Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs im Interview: Leitgedanken für eine lebendige Kirche

Unser Redaktionsmitglied Katrin Gerweck sprach mit Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs, der seit 13 Jahren in Bretten als evangelischer Pfarrer tätig ist, über die anstehenden Aufgaben seiner Gemeinde. (Foto: ch)

Interview mit Dietrich Becker-Hinrichs, Pfarrer der Luthergemeinde Bretten.

Bretten (ger) Die evangelische Kirche in Bretten hat nach der Visitation im Juni, bei der sich Haupt- und Ehrenamtliche konstruktiv mit einer vierköpfigen Kommission ausgetauscht haben, fünf Ziele formuliert, die in den nächsten Jahren als Leitgedanken dienen sollen. Unser Redaktionsmitglied Katrin Gerweck sprach mit Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs, der seit 13 Jahren in Bretten als evangelischer Pfarrer tätig ist, über die anstehenden Aufgaben.

An erster Stelle steht die Renovierung des Gemeindehauses in der Stiftskirche. Welche Anforderungen hat dieses Projekt?
Die Vorgaben waren vor allem Brandschutz und Barrierefreiheit. 1973 ist das Gemeindehaus zum letzten Mal renoviert worden. Es ist ja eigentlich der Chorraum der Stiftskirche. Ab 1705 nutzten die Katholiken den durch eine Mauer abgeteilten Chorraum als Gotteshaus. Als 1938 die St. Laurentiuskirche fertig war, kaufte die evangelische Kirche den Raum wieder zurück und benutzte die Halle als Gemeindesaal. 1973 entstand erst die jetzige Form, es wurden eine Decke und Zwischenwände eingezogen sowie eine Treppe eingebaut. Für den Umbau haben wir einen Wettbewerb ausgeschrieben. Es geht ja um Bauen im alten Bestand. Ein Architekturbüro aus Waghäusel hat den Zuschlag bekommen, da es die Anforderungen am besten gelöst hat. Die Erschließung des Obergeschosses wird ganz neu gemacht. Es wird ein Aufzug eingebaut, der von einer Treppe umschlossen wird. Außerdem wird es vom großen Saal oben aus einen zweiten Ausgang als Notausgang geben, der über eine Treppe nach unten und dann ins Freie führt.

Welche Neuerungen wird es im Gemeindehaus geben?
Der Mittelteil wird als Bistrozone fungieren. Das Gemeindehaus soll von einem „Vereinsheim“ für evangelische Gruppen zu einem offenen Begegnungszentrum werden. Man wird es zum Beispiel auch für private Feiern mieten können.

Eines der Leitziele lautet, dass die Kommunikation nach innen und außen verbessert werden soll. Was bedeutet das konkret?
Wir haben so viele lebendige Aktionen in der Gemeinde, die wir mehr nach außen tragen wollen, wie unser kürzlich stattgefundenes Kirchplatzfest. Außerdem ist es auch im Hinblick auf den Gemeindehausumbau, wo die Gemeinde ja einen Teil der Kosten selbst tragen muss, wichtig, viele Menschen mit ins Boot zu holen. In einem Fundraising-Seminar mit Experten der Landeskirche werden wir ein Konzept für eine große Spendenaktion erstellen. Ich bin mir sicher, dass wir wieder viele schöne Ideen haben werden wie bei der Anschaffung der neuen Glocken vor vier Jahren.

Die Senioren-Arbeit soll intensiviert werden. Gibt es dazu schon Ideen?

Wir haben schon mit einigem begonnen. Schon lange gibt es den Seniorennachmittag einmal im Monat. Wir pflegen auch guten Kontakt zum Evangelischen Altenheim Im Brückle. Immer am Samstagabend gibt es dort einen Gottesdienst. Über unseren Gemeindebrief haben wir Ehrenamtliche für einen Hol- und Bringdienst gesucht, da viele Seniorinnen und Senioren Unterstützung für den Weg in den Andachtsraum brauchen. Die Resonanz war toll, es haben sich auch Menschen gemeldet, die ich noch nicht gekannt habe. Auch den schon lange bestehenden Besuchsdienst werden wir neu aufstellen. Unbedingt wollen wir die Tradition wieder aufleben lassen, dass wir einmal im Jahr einen Open-air-Gottesdienst im Altenheim mit Chor und Posaunen veranstalten. Der ideale Ort dafür ist der begrünte Innenhof im Seniorenzentrum. Dorthin ist dann die ganze Gemeinde eingeladen, es ist also kein extra Gottesdienst für die Bewohner des Altenheims, sondern einer für die ganze Gemeinde.
Alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Kirchplatzfest, erstmals also nächstes Jahr, ist dieser Gottesdienst in Verbindung mit dem Sommerfest im Altenheim geplant.

Und was ist mit den älteren Menschen, die nicht im Seniorenheim leben?
Gut, dass sie es ansprechen. Seit bald sechs Jahren haben wir ja unsere Nachbarschaftshilfe. Sie ist übrigens ohne Visitation entstanden, wir entwickeln auch ohne diese Art der Supervision immer wieder neue Ideen und Projekte. Mein Herz schlägt für die Diakonie, der Gedanke der diakonischen Gemeinde ist mir ein Anliegen. Für den Dienst am Menschen besteht im ganzen Leitungsgremium eine hohe Sensibilität. Die Nachbarschaftshilfe in der Trägerschaft der Gemeinde läuft sehr gut. Neue Mitarbeitende werden im Gottesdienst vorgestellt und dann in ihren Dienst entsendet. Wir suchen ständig neue Mitarbeitende, da es so viele Anfragen nach Begleitung im Alltag gibt. Es finden auch immer mal wieder Spielenachmittage für alle Beteiligten statt, so dass man sich auch kennen lernt.

Leitpunkt Nummer vier zielt auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hin. Haben Sie dabei auch die Verjüngung der Kirche allgemein im Blick?
Ja, das ist eine große Aufgabe. Wir brauchen jüngere Menschen, auch zur Mitarbeit. Wir wollen ganz gezielt Kindergarten- und Konfirmanden-Eltern, aber auch Jugendliche ansprechen. Wir suchen nicht nur Kirchenälteste, also Mitglieder im Kirchengemeinderat, sondern haben ja bereits auch einige Ausschüsse, die sich mit bestimmten Themen befassen. Zum Beispiel einen Ausschuss für Kinder- und Jugendarbeit, einen für Kirchenmusik, einen Finanz- und einen Bauausschuss. So kann sich jeder mit seinen Gaben, wie man in der Kirchensprache so schön sagt, einbringen.

Für die größte Diskussion bei der Vorstellung der Leitziele in der Gemeinde sorgte ja die Fusion der Melanchthon- und der Luthergemeinde.

Richtig. Wohl zum 1. Januar 2019 werden die beiden Pfarreien auch formal zusammengelegt. Der Oberkirchenrat sagte ganz treffend: „Sie leben das doch schon längst!“ Und so ist es auch. Wir verstehen uns schon lange als Einheit. Der Kirchengemeinderat tagt immer gemeinsam, nur ganz wenige Entscheidungen werden separat getroffen. Mit der Fusion sorgen wir strukturell dafür, dass es bei der Einheit bleibt. Es wird dann nur noch ein Pfarramt und also eine Telefonnummer für alle Angelegenheiten geben, also bürokratisch einfacher.

Die Sorge war ja vor allem, dass es dann weniger Mitglieder im Kirchengemeinderat geben wird, was viele gerade angesichts der anstehenden Aufgaben kritisch sahen.
Wissen Sie, in der Vergangenheit haben wir bei den Kirchenwahlen manchmal nicht mal die Mindestzahl an Kandidaten für die beiden Ältestenkreise erreicht. Wir haben auch in der Kirche Mühe, Ehrenamtliche zu finden. Statt 16 Mitgliedern werden wir im neuen Gremium dann acht plus bis zu vier, also zwölf sein. Das ist eine gute Größe. Es ist in der Tat leichter, Menschen für konkrete Projekte zu begeistern, als sie für das Ältestenamt für die Dauer von sechs Jahren zu gewinnen. Für manche Aufgaben, die Kirchenälteste haben, wie den Begrüßungsdienst oder die Schriftlesung im Gottesdienst, wäre zum Beispiel auch ein Liturgie-Ausschuss denkbar. Im Großen und Ganzen bin ich mir sicher, dass wir die anstehenden Aufgaben auch als eine große Gemeinde gut bewältigen werden.
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