Susanne Kunzmann: „Man lernt durch das Tun“

Die scheidende Konrektorin Roswitha Frey (links) gibt letzte Tipps an ihre Kollegen und ihre Nachfolgerin Susanne Kunzmann (rechts)

Nach den Sommerferien hat Susanne Kunzmann den Posten der stellvertretenden Schulleiterin am Edith-Stein-Gymnasium (ESG) Bretten übernommen. Ein Gespräch unter anderem über berufliche Ziele, die Veränderung des Schulsystems, digitale Bildung und die geplanten Bauarbeiten neben dem ESG.

Frau Kunzmann, Sie sind seit der Gründung vor 20 Jahren Lehrerin am ESG. War es Ihr Ziel, stellvertretende Schulleiterin zu werden?
Susanne Kunzmann: Nein, das hat sich einfach ergeben. Ich habe von Anfang an in der Verwaltung mitgearbeitet, war für die Oberstufenberatung verantwortlich, als Rektoratsassistentin tätig und in alle Abläufe eingebunden. Und plötzlich kam diese neue Aufgabe.

Wie kam die Entscheidung, Latein und Griechisch auf Lehramt zu studieren?
Bereits mit fünf Jahren habe ich mich für Römer und die Antike interessiert und Latein war mein Lieblingsfach in der Schule. In diesem Fach kann man nicht neutral sein, entweder man findet Latein toll oder ganz furchtbar. Trotzdem habe ich zuerst ein anderes Studium begonnen und in Tübingen Theologie studiert. Nach zwei Semestern wurde mir aber klar, dass dieses Studium nichts für mich ist. Dann bin ich zu den alten Sprachen gewechselt.

Jeder, der wie ich am ESG war oder ist, wird mir bestätigen, dass Sie immer ein offenes Ohr für Ihre Schüler haben und sehr aktiv am Schulleben beteiligt sind. Ist Ihnen das nicht manchmal zu viel, all die organisatorischen Aufgaben und der eigentliche Unterricht?
Nein, das hängt alles zusammen. Man kann keine Kursstufe unterrichten und dann die Augen schließen, man arbeitet miteinander. Wir sehen die Schüler aufwachsen und so entsteht eine Vertrautheit.

Werden Sie jetzt, wo Sie die neue Stelle als stellvertretende Schulleiterin angenommen haben, von manchen organisatorischen Posten zurücktreten?
Ich bin nicht für den Stundenplan verantwortlich. Diesen hat immer Frau Frey betreut und nun übernehmen zwei Kollegen diese Aufgabe. Dafür kann ich die Oberstufenberatung behalten. Allerdings werde ich bei meiner Arbeit für das Bistro kürzertreten müssen. Die Finanzen des Bistros werde ich weiterhin betreuen, aber die Zeit, um bei der Essenausgabe zu helfen, wird mir fehlen.

Wenn wir mal das große Ganze betrachten: Wie sehr hat sich das Schulsystem in den vergangenen Jahren verändert?

Es hat sich komplett verändert, einmal durch den Übergang von G9 zu G8, die soziale Situation, der Umbruch zur Ganztagesbetreuung. Es wird immer Veränderungen geben. Aber so ist das Leben, es ist ständig im Fluss. Meiner Meinung nach, gibt es nichts schlimmeres als Stillstand.

Inwieweit haben sich die Ansprüche an die Lehrerschaft verändert?

Von uns wird mehr erwartet als früher. Früher war unser Kerngeschäft das Unterrichten. Heutzutage ist die Zusammenarbeit mit Schülern, Eltern und außerschulischen Partnern intensiver.

Ein weiteres großes Thema ist „digitale Bildung“. Welche Schritte hat das ESG in den letzten Jahren in diese Richtung gemacht?

Die Schüler wachsen damit auf und gehen mit diesen Themen unbefangener um. Digitale Bildung ist sehr wichtig und aus dem Schulalltag auch nicht mehr wegzudenken. Natürlich bringt das auch Probleme mit sich. Themen wie Cybermobbing, die ständige Erreichbarkeit – dafür braucht es eine verträgliche Lösung. Wir dürfen es den Schülern nicht verbieten, sondern müssen ihnen einen verantwortungsvollen Umgang beibringen.

Das ESG hat auch sehr gute Erfahrungen mit Inklusion von autistischen Schülern sammeln können. Wie würden Sie diese Erfahrungen beschreiben?

Es ist neu. Alles was neu ist, ist mit viel Arbeit verbunden. Man muss sich in die Materie einarbeiten, sich Hilfe holen und es läuft natürlich nie problemlos. Aber man lernt erst durch das „Tun“. Und nicht nur wir lernen viel, sondern auch die Kinder.

Was ist die Aufgabe von „Schule“ für die Zukunft?

Der primäre Part ist die Bildungsvermittlung. Sekundär steht der Erziehungsauftrag im Vordergrund, allerdings nicht alleine, sondern gemeinsam mit den Eltern. Wir müssen die Kinder fit für die Zukunft machen. Wir haben eine Verantwortung für unsere Schüler, schließlich sind sie acht Jahre bei uns, und diese Zeit ist sehr prägend.

Es gibt momentan viele Diskussionen über die geplante Bebauung auf dem Baumarkt-Gelände in direkter Nachbarschaft des ESGs. Wie ist Ihre Meinung zu dem Vorhaben?
Als wir von den Bauplänen gehört haben, besonders von dem öffentlichen Radweg, der direkt über unseren Pausenhof gehen soll, waren wir schockiert. Das ist einfach gefährlich für unsere Schüler. Wir sind nicht gegen den Bau, aber ein sicherer Schulweg und ein sicherer Pausenhof für unsere Kinder muss gewährleistet sein. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich eine Lösung finden lässt, wenn man sich zusammensetzt.

Das ESG unterrichtet in 60- und 90-Minuten-Stunden. Welche Vorteile hat dieses Unterrichtssystem?
Irgendwann wurde uns klar, dass die normale Unterrichtszeit, gerade für die Unterstufe, zu lang ist. Nach 60 Minuten schwindet die Konzentration und es bleibt zu viel Unterrichtszeit auf der Strecke. Frau Frey hatte die Idee, die Stundenpläne nach einem finnischen Modell zu planen, und hat dieses System ausgeknobelt, dabei aber immer berücksichtigt, dass manche Fächer wie Sport oder Bildende Kunst auf 90 Minuten angewiesen sind. Es erfordert zwar viel Planung, aber das Ergebnis spricht für sich. Man darf, wenn man ein Problem erkennt, nicht jammern, sondern muss schauen, wie man es lösen kann.

Das Motto des ESGs ist: „Gute Schule heißt Menschen fördern im Lebensraum Schule“. Welche Aufgaben und Ziele haben Sie sich für die kommende Zeit als stellvertretende Schulleiterin gestellt?

Ich muss natürlich schauen, was alles auf mich zukommt. Aber unser Leitspruch ist auch unser Leitmotiv. Schule ist kein Selbstzweck. Wir arbeiten für die Kinder und mit den Kindern.

Haben Sie selbst auch ein Motto für Ihre neue Aufgabe?
Nein, ein richtiges Motto gibt es nicht. Das Credo bei uns in der Schule ist: Wir bekommen das hin. Daran halte ich mich.


Die Fragen stellte Deborah Ravell
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