Jetzt auf Winterreifen wechseln – auch wenn es noch warm ist

(Foto: reifenqualität.de)
 
(Foto: reifenqualität.de)

Jetzt auf Winterreifen wechseln – auch wenn es noch warm ist. Experten gaben Tipps zur Umrüstsaison.

(pr-nrw) Auch wenn der Sommer sich nur langsam verabschiedet, kommen Herbst und Winter mit Sicherheit. Für Autofahrer bedeutet das: Umrüsten auf Winterbetrieb, denn bereits unter sieben Grad Celsius verlieren Sommerreifen ihren Grip. Bei Reifglätte, Schnee und Eis sind sie ohnehin fehl am Platz – und gesetzlich verboten. Worauf es beim Umrüsten ankommt, welche Winterreifen für welchen Zweck die richtigen sind und ob Ganzjahresreifen eine Alternative bieten, dazu informierten Reifen- und Verkehrssicherheitsexperten am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten in der Zusammenfassung:

Soll ich bei den aktuellen Temperaturen wirklich schon umrüsten?
Welf Stankowitz: Sobald es kälter wird, wird es mit Sicherheit zu einem Run auf die Reifenhändler kommen und zu langen Wartezeiten auf einen Termin für den Wechsel. Wenn es innerhalb dieser Wartezeit zu einem Kälteeinbruch kommt, gehen Sie ein hohes Risiko ein. Wer auf sein Auto angewiesen ist, sollte jetzt wechseln. Den Winterreifen schadet ein kurzer Einsatz bei Temperaturen über sieben Grad nicht.

Darf ich Reifen mit dem M+S-Symbol noch als Winterreifen fahren?
Marcel Mühlich: Wenn die Reifen vor dem ersten Januar 2018 hergestellt wurden, dann dürfen Sie diese theoretisch bis Ende September 2024 fahren. In der Praxis werden Sie vermutlich früher neue Reifen benötigen. Haben Sie Ihre Reifen nach dem 1. Januar 2018 gekauft, müssen sie das Alpine- oder Schneeflockensymbol tragen, um als Winterreifen zu gelten. Das Alpine-Symbol steht – anders als das M+S-Zeichen – für Prüfkriterien, die im winterlichen Praxisbetrieb erfüllt werden müssen.

Kann ich mich auch am EU-Reifenlabel orientieren, wenn ich neue Winterreifen brauche?

Welf Stankowitz: Das Reifenlabel gibt zwar wichtige Hinweise auf das Bremsverhalten bei Nässe, die Kraftstoff-Effizienz und das Abrollgeräusch der Reifen, aber nicht auf die Qualität der Wintereigenschaften. Deshalb ist es wichtig, die Tests der Fachmagazine, Verbraucherorganisationen und Automobilclubs zu berücksichtigen. Eine individuelle Beratung, welcher Reifen zu Ihrer Kfz-Nutzung passt, bekommen Sie beim Reifenfachhandel – plus den Montage- und Lagerservice. Hier wird auch der Zustand Ihrer Reifen fachmännisch geprüft, zum Beispiel auf Verschleiß und verdeckte Schäden.

Ich messe bei meinen Winterreifen noch drei Millimeter Restprofil. Kann ich damit noch getrost fahren?
Julia Heilig: Der Gesetzgeber sagt ja, denn die Mindestprofiltiefe liegt bei Sommer- und Winterreifen bei 1,6 Millimetern. Aus Sicht von Reifen- und Verkehrssicherheitsexperten reicht das jedoch nicht aus, besonders, wenn es um Winterreifen geht. Damit die für Winterreifen typischen Lamellen sich mit dem Untergrund verzahnen können, braucht es mindestens vier Millimeter Restprofil. Übrigens: Auch Sommerreifen sollten mindestens drei Millimeter Profil aufweisen, um Wasser bestmöglich abzuleiten und Aquaplaning zu verhindern.

Kann ich unbesehen einen guten Reifen aus den aktuellen Reifentests kaufen oder gibt es da noch Unterschiede?
Axel Kühne: Grundsätzlich können Sie den Empfehlungen unabhängiger Reifentests folgen, aber genaues Hinschauen lohnt sich trotzdem. Die Tests unterscheiden oft auch Feinheiten, die durchaus praxisrelevant sind, zum Beispiel, ob sich ein Reifen eher für Nässe, Schnee oder gar Eis eignet, wie er sich auf trockener Fahrbahn verhält und was den Verschleiß, das Bremsverhalten oder den Spritverbrauch betrifft. Solche Details können je nach Fahrgewohnheiten oder regionalen Gegebenheiten den Unterschied ausmachen.

Bei uns kommt der Winter meist überraschend – und dann eher mit Glatteis als mit Schnee. Worauf achte ich bei der Reifenwahl?

Stefan Ehl: Eben wegen dieses Überraschungsmoments ist es wichtig, frühzeitig auf Winterreifen umzurüsten. Hier gilt nach wie vor die Empfehlung „O bis O“, also von Oktober bis Ostern, auch wenn der Oktober in diesem Jahr überdurchschnittlich warm ist. Für den Kauf geeigneter Winterbereifung liefern die Tests der Automobilbranche aussagekräftige Empfehlungen. Aber: Man sollte die Testergebnisse differenziert lesen. Denn sie bewerten Fahrverhalten auf verschiedenen Untergründen und bei verschiedenen Witterungsverhältnissen sowie Verschleiß, Kraftstoffverbrauch, Bremsverhalten und Aquaplaning. Grundsätzlich gilt: Reifen von Markenherstellern sind so genannten No Name-Produkten vorzuziehen.

Ich wechsele jedes Jahr, fahre aber recht wenig. Gibt es so etwas wie ein Haltbarkeitsdatum für Reifen?
Axel Kühne: Reifen verschleißen nicht allein durch die Nutzung, sondern auch bei Lagerung und Nichtgebrauch. Die verwendeten Materialien verändern im Lauf der Zeit ihre Eigenschaften und der Reifen wird spröde. Allerspätestens nach zehn Jahren sollte der Reifen ausgemustert und bereits nach sechs Jahren engmaschig kontrolliert werden. Das Alter Ihrer Reifen entnehmen Sie der so genannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche, die letzten beiden das Produktionsjahr an.

Muss ich ein Auto mit Sommerreifen bei winterlichen Verhältnissen wirklich stehen lassen oder kann ich einfach langsam und vorsichtig fahren?
Julia Heilig: Der Gesetzgeber ist da eindeutig: Paragraf 2 der StVO schreibt vor, dass bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden darf, die mit dem Alpine-Symbol – übergangsweise mit dem M+S-Symbol – als Winterreifen gekennzeichnet sind. Ansonsten müssen Sie Ihr Fahrzeug tatsächlich stehen lassen. Wer das ignoriert, muss mit einem Bußgeld von mindestens 60 Euro rechnen. Es kann aber auch bedeutend teurer werden, wenn Sie andere gefährden oder es zu einem Unfall kommt.

Ich fahre einen Kleinwagen, hauptsächlich im Stadtverkehr. Da reichen doch Ganzjahresreifen, oder?

Stefan Ehl: Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss und ihre Leistung reicht weder an die von Sommer- noch an die von Winterreifen heran. Letztlich ist ein Ganzjahresreifen ein Winterreifen, der auch gut für wärmere Temperaturen geeignet sein soll – schließlich muss er für den ganzjährigen Gebrauch der Straßenverkehrsordnung entsprechen. Sie können infrage kommen, wenn Sie ihr Auto überwiegend in der Stadt nutzen, weniger als 15.000 Kilometer im Jahr fahren und nach einem ausgewogenen Angebot suchen. Wenn es ein Ganzjahresreifen sein soll, dann ein Markenprodukt aus dem Premiumsegment.

Mein letzter Satz Winterreifen ist extrem schnell verschlissen. Woran kann das liegen?
Marcel Mühlich: Reifen unterscheiden sich aufgrund ihrer Zusammensetzung und Bauart auch in Bezug auf den Verschleiß. Reifentests berücksichtigen dieses Kriterium bereits seit einiger Zeit. Übermäßiger Verschleiß kann aber auf andere Ursachen zurückzuführen sein, zum Beispiel auf einen falschen Luftdruck oder eine Spurverstellung am Fahrzeug. Lassen Sie die Reifen durch einen Reifenfachmann prüfen und bei Bedarf Ihr Fahrzeug durchchecken.

Kann ich den Radwechsel und die Einlagerung auch selbst durchführen?
Norbert Allgäuer-Wiederhold: Auch wenn Sie die handwerklichen Fähigkeiten mitbringen, sollten Sie das lieber einem Fachbetrieb überlassen. Sie benötigen mindestens einen Drehmomentschlüssel, um die Radbefestigung mit dem korrekten Drehmoment anzuziehen und damit Schäden an den Felgen oder ein Lockern der Räder auszuschließen. Hinzu kommen technische Besonderheiten wie das richtige Anheben des Fahrzeuges, Radzentrierung und Reifendruck-Kontrollsysteme, die bei einem Wechsel neu kalibriert werden müssen. Technisch anspruchsvoll ist auch die Montage von Rädern an Fahrzeugen mit Ultra High Performance-Reifen oder Reifen mit Runflat-Technologie. Außerdem kann der Reifenfachmann Ihre Sommer- und Winterräder zuverlässig auf Schäden und Verschleiß prüfen und sachgerecht einlagern.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Initiative Reifenqualität des Deutschen Verkehrssicherheitsrats und seiner Partner: www.reifenqualitaet.de
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