Modellflug: Ein Hobby im Sturzflug

Philipp Gardemin ist seit über 35 Jahren Modellflieger und sauer über den Vorstoß des Verkehrsministers (Foto: Redaktion AUFWIND)
 
Modellfliegerei verbindet, hier ein Workshop in Pfinztal mit Teilnehmern aus ganz Deutschland. (Foto: Redaktion, AUFWIND)

Verkehrsminister Alexander Dobrindt plant einschneidende Änderungen in der Aufteilung des Luftraums. Laut Modellfliegerverbänden liegt der Verdacht nahe, dass er auf Geheiß von gewerblichen Dienstleistern handelt, die mit Paketdrohnen einen Teil des Luftraums für sich beanspruchen wollen. Leidtragende könnten rund 200.000 aktive Modellflieger sein, die sich um den Fortbestand ihres Hobbys Sorgen machen.



Kraichgau (swiz) Philipp Gardemin ist Chefredakteur des Modellsportmagazins AUFWIND, ist seit 35 Jahren aktiver Modellflieger, und war mit seinem Büro auch für einige Jahre in Gondelsheim bei Bretten ansässig. Heute fliegt der Familienvater beim Modellflugsportverein Ettlingen und wohnt in Völkersbach bei Malsch.

Kraichgau.news traf ihn zum Gespräch:

Bei Dobrindts Forderungen und Vorschlägen geht es ja immer um Drohnen. Warum ist damit auch der Modellflug im Ganzen betroffen?

Weil Dobrindt bei seinen Plänen zur Novellierung der Luftverkehrsordnung nicht zwischen Drohne und Modellflugzeug unterscheidet. Prinzipiell ist das auch richtig, denn ein Modellflugzeug muss auf Sicht geflogen werden und das gilt für Drohnen, die privat genutzt werden, eben auch. Auf Sicht bedeutet, dass man sein Modell nicht nur sehen, sondern auch einschätzen können muss. Ein großes Segelmodell kann und darf da deutlich höher fliegen als eine Drohne, bei der hört der Sichtflug nämlich schon bei etwa bei 100 Meter auf. Exakt die Höhe also, auf die Dobrindt den Modellflug deckeln will.

Kann der Modellflug, wie von Dobrindt behauptet, die bemannte, zivile Luftfahrt gefährden? Es gab ja durchaus schon Vorfälle, die eine Gefährdung vermuten lassen

Verantwortungsvoll und nach den derzeitigen Regeln betriebener Modellflug – zu denen auch privat genutzte Drohnen gehören - gefährden die Luftfahrt überhaupt nicht. Alle zwischen Januar 2015 und Februar 2016 an die deutsche Flugsicherung gemeldeten zwölf Zwischenfälle waren zum einen Bagatellfälle und stellten schon jetzt eindeutige Gesetzesverletzungen dar, die streng geahndet werden müssen.

Ist es nicht ein Problem, dass viele Hobby-Modellflieger über Luftrecht, Flugverbotszonen und Ähnliches, so gut wie nichts wissen? Wäre da nicht eine Art verpflichtender „Führerschein“ für Modellflugzeuge, Drohnen und Helikopter sinnvoll?

Das ist grundsätzlich etwas, worüber man reden kann. Allerdings dürfen wir dabei nicht vergessen, dass wir es auch nicht zu kompliziert machen dürfen. Andernfalls wird uns das Probleme beim Nachwuchs und bei der Jugendarbeit bereiten. Ich würde in erster Linie erst mal für Aufklärung plädieren. Hier unternimmt weder das Verkehrsministerium noch der Verbraucherschutz irgendwelche Anstrengungen. Auch Industrie und Handel sind gefragt, da kommt auch zu wenig. Da muss mehr eingefordert werden. Bislang machen da nur Verbände und Fachmedien einen guten Job.

Der Verkehrsminister will ja zudem alle gewerblich und privat genutzten Geräte ab 0,5 Kilogramm künftig kennzeichnungspflichtig machen, um bei Missbrauch oder Unfällen den Verursacher identifizieren zu können. Ist das nicht sinnvoll?

Das ist in der Tat ein guter Vorschlag. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es derzeit ja nur für Modelle ab fünf Kilogramm Abfluggewicht. Hier die Grenze weiter unten anzusetzen ist sicher sinnvoll.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme in den folgenden von Dobrindt vorgeschlagenen Regelungen? Private Drohnen-Flüge werden verboten:

… in einer Höhe von mehr als 100 Metern,

Im Prinzip gibt es die Regel schon, da Drohnen auf Sicht geflogen werden müssen und diese nur bis etwa 100 Meter gut zu erkennen sind. Das Problem haben mit dieser Höhenbegrenzung nicht die Drohnen-Piloten, sondern alle anderen Modellflugsportler. Hier wären die meisten Sportklassen, in denen es auch nationale und internationale Wettbewerbe gibt, schlichtweg nicht mehr durchführbar. Außerdem würde man die Sicherheit auch noch reduzieren, denn fliegen große Modelle höher, haben die Piloten mehr Raum und Zeit, um beispielsweise auf unvorhergesehene Dinge zu reagieren.

… außerhalb der Sichtweite des Steuerers,

Das ist ohnehin schon Vorschrift

… über Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Kraftwerken und Anlagen der Energieerzeugung und -Verteilung sowie Bundesfernstraßen und Eisenbahnlinien.

Auch das ist absolut sinnvoll und gar kein Problem für alle Modellflugsportler. Das ist zum größten Teil ohnehin bereits verboten und vernünftige Piloten würden dort eh nie fliegen. Und die meisten sind vernünftig.

… über Menschenansammlungen, Unglücksorten oder Katastrophengebieten

Sinnvoll und ohnehin schon Vorschrift.

… Einsatzorten von Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden oder –Organisationen.

Auch sinnvoll.

Ist Deutschland mit seinem Vorstoß auf Modellflug-Ebene allein oder gibt es auch europäische Bestrebungen, die Regelungen für den Modellflug zu verschärfen?

Es gibt sehr konkrete Verhandlungen, um das auf EU-Ebene einheitlich zu regeln. Hier gibt es auch bereits konkrete Vorschläge die derzeit diskutiert werden. Warum Dobrindt hier dennoch vorprescht und einen nationalen Alleingang hinlegt, bleibt uns Modellfliegern ein Rätsel.

Was sind abschließend Ihre Forderungen an Verkehrsminister Dobrindt?

Ich schließe mich hier den Forderungen von Pro Modellflug (www.pro-modellflug) an, einer Initiative unter Federführung des Deutschen Modellflieger Verbands (DMFV) zusammen mit Vereinen, Verbänden, Messegesellschaften, Herstellern, Händlern und Fachverlagen. Wir fordern Dobrindt auf, sämtliche Pläne für eine Novellierung luftrechtlicher Bestimmungen und/oder Gesetzesvorhaben zu stoppen, die den seit Jahrzehnten sicher und verantwortungsbewusst betriebenen Modellflugsport in Deutschland existenziell bedrohen. Und das hat einen ganz einfachen Grund: die Gesetze sind alle schon da, man muss sie nur konsequent anwenden.

Die Fragen stellte Christian Schweizer
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