100 Jahre Frauenwahlrecht: „Für eigene Überzeugungen kämpfen“

Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen (Foto: pm)
Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, spricht im Kurz-Interview mit der Brettener Woche/Kraichgauer Bote und kraichgau.news zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“.

Frau Schwarz, welche Bedeutung hat das Jubiläum für Sie als Politikerin und welche in Ihrem privaten Leben?
Die gesetzliche Verankerung des Frauenwahlrechts war hart umkämpft und hat den Frauen sehr viel Engagement, Kraft und Energie abverlangt. Sie haben sich mit Anfeindungen konfrontiert gesehen. Dies gibt mir den Mut, dass es sich trotz aller Gegenwehr lohnt, für eigene Überzeugungen zu kämpfen. Im privaten Leben hat mich das Bewusstsein, meine Stimme zählt, dazu gebracht, mich politisch zu engagieren.

Was können Frauenrechtlerinnen der Gegenwart von ihren historischen Vorkämpferinnen lernen?
Wir können daraus lernen, dass alleine mit dem Frauenwahlrecht Gleichstellung noch nicht gewährleistet ist und dass wir den Mut und die Kraft unserer Vorkämpferinnen aufbringen müssen, um dies in allen gesellschaftlichen, arbeitsrechtlichen und politischen Feldern umzusetzen.

Welche wesentlichen Fortschritte/Rückschritte im Kontext der Gleichstellung von Mann und Frau gab es in Deutschland?
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde wieder ein Familienbild zementiert, das patriarchale Strukturen hatte, der Mann als Ernährer und Familenvorstand, die Frau als Mutter, abhängig von ihrem Ehemann. Fortschritte gab es durch im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Mann und Frau und die daraus folgenden Gesetzesnovellen.

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts liegt der Anteil der Frauen im Bundestag bei nur bei rund 30 Prozent. Ist Politik noch Männersache?
Politische Parität muss das Ziel sein, deshalb gibt es noch sehr viel zu tun, damit Frauen nicht nur paritätisch im Bundestag, sondern auch in Landtagen, und Gemeinderatsgremien vertreten sind. Bei uns Grünen sind paritätisch besetzte Listen im Reissverschlussverfahren die Norm.

Die Fragen stellte Havva Keskin.
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