Auf der Suche nach den Wurzeln: Besuch aus Israel und Großbritannien in Bretten

Spuren der Vergangenheit: Heidemarie Leins (Zweite von links) mit ihren Gästen beim Entziffern von jiddischem Text auf dem Öberöwisheimer Friedhof. (Foto: Leins)
Bretten: Stadt |

Drei jüdische Frauen haben sich mit Hilfe von Heidemarie und Rüdiger Leins in Bretten und der Region auf die Suche nach der Herkunft ihrer Vorfahren gemacht.

BRETTEN (hl) Auch in Israel schaut man auf die Website der Stadt Bretten, um über die Stadt informiert zu sein, aus der die Wurzeln kommen. Ja, und da gab es die Werbung zum Peter- und Paulsfest. Ein Mittelalterfest – das muss man gesehen haben. Kurzerhand wurde der Flug nach Baden-Baden gebucht, denn damit wurde die 80-jährige Mutter überrascht. Es ist die Rede von Zipora Werner, geborene Hanauer, und ihrer Tochter Ravit, die wohlgelaunt zum Treffen im Rathaus erschienen.

Erster Weg ins Standesamt

Wie bei allen Besuchern mit jüdischen Wurzeln, die Rüdiger und Heidi Leins betreuen, ist der erste Weg ins Standesamt, wo Herbert Schabinger und Alois Hauk bereitwilligst die Standesbücher öffnen. Das Treffen mit OB Martin Wolff war eine Freude für beide Seiten. Zipora und Ravit erzählten von den Erinnerungen der Mutter beziehungsweise der Großmutter aus Bretten. "Die Großmutter machte das so und deshalb machen wir das auch so", hörte man oft. Berta Bodenheimer verließ Bretten als junge Frau, um als Zionistin in Israel zu leben. Dort lernte sie Manfred Hanauer aus Gemmingen kennen und sie heirateten.

„Vier Töchter, kein Gelächter“

Vater Emil Bodenheimer pflegte zu sagen: „Vier Töchter, kein Gelächter.“ Denn Berta hatte noch drei Schwestern. Die ergänzenden Daten wurden im Stadtarchiv bei Alexander Kipphan gegeben. Immer wieder genießen es die Gäste, so ein altes Standesbuch in den Händen zu halten. Im jungen Staat Israel ist das nur im Museum möglich.
Eine Woche auf Spurensuche bedeutet natürlich auch das vordere Haus in der Melanchthonstraße 106, heute im Besitz von Vogt Mode, aufzusuchen, das einst den Großeltern gehörte.

Verlegung von Stolpersteinen beratschlagt

In Oberöwisheim besuchte man mit Frau Neißl den Friedhof, um nach Ahnen zu suchen und sie zu finden. Das war auch auf dem Eppinger Friedhof so. Zuvor brachte Wolfgang Ehret in Gemmingen die Familie Hanauer näher, die nach Heilbronn zog. Neuerdings werden an den Grabsteinen auch Friedhofskerzen angezündet wie auf christlichen Friedhöfen. Das Haus in Heilbronn steht noch. Nach dem Friedhofsbesuch, ein Onkel liegt dort, wurde die Verlegung von Stolpersteinen für die Eltern von Manfred beratschlagt, denn solange die Enkeltochter noch lebt, will man es auf jeden Fall bewerkstelligt haben. Heidi Leins versprach, sich darum zu kümmern.

Großeltern im KZ Lodz ermordet

Der Brettener Friedhofsbesuch wurde aufgeschoben, denn man erwartete ein weiteres Familienmitglied aus Großbritannien, Prof. Dr. Marilyn Corrie. Beide deutschen Großeltern fanden im Konzentrationslager Lodz den Tod. Sie brachten aber noch ihre Kinder in Sicherheit. Und so wuchs Marilyns Mutter bei einer schottischen Familie auf. Fünf Tage nach Marilyns Geburt starb die Mutter, und nur durch einen Zufall fand Marilyn ihre jüdische Familie, ihre Wurzeln, wieder. Für sie war alles neu, aber sie fühlte sich so wohl, weil doch ihre Großmutter eine Brettenerin war.

"Gutes Zeichen der Brettener Willkommenskultur"

Und dann kam der Höhepunkt des Brettener Jahres, das Peter- und Paulsfest, das Zipora mit ihrer Tochter nur Freitag und Samstag erleben durfte. Aber Marilyn blieb bis Sonntagabend und nahm viele Eindrücke nach London mit. Eine rundum gelungene Woche, so Heidi und Rüdiger Leins. Der Besuch war wieder einmal ein gutes Zeichen der Brettener Willkommenskultur, die viele Mütter und Väter hat.
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