"Sozial und rechtlich äußerst bedenklich": Leserbrief zu den Folgen der Nachverdichtung in Bretten

(Foto: Pixabay, Andrys)

"Sozial und rechtlich äußerst bedenklich": Leserbrief zu den Folgen der Nachverdichtung in Bretten.

Am vergangenen Sonntag gab es auch in Bretten einen Starkregen. Dieser führte zwar nicht zu einem Hochwasser, weil Brettens Bäche infolge der Trockenperiode fast leer waren. Jedoch führte dieser Starkregen wieder einmal zu einer Überlastung des Kanalsystems in der Kernstadt. Auch die Überläufe in den Saalbach schafften keine Entlastung, so dass das Wasser aus allen tief gelegenen Regeneinläufen in der Wilhelmstraße und anderenorts quoll und die Straßen großflächig überflutete. Ob auch Schäden in Häusern entstand, entzieht sich meiner Kenntnis.

Eine solche Kanalsystemüberstauung sollte nach den Berechnungen der 70er-Jahre als Jahrhundertereignis nur einmal in hundert Jahren vorkommen. Für die Verlegung der Kanäle des Abwasserverbandes und die Aufdimensionierung vieler städtischer Kanäle ging damals der Abwasserverband von 100.000 Einwohnergleichwerten für das Verbandsgebiet aus und erfasste dabei alle damals beabsichtigten, in den Flächennutzungsplänen der Gemeinden enthaltenen, künftigen Neubaugebiete wie Bretten Wanne, Kupferhälde, Rechberg und ähnliche mehr.

Eine Hauptursache für die nun häufige Überstauung des Netzes ist die von einigen Ideologen so hochgepriesene, bauliche Nachverdichtung in der Kernstadt. Durch die zusätzlich intensiv betriebene Versiegelung von früheren Garten- oder Freiflächen in Blockinnenräumen fliest den Kanälen deutlich mehr Wasser zu.

Damit einher geht aber auch eine Überlastung der schmal dimensionierten Wohnstraßen in älteren Baugebieten. Durch das nicht nachvollziehbar akzeptierte Freikaufen aus gesetzlich vorgeschriebener Stellplatzverpflichtung entsteht auch ein solcher Parkdruck, dass ein Begegnungsverkehr kaum noch möglich ist und Handwerker, Lieferanten oder Gäste keine Straßenrandparkplätze finden. Durch das häufige Anhalten, Ausweichen und Neustarten des nicht mehr fliesenden Verkehrs wird mehr Benzin verbraucht und CO2 ausgestoßen.

Das absolut Bedenkliche ist aber, dass diese Nachverdichtung mit hohen Geschosssflächenzahlen den Investoren satte Gewinne bringt, weil diese für die schon vorhandenen Straßen keinerlei Erschließungsbeiträge mehr bezahlen, meines Wissens, wie in der Kantstraße, keine Tiefgaragen bauen müssen sowie auch keine Entwässerungsbeiträge für schon vorhandene Kanäle zahlen. Die Kosten für einen gegebenenfalls später fälligen Kanalaustausch und den Hochwasserschutz trägt dann die Gemeinschaft mit ihren Steuergeldern, beziehungsweise der Gebührenzahler. Dies ist meines Erachtens sozial und rechtlich gesehen, äußerst bedenklich. Daher kann ich nicht nachvollziehen, warum Fachverwaltung, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Gemeinderat hier keinerlei Bedenken sehen, alles genehmigen und sich damit vor den Karren einer einseitigen Betrachtung der grünen Nachverdichtungsideologie und der Investorenlobby spannen lassen.

Gunter Lange
Bretten
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