Buchhandlung Kolibri in Bretten: "Gebranntes Kind der Innenstadt"

Die Buchhandlung Kolibri in Bretten wird sich in der Zukunft mit der Buchhandelskette Osiander als Konkurrenz messen müssen.
 
Ulrike Müller von der Brettener Buchhandlung Kolibri.
Bretten: Kolibri |

Enttäuschung auf der einen, Freude über viele Solidaritätsbekundungen auf der anderen Seite, das ist im Moment das Stimmungsbild bei der Brettener Buchhandlung Kolibri nach Bekanntwerden der Ansiedlung des Wettbewerbers Osiander im kommenden Sommer.

Bretten (ch) Die Mitteilung der Stadt Bretten, dass im Sommer das Tübinger Buchhandelsunternehmen Osiander eine Filiale in der Weißhofer Galerie eröffnet, ist bei der ortsansässigen Buchhandlung Kolibri mit Enttäuschung aufgenommen worden. Zugleich erfreut sich der eingesessene Brettener Buchladen am Weststadtkreisel momentan einer außergewöhnlichen Solidaritätswelle.

Kein Platz für zwei Buchhandlungen

„Ich hatte gehofft, dass es nicht Osiander wird“, sagt Kolibri-Inhaberin Ulrike Müller auf Nachfrage von Brettener Woche/kraichgau.news. Aus einem Gespräch mit Oberbürgermeister Martin Wolff und Wirtschaftsförderer Frank Bohmüller habe sie zwar schon seit dem Spätsommer gewusst, dass sich Osiander, ebenso wie drei weitere Anbieter, für die ehemalige EP:Media-Fläche in der Weißhofer Galerie interessieren. Aber sie habe auch ihre Überzeugung dargelegt, „dass nicht zwei Buchhandlungen in Bretten existieren können“, sagt die Kolibri-Chefin. Sie betont zugleich, dass der Kontakt zwischen Kolibri und Stadt in diesem Fall von ihr ausgegangen sei: „Ich habe Herrn Bohmüller und Herrn Riethmüller von Osiander in der Weißhofer Galerie gesehen.“ Daraufhin habe sie bei der Stadt um einen Gesprächstermin gebeten und ihre Bedenken vorgetragen. „Wahrscheinlich war ich nicht überzeugend genug“, mutmaßt die Buchhändlerin.

Kulturelles Engagement übersehen?

Darin schwingt auch ein wenig Enttäuschung mit, dass das vielfältige kulturelle Engagement der Buchhandlung Kolibri – von Lesungen, Vorträgen und Theateraufführungen für erwachsene Leser über Workshops, Autorenlesungen und Welttag-des-Buches-Aktionen für Lehrer und Schüler bis zu „Lesekoffern“ für Grundschüler und Bücherausstellungen in Kindergärten – in der Mitteilung der Stadt gar nicht vorkommt. „Bei aller Bescheidenheit“, wendet Müller ein, „ich denke, wir haben in den vergangenen fast 22 Jahren des Bestehens der Buchhandlung gut gearbeitet.“

„Gebranntes Kind“ der Innenstadt

Die Kolibri-Inhaberin bestätigt im Übrigen, dass die Fläche in der Weißhofer Galerie auch ihr angeboten wurde. Im Gespräch mit der Stadtspitze wurde das Angebot von vor Jahren wiederholt, als das ehemalige Kaufhaus Schneider gerade zur Weißhofer Galerie umgebaut wurde. Damals sei Kolibri jedoch in Bezug auf die Innenstadt „ein gebranntes Kind“ gewesen, erinnert sich Müller. Erst kurz zuvor hatte sie den zweiten Kolibri-Laden schräg gegenüber der Galerie in der Weißhofer Straße zumachen müssen, weil er sich nicht mehr rechnete, wie sie sagt. Und auch diesmal war sie skeptisch.

Viel Solidarität mit Kolibri

Bedeutet die zusätzliche Ansiedlung eines Buchhandelsfilialisten mit 60 Läden nun über kurz oder lang das Todesurteil für die viel kleinere, auf Bretten beschränkte Buchhandlung Kolibri? „Nein“, sagt Müller. Allerdings sei man sich bewusst, dass eine solche Ansiedlung angesichts allgemein rückläufiger Leserzahlen und Umsätze letzten Endes auf einen Verdrängungswettbewerb hinauslaufe. Dennoch verfalle man jetzt nicht in Resignation. Bestärkt fühlt sich das Kolibri-Team aus momentan zehn voll-, aber auch teilzeitbeschäftigten Buchhändlerinnen vor allem durch die vielen Solidaritätsbekundungen der Kunden. „Wir hatten schon in den letzten Jahren sehr viele positive Rückmeldungen“, stellt die Chefin fest. Aber nach Bekanntwerden der Osiander-Entscheidung sei die Zahl der Solidaritätsadressen förmlich in die Höhe geschnellt. „Alle ermutigen uns, so weiterzumachen wie bisher, das tut natürlich gut“, freut sie sich.

Ideen für den bevorstehenden Wettbewerb

Aber wie will die Buchhandlung auf die Herausforderung reagieren? Müller bittet um Verständnis, dass sie dazu vorerst keine konkreten Angaben macht. Erst wolle sie sich nach dem Weihnachtsurlaub mit ihren Kolleginnen zusammensetzen und die Situation besprechen. Nur so viel: „Wir werden schauen müssen, wo wir noch besser werden können.“ Und: „Es gibt schon diverse Ideen, die aus Zeitgründen bislang nicht umgesetzt worden sind.“

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