Kommentar zur polizeilichen Kriminalitätsstatistik: Gefühlte Unsicherheit

(Foto: Pixabay, Simon)
Bretten: Gemeinderat |

Kommentar von Brettener Woche-Redakteur Chris Heinemann zur turnusmäßigen Präsentation der polizeilichen Kriminalitätsstatistik im Brettener Gemeinderat.

Der Leiter des Brettener Polizeireviers spricht im Hinblick auf die aktuelle Kriminalitätsstatistik von Bretten als einem "Planet der Glückseligen". Fragt man dagegen die Bürger, stellt sich die Sicherheitslage nicht mehr ganz so rosig dar. Wie erklären sich diese Unterschiede? Die Polizei geht von statistischen Werten aus, während für viele Bürger ihr eigenes Erleben im Vordergrund steht. Steigt oder sinkt in einer Gegend die Zahl der Wohnungseinbrüche geringfügig, spielt das für die Gesamtbewertung in der Regel keine große Rolle. Für die direkt oder indirekt Betroffenen schon. Wer erfährt, dass in der Nachbarschaft eingebrochen wurde, fragt sich unwillkürlich: Bin ich als Nächster dran?

Probleme klar beim Namen nennen

Obendrein sorgen heutzutage auch die per Smartphone empfangenen Nachrichten von Facebook, Twitter und Co., zum Beispiel über die jüngste Amokfahrt in Münster, nebst den fast in Echtzeit aufwallenden Nutzerreaktionen für eine Verstärkung des persönlichen Unsicherheitsgefühls. Behördenvertreter, die in dieser Lage vor allem beschwichtigen, handeln sich womöglich den Vorwurf des Verschweigens oder gar der Lüge ein und ebnen ungewollt Populisten den Weg. Auch Probleme, die auf den ersten Blick klein erscheinen, wie ein paar zurückgelassene Spritzen am Ruiter Aussichtspunkt, gilt es, klar beim Namen zu nennen und auf unangebrachte Rücksichtnahmen zu verzichten. Nur so haben die Bürger das Gefühl, dass man sie ernst nimmt und dass die Sicherheitsorgane daran arbeiten, Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden.

Jeder kann etwas tun

Andererseits sind aber auch wir Bürger gefragt, etwas zur Verbesserung unseres eigenen Sicherheitsgefühls beizutragen. Eine gut funktionierende und zugleich respektvolle Nachbarschaft, Interesse, Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit gegenüber anderen Menschen können der entscheidende Faktor sein, um zu verhindern, dass man selbst oder jemand anderes zum Opfer einer Straftat wird. Doch auch unter den günstigsten Umständen bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass es absolute Sicherheit niemals geben kann.

Chris Heinemann

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht zur aktuellen polizeilichen Kriminalitätsstatistik und unsere Umfrage zur Kriminalitätsstatistik
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