Stadtmarketing bewegt etwas: Projektleiterin Nathalie Dörl-Heby erntet im Gemeinderat für ihren ersten Jahresbericht Lob und Kritik

Öfters eine volle Innenstadt: Das ist eine von mehreren Erwartungen, die Brettener Einzelhändler und Gastronomen mit der seit knapp einem Jahr existierenden Stelle für Stadtmarketing verbinden. (Foto: wh)
 
Nathalie Dörl-Heby, Projektleiterin Stadtmarketing im Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften Bretten. Foto: ch
Bretten: Rathaus Bretten |

Was hat Stadtmarketing-Projektleiterin Nathalie Dörl-Heby in ihrem ersten Jahr für Bretten erreicht? Darüber und über ihre für 2019 geplanten Vorhaben hat sie am Dienstagabend dem Gemeinderat Bericht erstattet.

BRETTEN (ch) Das Erscheinungsbild der Innenstadt verbessern, Brettens Image als Einkaufsstadt aufpolieren, Leerstände managen, Anwalt der Einzelhändler in der Stadtverwaltung sein, das Wir-Gefühl stärken, den Informationsaustausch fördern und manches mehr - die Erwartungen an die neue Fachkraft für Stadtmarketing waren anspruchsvoll. Was hat Projektleiterin Nathalie Dörl-Heby, die Anfang November genau ein Jahr im Amt sein wird, bislang erreicht? Darüber und über ihre Vorhaben für 2019 hat sie am Dienstagabend dem Gemeinderat Bericht erstattet.

Breites Spektrum an Maßnahmen

Das Spektrum der ergriffenen Maßnahmen reicht von Doppelseiten über „Einkaufen im Herzen der Innenstadt“ in der Brettener Woche anlässlich Weihnachtsmarkt und Brettener Frühling und einer Ergänzung der städtischen Homepage um eine Seite „Einkaufen und Erleben“ über Aktionen anlässlich Ostern, Muttertag und Sommereinkaufsnacht bis hin zur Belebung der Innenstadt durch Oldtimer-Treffen sowie der Entwicklung neuer Logos für die Einkaufsstadt Bretten und den Brettener Wochenmarkt. Im Schnelldurchlauf berichtete Dörl-Heby unter anderem von „über 700 Schokoherzen“, die vor Ostern „in drei Stunden“ in der Innenstadt verteilt wurden. Sie erzählte von roten Mini-Luftballons in Herzform, an denen die beschenkten Mütter noch heute ihre Freude haben. Aber auch von zwei Workshops, die schließlich in eine Neugestaltung der Sommereinkaufsnacht mit rotem Teppich-Laufsteg mündeten. Darauf konnten 21 Einzelhändler sich und ihre Angebote präsentieren. Dörl-Hebys knappes Fazit: „Der Grundgedanke ist gut, an Details müssen wir noch feilen.“

Blau schlägt das Herz der Einkaufsstadt

Die vereinzelt auf dem Pflaster der Fußgängerzone noch erkennbaren, handtellergroßen Aufkleber mit blauem Herz auf grünem Grund sollen helfen, die Vorteile von "Einkaufen im Herz von Bretten" im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu verankern. „Blau steht für Zuverlässigkeit, grün für Stabilität“, erläuterte die Stadtmarketing-Beauftragte. Blau waren auch die von ihr verteilten Luftballons mit Einkaufs-Logo, die eine Woche lang in Schaufenstern und Geschäftseingängen auf die von der Brettener Woche herausgegebene Beilage „Daheim kauf ich ein – Den lokalen Handel stärken“ aufmerksam machten. Dazu hatte Dörl-Heby einen eigenen Beitrag verfasst.

Schwieriges Leerstands-Management

Eher schwierig gestalteten sich ihre Bemühungen, Leerständen neues Leben einzuhauchen. Obwohl sie alle Eigentümer leerstehender Geschäfte angeschrieben, ihnen Hilfe angeboten, sie über mögliche Zwischennutzungen informiert, auf Fördermittel hingewiesen und ihnen „hinterher telefoniert“ hatte, reagierten nur drei. Davon konnte sie einen Eigentümer unterstützen und einen anderen mit einem Interessenten zusammenbringen. Auch ein Treffen der Einzelhändler und Gastronomen im Ratssaal gab es. Inzwischen laufe der Austausch zwischen den Akteuren „sehr gut“, stellte die Projektleiterin fest. Mit der Vereinigung Brettener Unternehmen (VBU) sei sie „ständig im Dialog“, und die Gewerbetreibenden und Gastronomen kämen auf sie zu.

Anregungen von außen

Von März bis Juni fand ein Studienprojekt in Kooperation mit der Hochschule Nürtingen statt. Dabei sammelten die Studenten Ideen für ein verbessertes Erscheinungsbild der Innenstadt und stellten sie den Brettener Auftraggebern vor. „Alle waren begeistert von den Vorschlägen“, erinnerte sich Dörl-Heby. Auch die Themen Soziale Medien und Digitalisierung wurden in einem Workshop aufgegriffen. Nur zu dem geplanten Newsletter sei sie noch nicht gekommen und verschicke vorerst weiter Info-Mails, gestand Dörl-Heby. Sie sei aber zuversichtlich, das noch hinzukriegen.

Ausblick auf 2019

Die Vorbereitungen für das Lichterfest laufen bereits, mehr wollte die Stadtmarketing-Beauftragte dazu noch nicht verraten. 2019 sind neben einem weiteren Treffen mit Einzelhändlern und Gastronomen auch erstmals ein Unternehmerfrühstück sowie gemeinsame Projekte mit der Projektleiterin für Tourismus, Daniela Kerres geplant, darunter eine Web-Seite „Bretten erleben“ mit Einkaufsführer.

Kritik an fehlender Einbindung der Stadtteile

In der anschließenden Aussprache zeigte sich Aaron Treut (CDU) enttäuscht, dass in der Präsentation kein einziger Stadtteil vorkomme. Da müsse man noch „tiefer reingehen“. Der Schwerpunkt habe auf dem Innenstadthandel gelegen, verteidigte OB Martin Wolff seine Mitarbeiterin. Für die Stadtteile müsse man sich etwas Neues einfallen lassen. Bernd Diernberger (FWV) äußerte sich anerkennend, was für die Kernstadt alles getan wird. Anders als oft behauptet, habe man nun „gesehen, dass sich in Bretten was bewegt“, freute sich Renate Knauss (SPD).

Außenwirkung noch verbesserbar

Ariane Maaß (die aktiven) und Karin Gillardon (FDP/Bürgerliste) hingegen fanden, dass sich zwar einiges getan habe, die Außenwirkung aber noch optimierbar sei. Ute Kratzmeier (Die Grünen) regte ein systematischeres Vorgehen und den Versand der Info-Mails auch an die Stadträte an. Kritik an der seiner Meinung nach drittrangigen Behandlung des Unternehmerfrühstücks veranlasste Hermann Fülberth (Die Linke) zu der Mahnung: „Wir brauchen Gespräche mit großen Unternehmen.“
Der Erwiderung des OB, das Thema Unternehmer sei nicht Sache des Stadtmarketing, sondern der Wirtschaftsförderung, widersprach Otto Mansdörfer (Grüne). Beides gehöre zusammen: „Unternehmer sind Botschafter für Bretten, die weiträumig agieren, die sollten wir einbinden.“ Ein scheinbarer Widerspruch, den Kulturamtsleiter Bernhard Feineisen mit dem Hinweis auflöste, die Projektleiterin für Stadtmarketing und ihre für Tourismus zuständige Kollegin arbeiteten eng zusammen.
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