Punsch mit Polizei: Sicherheit bei den Weihnachtsmärkten

"Nach wie vor besteht eine hohe abstrakte Gefährdungsrelevanz, weshalb die Polizei Weihnachtsmärkte und sonstige Veranstaltungen mit Weihnachtsbezug im besonderen Fokus hat", teilte das Polizeipräsidium Karlsruhe mit. (Foto: Pixabay, PeterKraayvanger)

Am 19. Dezember 2016 raste der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in die Besuchermenge des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Breitscheidplatz. Zwölf Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt. 2017 soll ein mutmaßlicher Islamist einen ähnlichen Anschlag auf eine weihnachtliche Eislaufbahn in Karlsruhe geplant haben.

Karlsruhe/Stuttgart/Freiburg (dpa/lsw) Am 19. Dezember 2016 raste der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in die Besuchermenge des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Breitscheidplatz. Zwölf Menschen starben, mehr als 70 wurden verletzt. 2017 soll ein mutmaßlicher Islamist einen ähnlichen Anschlag auf eine weihnachtliche Eislaufbahn in Karlsruhe geplant haben. Derzeit muss er sich vor Gericht wegen der Vorbereitung eines Terrorakts verantworten. Und 2018? "Nach wie vor besteht eine hohe abstrakte Gefährdungsrelevanz, weshalb die Polizei Weihnachtsmärkte und sonstige Veranstaltungen mit Weihnachtsbezug im besonderen Fokus hat", teilte das Polizeipräsidium Karlsruhe mit. Es bestehe aber kein Anlass, auf die Durchführung oder den Besuch zu verzichten.

In Karlsruhe gibt es wieder eine Eislaufbahn

Vor dem Karlsruher Schloss gibt es auch in diesem Jahr vom 27. November an wieder eine Eislaufbahn. Veranstalter ist die Karlsruhe Marketing und Event GmbH. Geschäftsführer Martin Wacker zufolge sollen große Behältnisse einen Zufahrtsschutz bieten und dafür sorgen, dass potenzielle Attentäter nicht ungehindert auf den Platz fahren können. Außerdem treffe der Veranstalter seinen Angaben nach "nicht sichtbare" Sicherheitsvorkehrungen.

Keine Auswirkungen durch Gruppenvergewaltigung

Als einer der ersten im Land beginnt am Donnerstag, 22. Dezember, der Weihnachtsmarkt in Freiburg. Veranstalter und Polizei haben gemeinsam ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in der Stadt im Oktober habe darauf aber keine konkreten Auswirkungen gehabt, sagte Annika Reinke, Sprecherin der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH. Ob sich der Fall negativ auf die Besucherzahlen auswirke, lasse sich im Vorfeld schwer einschätzen. Im Vorjahr kamen Reinke zufolge 600.000 Menschen auf den Freiburger Weihnachtsmarkt.

Keine Änderung des Einsatzkonzeptes

Laut Polizeipräsidium Stuttgart hat sich am Einsatzkonzept auf dem Weihnachtsmarkt der Landeshauptstadt im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. Demnach stehen bewaffnete Polizeibeamte an den Zugängen des Weihnachtsmarkts und zwischen den Buden sind Streifen in Zivil unterwegs - auch, um mögliche Taschendiebstähle zu verhindern. Verändert hat sich allerdings die Resonanz der Marktbesucher auf die erkennbaren Einsatzkräfte: «In den ersten Jahren sind die Leute erschrocken, als sie Polizisten gesehen haben. Jetzt freuen sie sich», sagte Marcus Christen von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart.

"Kameras halten Terroristen nicht ab"

In den größeren Städten im Südwesten ähneln sich die Sicherungsvorkehrungen. Auch auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt sind nach Auskunft der Stadt uniformierte Polizisten unterwegs. Die Zufahrten zum Münsterplatz sollen Betonblocks sichern. Nachts überwacht ein Sicherheitsdienst den Markt. Videoüberwachung und Zugangskontrollen gibt es nicht. Auf Kameraaufnahmen zur Überwachung verzichten auch die Veranstalter in Reutlingen und Tübingen. Poller gibt es vor dem Reutlinger Weihnachtsmarkt allerdings nur in kleiner Ausführung. "Die halten einen Terroristen mit einem 30-Tonner nicht ab", sagte Norbert Brendle von der Markt-Werk-Stadt. Er wünscht sich, dass die Kommune die Zufahrten künftig mit versenkbaren Pollern ausstattet. In Tübingen drücken sich erwartungsgemäß nicht nur während des Weihnachtsmarkts, sondern auch während der Schokoladenmesse "chocolART" vom 4. bis zum 9. Dezember die Menschenmassen durch die Altstadt. Im Rathaus hat man sich wegen der engen und hügeligen Gassen gegen bauliche Zufahrtsblockaden entschieden. "Damit würden wir auch unsere eigenen Rettungswege blockieren", sagte Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark.
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