Interview mit Bernd Neuschl anlässlich des Galakonzerts der Happy Voices

Bernd Neuschl beim Dirigieren. Foto: Thomas Rebel

Katrin Gerweck, Redaktionsmitglied der Brettener Woche/Kraichgauer Bote, sprach mit Bernd Neuschl, dem musikalischen Leiter, über das Programm beim Galakonzert und seine Tätigkeit als Dirigent. 

Bretten (ger) Nach „A Night of Joy“, dem begeisternden Advents-Konzert mit der Jungen Süddeutschen Philharmonie und Cassandra Steen im Dezember 2016, und dem abwechslungsreichen A-Capella-Chorkonzert im letzten Jahr, das unter dem Motto „Evolution“ mit Chorwerken aus fünf Jahrhunderten aufwartete, stehen in diesem Jahr also Filmmusik und Musicalmelodien im Mittelpunkt. Katrin Gerweck, Redaktionsmitglied der Brettener Woche/Kraichgauer Bote, sprach mit Bernd Neuschl, dem musikalischen Leiter, über das Programm und seine Tätigkeit als Dirigent.

Herr Neuschl, das Programm für das Galakonzert bietet eine große Bandbreite an Film- und Musicalmelodien, wobei Sie nicht nur auf Evergreens setzen, die jeder kennt, sondern auch unbekanntere Perlen ans Licht heben. Wie haben Sie die Auswahl getroffen?
Ein Konzertprogramm sollte stilistisch vielfältig sein, um mit stimmiger Dramaturgie ein ebenso vielfältiges Spektrum an Emotionen auf und vor der Bühne zu erzeugen. Dafür bin ich im Blasorchester- und Chorbereich schon immer ein neugieriger Jäger und Sammler jenseits ausgetretener Evergreen-Pfade gewesen. Bei diesem Galakonzert kommen überwiegend Werke zu Gehör, die zwischen 1962 und 2015 als Musicalverfilmung oder Hollywoodblockbuster einen Oscar gewonnen haben, oder dafür nominiert waren.

Was ist Ihr persönliches Highlight im diesjährigen Programm?
Die drei deutschen Erstaufführungen werden spannend. Wobei: Jede Komposition, die es bei mir in ein Konzertprogramm schafft, ist für sich genommen schon ein hörenswerter Höhepunkt. Es wird episch, dramatisch, fesselnd, farbenfroh, berührend und mitreißend. Einfach überraschen lassen. Konzerthöhepunkte entstehen ohnehin oftmals unerwartet, wenn zum Beispiel eine bestimmte Passage ohne konkrete Absprache mit traumwandlerischer Sicherheit gemeinsam empfunden und ausgestaltet wird, oder wenn es gelingt, auf der Bühne aus dem Moment heraus etwas entstehen zu lassen, das weit über das korrekte Ausführen des Notentextes hinausgeht.

Sie proben schon seit Anfang des Jahres mit den Happy Voices für dieses Konzert, im Frühjahr kam der Projektchor dazu, die Chor-AG der Berufsschule Bretten, die Gastsolisten, Tontechnik und das professionelle Musicalorchester wurden dann noch eingebunden, mit anderen Worten, viele Fäden müssen geknüpft und zusammengehalten werden. Wie behalten Sie den Überblick?
Es gehört zu meinem Job als künstlerischer Leiter, bei solch großen Projekten den Überblick zu behalten. Dank jahrelanger Erfahrung habe ich da eine fleißige, aber flexible Routine entwickelt. Dirigieren bedeutet auch Delegieren: Von der Jugendleiterin über alle Choristen hinweg bis hin zum Kassen- und Notenwart habe ich durchweg verlässliche Mitstreiter im Verein, ohne die solche Kulturprojekte in Teamarbeit schlicht nicht denkbar sind. Ohne sie stünde ich alleine auf der Bühne und würde mit meinen Händen Pantomime machen (lacht). Wäre nach zwei Minuten aber langweilig.

Wenn man sich so die Konzerte der vergangenen Jahre anschaut, fällt auf, dass die Rinklinger Chorgemeinschaft, namentlich die Happy Voices, die Sie schon seit über 15 Jahren dirigieren, ganz und gar nicht auf einen Stil festgelegt sind, wobei es sich ja ausnahmslos um Amateursänger handelt. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Chor?
Solch eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit basiert auf einem tiefen Vertrauen, das über die Jahre aufgebaut wurde und auf Gegenseitigkeit beruht. Der Chor, Solisten und die Vorstandschaft vertrauen mir in Sachen Repertoireauswahl und Probearbeit, ich vertraue den Sängerinnen und Sängern bei Verwaltungsaufgaben und in den Konzerten. Was die Stilvielfalt betrifft, bin ich froh, dass ich die Liebe zum Volkslied ebenso erwecken konnte wie zu modernen Chorsätzen.

Und was ist das Geheimnis eines guten Dirigenten?
Ein guter Dirigent ist Motivator, Regisseur und Coach. Er muss über eine exzellente Repertoirekenntnis verfügen und seine Klangvorstellungen und Programmideen so vermitteln, dass sowohl der Proberaum als auch der Konzertsaal proppenvoll besetzt sind. Er braucht ein Gespür für Höhe- und Ruhepunkte und schafft dadurch eine stimmige Dramaturgie. Er kennt das Potential der Gruppe und Einzelner. Er fordert und fördert entsprechend. Hinzu kommt noch eine gewisse Gelassenheit, Kritikfähigkeit und eine Prise Humor mit langem Geduldsfaden, schließlich stellen einem die Choristen und Instrumentalisten ihre wertvolle Freizeit für eine tolle gemeinsame Sache zur Verfügung. Aber ob das alles auf mich zutrifft, fragen Sie am besten die, die mich auf dem Dirigentenpult ertragen müssen (lacht). Dankbar bin ich, dass mir meine Partnerin Ulrike Böckle den Rücken frei hält mich und mich in allem tatkräftig unterstützt.

Neben Ihrer Dirigententätigkeit sitzen Sie im Stadtrat, sind Präsident der Brettener Bütt, sind Marktplatzsprecher beim Peter-und Paulfest, bieten Lesungen an, und üben natürlich auch noch einen verantwortungsvollen Beruf als Lehrer an den Beruflichen Schulen Bretten (BSB) aus. Hat Ihr Tag mehr als 24 Stunden?
Hart für etwas zu arbeiten, das einem nicht am Herzen liegt, nennt man Stress. Liebt man hingegen seine Arbeit, nennt man es Leidenschaft. Als zweifach examinierter Lehrer für Deutsch und Musik gilt meine Leidenschaft der Literatur und Musik. Gerade in der heutigen Zeit ist dieses Wissen so wertvoll, dass es unbedingt an unsere Schüler, aber auch über die Schule hinaus weitergegeben werden muss. Das prägt eben auch meine Freizeitbeschäftigung: Egal ob in der Chorprobe, bei einer Lesung oder auch mal gereimt im Büttenfass. An erster Stelle steht immer mein Lehramt. Der Rest ist streng getaktet und untergeordnet. Im Frühling kommt der Fasching, im Sommer das Peter-und-Paulfest, im Herbst ein Chorkonzert und im Winter schließlich ein oder zwei Lesungen. Ich möchte mit meinen Ehrenämtern die Bildung und Kultur in unserem Städtchen bereichern und meinen Schülern an den BSB und den Jugendlichen im Verein Vorbild sein. Als Stadtrat setze ich mich dafür auch kommunalpolitisch ein. So fügt sich alles stimmig zusammen.
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