Oscarprämierte musikalische Reise durch Raum und Zeit

Galakonzert der Happy Voices begeisterte in der ausverkauften Stadtparkhalle. Foto: Timo Kögel
 

Galakonzert der Happy Voices begeisterte in der ausverkauften Stadtparkhalle

Bretten (ger) Dieses Jahr hatten die Happy Voices von der Chorgemeinschaft Rinklingen und ihr Dirigent Bernd Neuschl für ihr Galakonzert den sprichwörtlichen roten Teppich ausgerollt: Mit Filmmusik und Musicalmelodien, zu einem Großteil oscarprämiert, nahmen sie die Zuhörer in der voll besetzten Stadtparkhalle mit auf die Reise vom Broadway nach Hollywood. Genauer gesagt beschränkte sich die Tour nicht auf die USA, sondern führte durch Raum und Zeit, vom märchenhaften Orient bis in die ferne Zukunftswelt Panem, vom spätmittelalterlichen Paris bis ins heutige Indien, von Großbritannien in die afrikanische Steppe. Schülerinnen und Schüler der Eingangsklasse und Jahrgangsstufe 1 Musik des Beruflichen Gymnasiums Bretten führten eloquent und humorvoll in jedes Stück ein.

Von Panem nach Paris

Beim ersten Lied standen alle Akteure auf der Bühne: Die Happy Voices, der Projektchor, der Jugendchor Chorus Surprise und die Chor-AG der Beruflichen Schulen Bretten (BSB) stiegen geheimnisvoll und eindringlich mit „The Hanging Tree“ aus „Die Tribute von Panem“ ein, gefühlvoll begleitet vom eigens für diesen Abend zusammengestellten Musical-Orchester. Wunderbar leicht stimmten die Solistinnen Nicole Neimayer und Alina Schnorr die ersten beiden Strophen an. Danach ein Zeitsprung ins späte Mittelalter: Mal dramatisch, mal französisch-elegant kamen „Die Glocken von Notre Dames“ daher, die die Geschichte ihres berühmten Glöckners Quasimodo in Kurzform paraphrasiert.

Tempowechsel und akzentuierte Perkussion

„Feed the Birds“, ein Wiegenlied aus „Mary Poppins“, die Solopassagen zauberhaft vorgetragen von Ulrike Böckle, mit Unterstützung von Neuschls kräftigem Bariton, brachte dann wieder Ruhe in die aufgewühlte Stimmung. Bei der Suite aus dem Musical Aladdin sorgte das Orchester mit Tempowechseln, akzentuierter Perkussion und dynamischen Bläsereinsätzen für Furore. Anrührend, mitreißend, aber auch komisch – alle diese Stimmungen transportierten die Solisten Roland Weißhaupt als Dschinny, das Riesentalent Sascha Trautz als kleiner Straßendieb Aladdin sowie Julian Merl und Alina Schnorr mit ihrem wunderbaren Duett, immer schön unterstützt vom Chor, der dem Mini-Musical den Rahmen gab. Mit dem hoffnungsvollen Song „Endlose Nacht“, in der der einsame Löwenjunge Simba aus „König der Löwen“ sich selbst Mut zusingt, kraftvoll und doch sensibel intoniert von Bernd Pfeifer, gingen Akteure und Publikum in die Pause.

Tanzende Becher und Medleys zum Mitsingen

Im zweiten Teil hatte der Chorus Surprise seinen großen Auftritt. Nach dem sanften „In Dreams“ aus „Herr der Ringe“ ernteten sie mit „Cups“ aus „Pitch Perfect“ und ihrer Becher-Perkussion einen tosenden Beifall. Unterstützung bekamen sie dabei von den Sängerinnen des BSB-Chors. Zwei Medleys zum Mitsingen und -summen brachten dann die Happy Voices zu Gehör: Highlights aus „Forrest Gump“ führten die Zuhörer von der Flower-Power-Zeit in die 90er-Jahre. Dank chromatischer Verschiebungen in der Melodie kam „007: Best of Bond“ ungleich dramatischer daher. Für Gänsehaut-Feeling sorgten nicht nur die Solistinnen Sandra Metz und Caroline Vieth, sondern auch die satten Bläserklänge.

Auch der Chor tanzte

Tanzend und erstmals indisch singend präsentierte sich der Chor danach bei „Jai Ho“ aus „Slumdog Millionär“. Sandra Hauser und Caroline Vieth brachten mit ihren Solopassagen noch mehr Farbe in dieses exotische Musik-Feuerwerk. Das letzte Stück „Glory“ aus dem Film „Selma“, der die amerikanische Bürgerrechtsbewegung im Fokus hat, sagte Neuschl selbst an. Er wies darauf hin, wie wichtig Menschenrechte und Demokratie sind und appellierte dafür, sich rechten Populisten und nationalistischen Strömungen entschieden entgegenzustellen. Entsprechend kämpferisch präsentierten der Chor und die Solisten Bernd Pfeifer und Sascha Trautz (letzterer diesmal rappend) die Hymne, in der zwei Spielarten der schwarzen Musik, nämlich Gospel und Rap kongenial aufeinandertreffen.

Oscar für Bernd Neuschl

Bernd Neuschl hat Bretten wieder einmal einen alles in allem mitreißenden, begeisternden Abend auf einem hohen musikalischen Niveau bereitet, wobei kleinere Unsicherheiten etwa bei den Choreinsätzen kaum ins Gewicht fielen. Dafür verlieh ihm sein Chor zurecht den Oscar. Erst nach zwei Zugaben ließ das Publikum die Akteure mit viel Applaus von der Bühne.

Alle Fotos: Timo Kögel
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.