Sparkasse Kraichgau schließt kleine Filialen 

Norbert Grießhaber, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kraichgau, erklärt die Schließung der Filialen mit der zunehmenden Digitalisierung und dem geänderten Kundenverhalten.

Digitalisierung verändert Kundenverhalten massiv. Kleine Filialen nur noch von drei bis fünf Kunden pro Tag besucht. Zustimmung und Kritik von Bürgermeistern und Ortsvorstehern der betroffenen Gemeinde und Stadtteile.

Kraichgau (ger) Die Sparkasse Kraichgau verfolgt eine neue Vertriebsstrategie und schließt in der Konsequenz 18 ihrer insgesamt 56 Filialen. Zwei der Filialen, nämlich die in Wössingen und die in Kraichtal-Menzingen werden zu SB-Filialen mit Geldautomat umgemünzt. Die Filialen in Rinklingen, Gölshausen, Neibsheim, Zaisenhausen, Oberöwisheim und Obergrombach schließen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Filialen werden die Teams in umliegenden Filialen oder in anderen Vertriebsheinheiten verstärken.

Kunden nutzen zunehmend Online-Angebote

„Es ist Tatsache, dass die Digitalisierung in allen Lebensbereichen voranschreitet“, nennt Vorstandsvorsitzender Norbert Grießhaber auf Nachfrage als Hauptgrund. Auch habe eine detaillierte Analyse der Standorte ergeben, dass die kleineren Filialen im Schnitt nur von drei bis fünf Kunden pro Tag zur Abwicklung von Serviceleistungen besucht werden. „Das Kundenverhalten hat sich massiv verändert.“ Die Entwicklung sei schon über einen längeren Zeitraum stabil. Die Kunden nutzten zunehmend die Online-Angebote, weshalb das Kreditinstitut sein Geschäftsmodell durch digitale Kanäle ständig erweitert. Gleichzeitig gewinnt auch die persönliche Beratung an Bedeutung: „Die Anforderungen der Kunden steigen, wenn es um anspruchsvolle und komplexe Themen wie Baufinanzierung, Vermögensaufbau, Wertpapiere und Altersvorsorge geht. Kunden erwarten bei diesen Themen hochqualifizierte und spezialisierte Berater“, erklärt Norbert Grießhaber. Daher biete die Sparkasse viele Wege der persönlichen Beratung – sei es telefonisch, per Video-Chat, in einer der Filialen oder auch beim Kunden zuhause.

"Stück Infrastruktur geht verloren"

Karl-Heinz Burgey, Bürgermeister von Walzbachtal, wurde von Grießhaber persönlich informiert. Er bedauert die Schließung der Filiale, findet es aber nachvollziehbar, dass die Sparkasse Kraichgau bei der aktuellen Zins- und Wirtschaftssituation Maßnahmen ergreifen muss. „Aus Sicht der Gemeinde ist es sehr positiv, dass eine SB-Filiale eingerichtet wird.“Manfred Hartmann, Ortsvorsteher von Gölshausen, wurde von Oberbürgermeister Martin Wolff, der stellvertretender Verwaltungsrat der Sparkasse Kraichgau ist, über die Schließung in Kenntnis gesetzt. Er sei enttäuscht, dass wieder ein Stück Infrastruktur im Ort verloren geht. „Das war zwar zu erwarten bei der niedrigen Frequenz in den kleinen Filialen, aber es wird doch was fehlen. In meinen Augen setzt sich die Ausblutung von Ortschaften dadurch fort.“

"Menschen organisieren sich anders"

Weniger skeptisch steht der Kraichtaler Bürgermeister Ulrich Hintermayer, ebenfalls Mitglied im Sparkassen-Verwaltungsrat, den Änderungen gegenüber. Im Zuge der Digitalisierung und im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit sei dieser Schritt nötig. „Ich beobachte auch, dass die Menschen sich anders organisieren. Als vor einigen Jahren die Filiale in Bahnbrücken geschlossen wurde, hielten sich die Klagen in Grenzen. Und auch das CAP-Mobil der Lebenshilfe, das für die Nahversorgung in Bahnbrücken und Oberacker Station macht und nicht teurer als ein Supermarkt ist, sieht sich rückläufiger Nachfrage gegenüber.“

Geld-Bring-Service in Planung

Grießhaber versichert, dass für die Sparkasse Kraichgau weiterhin der bestmögliche Kundenservice zentral sei. So biete das Unternehmen regelmäßig auch Beratungsabende zu den digitalen Möglichkeiten und wird einen Bargeld-Bring-Service für mobil eingeschränkte Menschen anbieten.
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