In Bretten zuhause 2017: Die syrische Flüchtlingsfamilie Jabara hofft auf Anschluss an Einheimische

Bombenruine: Mehr als Trümmer sind nicht übrig geblieben vom ehemaligen Zuhause der Familie Jabara in Aleppo. (Foto: privat)
Bretten: Innenstadt |

(ch) Vor einem Jahr haben wir über die syrische Flüchtlingsfamilie Jabara aus Aleppo berichtet. Vater, Mutter und vier Kinder lebten damals gerade erst seit 15 Monaten in einer Altbauwohnung in der Brettener Innenstadt. Ihre Stimmung schien zwischen Erleichterung über die Rettung vor Krieg, Tod und den Strapazen der Flucht, stillem Leiden an der Unfähigkeit, sich auf Deutsch mitzuteilen, und Träumen von einer besseren Zukunft zu schwanken. Wir wollten wissen: Hat sich ihre Situation nach einem Jahr verbessert?

Auch diesmal empfängt die Familie den angemeldeten Besuch gastfreundlich mit Kaffee und Selbstgebackenem im vergleichsweise spartanisch eingerichteten Wohnzimmer. Immerhin: Nicht nur die Kinder, auch die Eltern besuchen inzwischen die ersehnten Sprachkurse.

Der Vater sorgt sich um Angehörige

Vater Ahmad, klagt über Lernschwierigkeiten. Seit Jahrzehnten hat er keine Schulbank mehr gedrückt. Als einst umtriebiger Ladenbesitzer leidet er am meisten unter dem durch mangelnde Deutschkenntnisse erzwungenen Nichtstun. Hinzu kommt: Die Fernsehbilder nach der Rückeroberung Aleppos durch Truppen von Machthaber Assad tragen nicht zu seiner Beruhigung bei. Ab und zu telefoniert er mit den noch dort ausharrenden Großeltern, erfährt von vielen Toten, den gewaltigen Zerstörungen, Strom- und Wasserknappheit und der galoppierenden Inflation. Dann kann er sich vor lauter Sorgen wieder stundenlang nicht aufs Lernen konzentrieren.

Die Mutter sucht die Begegnung

Anders Mutter Ghofran, die schon einzelne deutsche Wörter ausprobiert. Nur langsamer solle man sprechen, bittet sie. Dass sie regelmäßig einmal pro Woche im „Café International“ im evangelischen Gemeindehaus bei der Stiftskirche deutsche Flüchtlingshelfer und andere syrische Flüchtlinge trifft, tröstet ein wenig über die ansonsten im Alltag schmerzlich vermissten sozialen Kontakte hinweg. Sie hat eine Idee: „Wenn sie und ihr Mann jeden Tag in einem Haushalt, vielleicht bei Senioren, mit kleinen Dienstleistungen einschließlich Kochen behilflich sein könnten, würden sie sicher allein durch das Zuhören viel besser und schneller Deutsch lernen“, lässt sie ihren Ältesten, den 21-jährigen Hasan, übersetzen.

Die Kinder nutzen ihre Chance

Hasan ist der einzige, der wegen seiner bereits relativ guten Ausdrucksfähigkeit, einen Putzjob in einem Supermarkt ergattert hat. Auch diesmal übernimmt er die Funktion des Dolmetschers. Ansonsten büffelt er weiter auf sein Ziel einer Informatikausbildung hin. Die Zweitälteste, Sara, fehlt in der Runde. Die 19-Jährige ist gerade bei ihrem Deutschkurs am Karlsruher KIT. Begabt sind auch die beiden Jüngsten, die die Schillerschule besuchen: Die 16-jährige Gazal spielt Klavier an der Jugendmusikschule und liest daheim ein deutsches Buch, während das Nesthäkchen, der elfjährige Sophey, vom Karatekurs heimkommt.

Hoffnung auf eine Zukunft ohne Angst und Gewalt

Bis auf den letzten Cent investieren die Eltern das knappe Geld vom Staat in die Zukunft ihrer Kinder, ihre ganze Hoffnung. Dafür wird auf vieles, zum Beispiel auf Ausflüge, verzichtet. Nicht einmal Reparatur oder gar Ersatz der kaputten Backofentür sind drin. Um ihrer Kinder willen sind sie vor Gewalt und Zerstörung geflohen, haben die Eltern vor einem Jahr gesagt. Daran hat sich nichts geändert. Rückkehr? „Erst wenn Assad weg ist, vielleicht“, sagt Hasan. Die Bitte um ein Familienfoto zum Abschied lehnt er auch diesmal höflich ab. Die Angst vor dem Diktator reicht bis Bretten.

Ideen und Unterstützung
Wer Familie Jabara oder andere Flüchtlinge in Bretten mit Ideen oder Spenden unterstützen möchte, kann sich beim Netzwerk Brettener Flüchtlingshilfe, Telefon 07252/9739797, E-Mail wie-eitel@web.de melden.

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