Jazztage Kraichtal: Musik entsteht aus dem Augenblick und dem Miteinander

Nippy Noya an den großen Kongas mit Philipp Rüttgers an den Tasten
 
Das KaMa-Quartett in der Alten Kelter mit Nippy Noya, Percussion. v.l.: Philipp Rüttgers (Piano), Jens Otto (Schlagzeug), Katharina Maschmeyer (Saxophon und Bassklarinette) sowie Nils Pollheide (Gitarren).

KaMa-Quartett begeisterte mit Nippy Noya, Percussion, bei den Kraichtaler Jazztagen

"Nimm eine leere Flasche und mach' darauf Musik!" - So hat Nippy Noya, Percussionist und Musikprofessor aus Indonesien, seine Studenten aufgefordert kreativ zu werden. Am Freitagabend trat er mit dem KaMa-Quartett auf bei den Kraichtaler Jazztagen in der Alten Kelter in Bahnbrücken und legte eben diese Kreativität an den Tag, die er von seinen Studenten erwartet. Nippy Noya ist der zurückhaltende und bescheidene Star des Abends und viele in der ausverkauften Kelter sind gekommen um ihn zu erleben. Ein großes Sortiment von Rhythmus-Instrumenten hat er um sich herum liegen auf der Bühne. "Was nehme ich als nächstes?" scheint er zu fragen.

Percussion ist Kreativität und Meditation

"Was passt am besten?" Musik entsteht aus dem Augenblick heraus, aus dem Gefühl und dem Miteinander mit den anderen Musikern. Diese sind genauso exzellente Könner auf ihren Instrumenten. Katharina Maschmeyer, Bandleaderin und Namensgeberin des Quartetts, mit Saxophon und Bassklarinette, Nils Pollheide mit seinen Gitarren, Philipp Rüttgers an den Tasten und Jens Otto am Schlagzeug. Zu viert begeistern sie an diesem Abend die Zuhörer, die sich ganz dem "Rhythm and Sound" hingeben. Im Mittelpunkt steht die Suite "A Love Supreme" von John Coltrane, die sie neu interpretieren. Imponierend der Einstieg in den zweiten Teil, den Nippy Noya mit einem begeisternden Percussion-Solo auf den großen Kongas übernahm. Dabei entwickelt er eine eigene Klangwelt mit seiner Schlagtechnik und seinem Rhythmus. Ganz leise am Anfang, kaum hörbar. Das Auditorium ist mucksmäuschenstill und lauscht. Dann schneller werdend, crescendo, abrupt stoppend, wieder beginnend, wirbelnd mit Händen und Fingern, Ellbogeneinsatz, ganz in den Rhythmus und die Töne versunken. Da sind die Percussioninstrumente nicht mehr nur "Rhythmusgeräte" sondern werden zu Klangkörpern, die leben in den Händen von Nippy Noya. Dem Augenblick geschuldet, Musik aus dem Bauch, Sprache der Welt. In dieses Solo stimmen die anderen drei ein. Noya nimmt sich zurück. Spielt mit dem Triangel. Unscheinbar, aber exakt eingesetzt und unüberhörbar.
"Percussion ist für mich Meditation, sagt Noya."
Katharina Maschmeyer übernimmt die Führung mit dem Saxophon oder mit der Bassklarinette zum Teil im fliegenden Wechsel. Einzelne gellend gestoßene Töne wechseln sich mit rasanten Läufen auf den Instrumenten ab. Mal schrill hoch, mal warm tief, jauchzen, jubeln und schluchzen sie in ihren Händen. Dann gibt Maschmeyer den Lead ab an Nils Pollheide. Mit E- und Akustikgitarre sowie mit dem E-Bass spielt er seine Solos. Kreativ und voller Phantasie, übernimmt er die Begleitung im Zusammenspiel des Quartetts. Ebenso hat er, wie auch der Pianist Philipp Rüttgers, einige der vorgetragenen Stücke komponiert. Dazu gehören "Open Roads", "Beat it" oder "Early Bird" Rüttgers wechselt immer wieder zwischen Flügel, Keyboard und Synthesizer und begeistert mit seinem rasanten und abwechslungsreichen Spiel. Auch er versteht es, mit seinen Solos den Abend zu prägen und erhält wie alle anderen immer wieder "Szenen-Applaus".

Die Klänge durch sich durchlassen

Jens Otto agiert mit seinem Schlagzeug kongenial mit Nippy Noya zusammen. Zumeist rockig und funky sind Ottos Rhythmen, die Noya kreativ ergänzt. Harter treibender Beat umspielt mit den verschiedenen Percussioninstrumenten. Daraus und teilweise zusätzlich ergänzt durch den Bass von Pollheide entsteht eine Rhythmus- und Klangbasis auf der die anderen Musiker aufbauen können. "Musik entsteht, indem wir die Klänge durch uns durchlassen" sagen die Musiker. Mit großem Applaus und erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum die Musiker spät am Abend.
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