Dehoim in Oberderdingen: "Dreschdag" - Mundartgedicht von Oskar Combe

Oberderdingen: Ortsteil Großvillars |

(ch) Oskar Combe ist Ortsvorsteher im Oberderdinger Ortsteil Großvillars. Er kennt das ehemalige Waldenserdorf wie seine Westentasche. Hin und wieder trägt er zu besonderen Anlässen selbst verfasste Geschichten und Mundart-Gedichte vor, die den früheren Dorfalltag beleuchten und hin und wieder Eigenheiten der Dorfbewohner mit liebevollem Humor aufs Korn nehmen.

Dreschdag (Dreschtag)
Heit komma d`Mähdrescher naus uffs Feld,
so funktionierts en da moderna Welt.
No ganz annersch war des vor 50, 60 Johr,
do ging des Ganze no viel beschwerlicher vor.

Z`erscht hat m`r s`Korn geschnitta uff em Feld,
no Garba bonna, hat se z`samma g`stellt.
Dann ging`s naus, mit Kia, Gaul odder Schlepper,
mit em Haiwaaga mit Eiseräder on viel Geklepper.

Des war a G`schäft, bis die Garba vorlada wara,
on mir konnt se dann ooschließend zom Drescha fahra.
D`Dreschhalla steht no en da Arnaudstroß en Großvillar,
on mir kann sich`s no vorstella wies domols dort war.

S`Motorahäusle isch zwar abgerissa,
die Äldere wärra des no wissa,
En langa Flachreama ging vom Motorahaus,
uff s`Oodriebsrad zu da Dreschmaschena naus.

Wenn die Maschena dann war en Betrieb,
no hat`s gwaggelt on g`schäbbert en alle Sieb.
Hinna an d`Schlang vor da Halla sen d`Leit nogefahra,
on hen dann g`wartet bis se an da Reihe wara.

Manche hen g`moint, sie sen p`sonners g`witzt,
on sen emma günstiga Moment en a Lücke nei g`witscht.
Abber dene dahinner hats dann g`stonka,
manche hen a scho mit em Stock gewonka.

Bis der sich dann hat doch eines bessera besonna,
on hat sein ogstammda Platz widder eingenomma.
S`Garbastrickle uffgebonna on d`Garba mit da Ärm umfassa,
on jetzt des Korn ganz langsam end Maschina neilassa.

D`Kinner henn miaßa d`Garbastrickla z`sammalesa,
so isch des en derra Zeit halt g`wesa.
Jetzt glebberts on duats, jetzt ruckelts on fetzts,
on d`Dreschmaschena duat ihre Arbeit jetzt.

En mords Staub on Dreck isch rengs omher,
aber jetzt werra die Ähra vom Korn ganz leer.
Hinna kommts Stroh raus, saubere Balla,
on seitlich duat s`Korn en Säck neifalla.

Jeder lad jetzt sei Weizasäck uff,
d`Strohballa mit da Gabbl uff da Waga nuff,
Jetzt geht`s hoim. S`Dagwerk isch vollbracht,
Alle hen jetzt ihr Arbeit gemacht.

Dohoim werd no abg`lada, on no isch`s soweit,
s`gibt Vesper on a Kriagle Moscht odder Wei for alle Leit.
„Hungrig wie die Scheunadrescher“ sagt m`r a no heit,
on des kommt no von denne hart arbeitende Leit.

„Simri“ war s` Getreidemaß en sellara Zeit,
Kilogramm on Zentner wara no net soweit.
On wenn i zur Erntezeit widder en Mähdrescher sä,
no denk i oft a z`rück, wie des friar isch doch g`wä.


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