Frischer Wind für die Orgelpfeifen

Wann? 16.07.2017 10:00 Uhr

Wo? Evangelische Kirche Unteröwisheim, Friedrichstraße 68, 76703 Kraichtal DE
Kraichtal: Evangelische Kirche Unteröwisheim |

Denkmalgeschützte Overmann-Orgel in der Kreuzkirche Unteröwisheim spielt wieder
Fast zwei Jahre lang hat die denkmalgeschützte Overmann-Orgel in der Kreuzkirche in Unteröwisheim geschwiegen. So lange dauerten die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an diesem Instrument.

Am kommenden Sonntag, 16. Juli wird ihr neuer mächtiger Klang zum ersten Mal öffentlich zu hören sein. Mit einem festlichen Gottesdienst wird die Gemeinde ihre Orgel wieder in Gebrauch nehmen. Er beginnt um 10 Uhr. Anschließend erläutert Orgelbaumeister Martin Vier die Sanierung und Dr. Martin Kares, Orgelsachverständiger der Evangelischen Landeskirche in Baden, stellt die "Pfeifenfamilien" vor.

Festgottesdienst und "musikalischer Nachtisch"

Um 14 Uhr beginnt ein "musikalischer Nachtisch" - nach dem gemeinsamen Mittagessen im Gemeindezentrum - ein Orgelvorspiel mit Simon Becker, der aus Unteröwisheim stammt und "alle Register ziehen wird".
Die Orgel der Kreuzkirche stammt aus dem Jahr 1828 aus der Werkstatt von Wilhelm Overmann aus Heidelberg. Ihre Schönheit glänzt in klassischer Einfachheit nach griechischem Gestaltungsprinzip: Säulen auf einem kräftigen Sockel tragen einen flachen dreieckigen Giebel. Viele Veränderungen hat diese Orgel, die "Königin der Instrumente", in ihren fast 200 Jahren erleben oder besser erleiden müssen. Im Ersten Weltkrieg hat man das Zinn ihrer Pfeifen für Kriegsmaterial zweckentfremdet. Erst Jahre später gab es Ersatz durch billiges Dachrinnenblech. Dem späteren Zeitgeist gemäß veränderte man auch Pedale, Pfeifen, Außenansicht und Innenleben. "Unsachgemäß!" wie Dr. Martin Kares in einer Betrachtung über die Geschichte der Orgel schreibt. "Es war wirklich keine Freude mehr sie anzusehen und zu hören."

Die Orgel lebt - trotz bewegter Geschichte und Wasserschadens

Ein Wasserschaden in einem Gewitter hat ihr 2001 fast den Garaus gemacht. Doch sie hat überlebt und kann nach der Komplettsanierung ihre Stimme wieder erheben in wahrhaft königlicher Manier. "Die Stimmbänder geölt, die Lippen gespitzt, die Zungen gelockert und froh gestimmt freut sie sich auf das Musizieren für und mit der Gemeinde in Unteröwisheim", schreibt Kares weiter. Liebhaber der Orgelmusik haben mit einem Unterstützerkreis viele Menschen und auch Vereine zu Spenden motiviert, so dass 70.000 Euro für die Restaurierung zusammen kamen.

Orgelkonzerte für das kommende Jahr bereits in Planung

"Es war schön zu sehen, wie vielen Unteröwisheimern diese Orgel am Herzen liegt", sagt Gemeindepfarrer Jochen Stähle erfreut. "Jetzt hoffen wir, dass sie viele Jahre die Kirche mit schönen und sehr unterschiedlichen Klängen erfüllt.“ Für das kommende Jahr kann man sich jedenfalls bereits auf eine Konzertreihe freuen, die zurzeit in Planung ist.
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