Bretten: Tempo 30 gegen Lärm - Gemeinderat stimmt über Lärmaktionsplan ab

In Bretten könnten die Tempo 30-Bereiche bald ausgeweitet werden. (Foto: www.bussgeldkatalog.org)

In der kommenden Sitzung des Brettener Gemeinderates steht die endgültige Fassung des Lärmaktionsplan auf der Tagesordnung. Im Vorfeld diskutierten die Stadträtinnen und -räte bereits über Tempo 30-Bereiche als Maßnahme gegen den Verkehrslärm. Dies wurde mit einer Mehrheit angenommen.

Bretten (wh) Im Oktober 2015 wurde dem Brettener Gemeinderat der erste Entwurf des Lärmaktionsplanes vorgestellt. In der nächsten Sitzung soll er nun aufgestellt und ein Beschluss über die Annahme des Planes gefasst werden.
Die Maßnahmen des Lärmaktionsplan, die Oberbürgermeister Martin Wolff des Öfteren als „Werkzeugkasten“ bezeichnete, sehen die Fahrbahnsanierung der Weißhofer Straße mit schalldämpfenden Belägen, die Umgestaltung der Weißhofer Straße und die Einrichtungen von Tempo 30-Bereichen in der Innenstadt vor.

Im Entwurf zum Lärmaktionsplan wird die Einführung von Tempo 30-Beschränkungen auf einer Gesamtlänge von etwa drei Kilometern empfohlen, darunter der Straßenzug Derdinger Straße ab der Straßenbrücke über die B35, die Weißhofer Straße, der Bereich Marktplatz und die Pforzheimer Straße bis zur Wilhelmstraße mit einer Länge von 1,45 Kilometern sowie der Straßenzug Sporgasse, Engelsberg und Bahnhofsstraße bis zum ovalen Kreisel mit einer Länge von 870 Metern. Dazu kommt noch die Georg-Wörner-Straße mit einer Länge von rund 600 Metern. Auf 60 Prozent dieser Strecken gilt heute schon Tempo 30.

Als Argumente für die Geschwindigkeitsbegrenzung wurden die Verringerung des Lärms durch einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss sowie die Erhöhung der Verkehrssicherheit, zum Beispiel durch kürzere Bremswege, angeführt. Nach einer ausgiebigen Diskussion in der letzten Sitzung des Gemeinderates wurde die Maßnahme schließlich mehrheitlich in den Lärmaktionsplan aufgenommen.

"Keinen positiven Effekt bei Tempo 30"

Der Dürrenbüchiger Ortsvorsteher Wolfgang Six ist seit 45 Jahren Fahrlehrer und bildet auch Berufskraftfahrer aus. Er betont ebenfalls die höhere Verkehrssicherheit, die mit der Geschwindigkeitsbegrenzung einhergeht, plädiert aber dafür, auf Durchgangsstraßen Tempo 30 zu vermeiden. Seiner Meinung nach würde es sonst zu mehr Rückstau führen. Die Verstetigung des Verkehrsflusses habe die größte Auswirkung auf die Immissionen, da der meiste Lärm und die meisten Schadstoffe beim Beschleunigungsvorgang entstünden. In Bretten stehe dem vor allem die zahlreichen Ampeln zwischen Ruit und dem Alexanderplatz entgegen. „In Bretten steht man an jeder Ecke. Es ist eine Katastrophe, was da in die Luft geblasen wird“, bringt es Six auf den Punkt.

Ob die Schadstoff- und Feinstaubbelastung in Bretten hoch ist, wurde bisher noch nicht gemessen. Die Studienlage legt nahe, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung darauf auch keinen Einfluss hätte und sogar eine gegenteilige Auswirkung haben könnte. „Ich sehe keinen positiven Effekt bei Tempo 30“, sagt Thomas Koch, Institutsleiter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Stickoxid-Werte würden seiner Einschätzung nach sogar eher steigen. Dies gehe auch aus einer Studie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hervor. Er empfiehlt, intelligente Systeme anzustreben, die den Verkehr flüssiger laufen lassen.

In Sachen Lärm könne Tempo 30 tatsächlich zu einer Reduktion führen, die wichtigsten Faktoren sind jedoch Reifen und Fahrbahnbelag. Zudem setze es auch die richtige Fahrweise voraus. Bei Geschwindigkeiten oberhalb von circa 30 Kilometern in der Stunde ist das Motorengeräusch mit Ausnahme von starken Beschleunigungen geringer als das Reifengeräusch. Vor allem ein zu niedriger Gang mit hohen Drehzahlen könne bei niedrigerem Tempo 30 eine höhere Lautstärke erzeugen.

Moderne Motoren erlauben emissionsärmeres Fahren

„30 im zweiten Gang ist nicht besser, als 50 im dritten“, meint auch Wolfgang Six, „Wenn die Leute in Eile sind, muss alles schnell gehen und es wird Gas gegeben. Dass das gleichmäßige Fahren oft genauso schnell ist, bemerken die meisten nicht“. Mit modernen Motoren könne man emissionsärmer fahren, wenn man ein paar Dinge beachtet: So müsse man beim Anfahren nicht zusätzlich Gas geben. Außerdem könne man Gänge beim Hochschalten überspringe, zum Beispiel vom ersten in den dritten und dann in den fünften Gang. Beim Automatikgetriebe müsse man immer wieder vom Gas gehen, damit die Automatik einen Gang hochschalten könne. Er empfiehlt außerdem, den Rollschwung beim Anfahren an die Ampel zu nutzen.
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