Wolfgang Bosbach in Bretten: „Wir müssen zu unseren Traditionen stehen“

Von links: Axel E. Fischer MdB, Wolfgang Bosbach MdB und Ingo Wellenreuther MdB.
 

Wolfgang Bosbach (CDU), MdB, sprach am Donnerstag, 6. Juli, in der Stadtparkhalle zum Thema „Deutschland hat die Wahl – worauf es jetzt ankommt“.

Bretten (hk) Trotz einer halbstündigen Verspätung hat Wolfgang Bosbach, ehemaliger Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, die Zuhörer der Stadtparkhalle Bretten fest im Griff, als er die Bühne betritt. Auf Einladung der CDU Kreisverbände Karlsruhe-Land und Karlsruhe-Stadt haben Bosbach und zahlreiche Gäste am Donnerstag, 6. Juli, den Weg in die Halle gefunden. Rund eine Stunde lang, vollgepackt mit viel Witz und Charme, aber auch gespickt mit ernsten Tönen, nahm sich der Rheinländer Zeit, um anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl zum Thema „Deutschland hat die Wahl – worauf es jetzt ankommt“ zu referieren.

Stolz auf das eigene Land sein

Schlag auf Schlag reihte sich dabei eine pointierte Botschaft des Politikers an die andere. „Gestern bin ich 260 Kilometer gefahren, ohne einen Kilometer Autobahn. Was für ein schönes Land! Warum tun wir uns eigentlich so schwer, auch mal stolz zu sein auf das eigene Land? Warum feiern wir eigentlich nicht viel fröhlicher unseren Nationalfeiertag?“ Bosbach erinnerte seine Zuhörer daran, wie unbeschwert die US-Amerikaner ihren Unabhängigkeitstag feiern und wie es ihnen die Franzosen in Erinnerung an den Sturm auf die Bastille gleichtun.

„Der Nationalismus hat viel Leid über Deutschland und Europa gebracht“

Er zeigte sich betrübt darüber, dass man sich immer noch schwer damit tue, die „gewaltige Gemeinschaftsleistung unseres Landes“, nämlich die Wiedervereinigung, unbefangen zu zelebrieren. Gleichzeitig warnte er davor, den Nationalismus mit dem Patriotismus zu verwechseln. „Der Nationalismus hat viel Leid über Deutschland und Europa gebracht. Nationalisten wollen wir nicht sein. Aber der Patriot erhebt sich nicht über andere, sondern er liebt sein Land.“ Tosender Applaus bekräftigten seine Worte.

„Der Schulz-Hype ist vorbei“

Danach ging er auf die Bundestagswahl am 24. September ein. „Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, so Bosbach. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hätten sieben Parteien eine realistische Chance in den Deutschen Bundestag einzuziehen. „Wir haben gute Chancen die Wahl zu gewinnen, mit deutlichem Abstand vor der SPD – nicht mehr und nicht weniger.“ Trotzdem ließ es sich Bosbach nicht nehmen, gegen die SPD zu schießen: „Der Schulz-Hype ist vorbei“, so Bosbach selbstbewusst. „Ich habe mich übrigens immer gefragt, warum es den Hype überhaupt gegeben hat. Ich habe nur eine einzige Erklärung: Die Erleichterung in der SPD, dass nicht der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel antritt, ist so groß, dass die sich sogar über Martin Schulz gefreut haben.“ Bosbachs Wunsch sei es, dass seine Partei unterscheidbar von den anderen Parteien bleibe. Man müsse die klare politische Alternative zu den Linksparteien sein, "denn wer den Zeitgeist heiratet, ist sehr schnell Witwe".

Zu eigenen Traditionen stehen

In der zweiten Hälfte seines Vortrags ging Bosbach auf globalpolitische Themen wie den Brexit ein, den er als Zäsur in der europäischen Geschichte auffasse. Zudem sprach er über die Beziehung zu den USA, den Arabischen Frühling, der längst zu einem Arabischen Herbst geworden sei sowie den Krieg und die humanitäre Katastrophe in Syrien. Im Zuge der Migrationswelle müsse man „höllisch aufpassen, dass wir keine Konflikte importieren.“ Auch zur Islam-Debatte in Deutschland nimmt Bosbach eine klare Stellung ein: „Ich kann den Satz, der Islam gehört zu Deutschland, nicht unterschreiben.“ So sei er gegen den Beitritt der Türkei in die EU, denn der Frieden in Europa basiere auf der Akzeptanz der Grenzen. Außerdem habe er Angst vor der Entchristianisierung Deutschlands. „Wir müssen zu unseren Traditionen stehen“, resümierte er.
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