens auf die Herausforderung Flüchtlingsunterkünfte vorbereitet. Aktuell werde das Gebäude Schießmauer 6 mit rund 60 Personen belegt, die dort zu 90 Prozent in Gemeinschaftsunterkünften wohnten, zehn Prozent wären in dem vom Landratsamt Karlsruhe angemieteten Gebäude bereits heute anerkannte Asylbewerber. Für Entspannung im Bereich Flüchtlingsunterkünfte habe die rückläufige Zahl von Flüchtlingen gesorgt: So gingen die Zuweisungen durch das Landratsamt deutlich zurück. Für diejenigen, die ein dauerhaftes Bleiberecht haben, werde die Stadt Bretten 70 Prozent des neuen Gebäudes von der Wohnbau anmieten, die das Gebäude erstellt, 30 Prozent verblieben dem Landratsamt als Erstunterkunft. Maximal 200 Personen werden künftig im neuen Haus an der Schießmauer wohnen, im Nachbarhaus ist Platz für 100.

Kein Ghetto zwischen Bretten und Rinklingen

Ein Ghetto für Flüchtlinge zwischen Bretten und Rinklingen wolle man keineswegs, betont Lehmann. Allerdings stünde auf dem Wohnungsmarkt in Bretten derzeit kaum ein Quadratmeter zur Verfügung, verweist er auf die schwierige Wohnsituation in der Melanchthonstadt. Das zu ändern, habe sich die Wohnungsbau auf die Fahnen geschrieben: Die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sei Anlass genug, verstärkt in Sanierung, Rückbau und Neubau zu investieren. So wären aktuell die Wohnungen in der Kleiststraße im Sanierungskonzept: Während der Kernsanierung sind die Bewohner anderweitig untergebracht, bis Ende 2018 sollen dort sämtliche Wohnungen saniert und zukunftsfähig sein. Bei den Mieten bleibe die Wohnbau moderat: Quadratmeterpreise zwischen 5,50 und 6,50 Euro wolle man halten, unterstreicht Lehmann. Diese Preise würden deutlich unter den durchschnittlichen rund acht Euro auf dem freien Wohnungsmarkt liegen. Und das auch mittel- und langfristig:

Nachfrage nach Wohnraum für Geringverdiener steigt

Denn die Nachfrage nach Wohnraum, den sich auch Geringverdiener leisten können, werde weiter steigen. Die Wohnungsbau werde deshalb in den nächsten Jahren viel Geld in die Hand nehmen müssen: Von einigen Millionen Euro spricht Lehmann. Aktuell plane man den Rückbau von nicht mehr „sanierungswürdigen Wohnungen” und den Wiederaufbau mit zusätzlich acht bis zwölf neuen Wohnungen in der Kernstadt. In den kommenden fünf Jahren seien auch Neubauten in den Stadtteilen vorgesehen, es gelte dort aber erst Bebauungspläne abzuwarten, bevor man konkret planen könne. Aktuell verfügt die Wohnbau über rund 750 Wohnungen, davon sind 450 im Besitz der GmbH. 350 Wohnungen, die in Wohnungseigentümergemeinschaften zusammengefasst sind, verwaltet die Wohnbau.„Wir schauen überall da hin, wo wir an günstiges Bauland oder bestehenden Wohnraum kommen.” Den klassischen „Senioren-Wohnbau” für zahlungskräftigere Kunden wolle die Wohnungsbau weiterhin privaten Investoren überlassen. „Uns geht es vielmehr darum, künftig mehr altersgerechte Wohnungen anbieten zu können, die auch für Menschen mit geringem Alterseinkommen bezahlbar sind”, so Lehmann.
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