Summ, summ – und auf einmal stumm?

Wo sind die kleinen Majas und Willis hin?
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Auch im Kraichgau warnen Naturschützer, Gartenfachleute und Imker vor den Folgen eines fortgesetzten Bienensterbens.

Kraichgau (drav) Wir befinden uns im Jahre 2018 nach Christus. Die Zahl der in Deutschland lebenden Insekten wird von allen Seiten bedroht. Alle Insekten? Ja! Ein unbeugsamer Feind hört nicht auf, die summende Gemeinschaft zu dezimieren. Und das Leben wird nicht leichter für die fleißigen Arbeiter...

Was würde ein komplettes Bienensterben bedeuten?

2006 sorgte das weltweite Sterben und Verschwinden ganzer Bienenvölker für Aufsehen. Mittlerweile hat sich das Sterben verlangsamt, geht aber weiter. Was würde ein komplettes Bienensterben bedeuten? „Eine globale Hungersnot“, fasst Hans-Martin Flinspach, Vorsitzender der Streuobstinitiative Karlsruhe, das Problem zusammen. Denn jeder Mensch ist von den Bienen abhängig. Und zwar nicht nur von den Honigbienen, sondern auch von den teilweise stark gefährdeten Wildbienen. Ohne ihre Bestäubungsarbeit müssten die Verbraucher nicht nur auf Obst und Gemüse, sondern auch auf Kaffee, Schokolade, Fertiggerichte, Pflegeprodukte, Kleidung und mehr verzichten – also auf 60 Prozent der Produkte, wie ein Supermarkt dieses Jahr mit einer beispielhaften Aktion vorgeführt hat.

„Die Liste der Probleme ist endlos“

Doch wo sind sie hin, die kleinen Majas und Willis? „Die Liste der Probleme ist endlos“, sagen Thomas Klingenfuß, Annette Bräuning und Wolfgang Röder, Mitglieder des Naturschutzbunds (NABU) in Bretten. „In Deutschland gehen täglich etwa 66 Hektar Naturfläche verloren. Auf den Feldern wimmelt es von sogenannten Monokulturen wie Mais und Raps, die nur wenige Wochen im Jahr blühen“, erläutert der Brettener BUND-Vorsitzende Gerhard Dittes. „Dazu kommt noch der Einsatz von Pestiziden, wie den „Neonicotinoiden“, die das Nervensystem der Bienen irreparabel schädigen.“
Um an Nahrung zu kommen, flüchtet die Biene in die Stadt. „Wir haben gemeinsam mit dem Melanchthon-Gymnasium Bretten Nisthilfen für Wildbienen gebaut“, erzählt Gerhard Dittes. Der NABU versucht, auch die Schüler des Edith-Stein-Gymnasiums Bretten für das Thema zu sensibilisieren.

Wildblumen pflanzen, Nistmöglichkeiten anbieten

„Das Insektensterben kann nicht innerhalb einer Generation gelöst werden. Wir hoffen, dass die darauffolgende Generation diese Aufgabe weiterführt“, sagt Thomas Klingenfuß. „Aber auch die Probleme auf dem Land müssen gelöst werden“, ergänzt Anette Bräuning. Denn auch in der Stadt wird die Nahrung knapp. „Zu viele Gärten gleichen einer Schotterpiste“, so Wolfgang Röder. Was also tun? „Es gibt wieder vermehrt Blühstreifen auf den Feldern. Man muss beobachten, ob diese Entwicklung etwas bringt“, so Wolfgang Röder. „Wir sind privilegierter, da im Kraichgauer Hügelland eine gute Vegetation herrscht“, erklärt Gerhard Dittes. Was der einzelne Bürger tun kann, weiß Marc La Fontaine, Besitzer der Imkerei „BieVital“: „Wildblumen pflanzen, Nistmöglichkeiten für Wildbienen anbieten und natürlich keine Pestizide versprühen.“

Menschen brauchen Bienen – und nicht umgekehrt

Denn die Bienen brauchen die Menschen nicht, die Menschen die Bienen aber schon. Letztendlich geht es um eine viel größere Sache: die Naturerhaltung. „Wenn wir so weitermachen, rotten wir uns selbst aus“, meint Christian Spintzyk vom Obst- und Gartenbauverein Diedelsheim. Noch können die Menschen den Kurs ändern – Pestizide, Monokulturen und Lebensraumverlust über Bord werfen, volle Kraft voraus für die Naturerhaltung. Und zwar jetzt, bevor es heißt: summ, summ, stumm...

Autor:

Deborah Ravell aus Bretten

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