Volksbank Bruchsal-Bretten schließt neun Filialen: "Reaktion auf digitalen Wandel"

Der Vorstand der Volksbank Bruchsal-Bretten eG bei der Bekanntgabe des neuen Filialkonzepts: Vorstandsvorsitzender Roland Schäfer (Dritter von links), Gerhard Rübenacker (Zweiter von links), Volker Gaa (rechts) und Nicht-Vorstandsmitglied Dimitrios Meletoudis, Leiter des Privatkundengeschäfts (links). Foto: ch
 
Das Verwaltungsgebäude der Volksbank Bruchsal-Bretten in Bretten: Auch dort soll der SB-Bereich mit dem neuen interaktiven Video-Service ausgestattet werden. Foto: ch
Bretten: Volksbank Bruchsal-Bretten eG |

Mit der Schließung von neun ihrer bislang 35 Filialen und gleichzeitigem Ausbau des digitalen Service-Angebots reagiert die Volksbank Bruchsal-Bretten nach eigenem Bekunden auf das geänderte Verhalten ihrer Mitglieder und Kunden.

BRETTEN (ch) Mit der Schließung von neun ihrer bislang 35 Filialen und gleichzeitigem Ausbau des digitalen Service-Angebots reagiert die Volksbank Bruchsal-Bretten auf das geänderte Verhalten ihrer Mitglieder und Kunden. Das hat der Vorstand der Bank unter seinem Vorsitzenden Roland Schäfer heute in Bretten bekannt gegeben.

Dramatischer Rückgang bei Filialnutzung

„Die Nutzung unserer 35 Filialstandorte geht in Summe dramatisch zurück“, begründete Schäfer die zum 1. April 2019 beschlossenen Schließungen der Filialen Helmsheim, Diedelsheim, Bauerbach, Gochsheim, Oberöwisheim, Landshausen, Diefenbach, Gündelbach und Zaisersweiher. Nur die Geldautomaten bleiben an den genannten Standorten vorerst erhalten. Ihre Mitglieder und Kunden sowie die Bürgermeister und Ortsvorsteher der betroffenen Orte hat die Bank laut Schäfer bereits letzten Freitag informiert. Die Reaktionen seien wenig erfreut, aber teilweise auch verständnisvoll ausgefallen, meinte der Vorstandschef. Auf Nachfrage sagte zum Beispiel der Kraichtaler Bürgermeister Ulrich Hintermayer: „Ich habe es zunächst bedauert, aber auch Verständnis. Denn der Vorstand ist gehalten, wirtschaftlich zu handeln.“ Als positiv wertete der Rathauschef, dass neben der Erhaltung der Geldautomaten die Standorte Münzesheim und Menzingen technisch aufgewertet würden.

Schrittweise digitale Modernisierung

Zwar sind die Filialen nach Aussage von Roland Schäfer weiter der Hauptzugangsweg zu den Dienstleistungen der Volksbank. Aber immer häufiger würden auch andere Kanäle genutzt. Daher rüstet das Geldinstitut 2019 fünf Filialen, nämlich in Kürnbach, Langenbrücken, Menzingen und Obergrombach sowie den SB-Bereich in der Hauptverwaltung in Bretten, mit dem neuen VR-Service-Interaktiv-System (VR-SISy) aus. Dieses ermöglicht es Mitgliedern und Kunden, ihre alltäglichen Bankgeschäfte montags bis freitags durchgängig von 8 bis 19 Uhr zu erledigen. In der Praxis bedeutet das, dass sich ein Bankmitarbeiter vom zentralen Volksbank-Service-Center in Oberderdingen auf Anforderung per Monitor in die entsprechende Filiale schaltet und mit dem Mitglied oder Kunden seine Anliegen durchspricht und Aufträge ausführt. In Zukunft soll daher die Mitarbeiterzahl im Service-Center steigen.

Vorreiterrolle für Filiale Münzesheim

Unter dem Strich bleiben 26 Filialen weiter als persönlicher Zugangsweg, teilweise mit neuen Öffnungszeiten, bestehen. Auch sie sollen nach und nach modernisiert werden. Dabei könnte dem Standort Münzesheim künftig eine Vorreiterrolle zukommen. Dort werde die Bank kräftig in ein neues Format investieren und dieses dann auf andere Filialen übertragen, kündigte Schäfer an. Auf Nachfrage schätzten Vorstandsmitglieder die geplante Investition auf rund eine Million Euro. Zu Details wollte sich Schäfer noch nicht äußern.,

Anpassung an Mitglieder- und Kundenbedürfnisse

Maßstab für das Handeln der Volksbank bleibe ihr Förderauftrag, sprich die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder, betonte der Vorstandsvorsitzende. Die Genossenschaft investiere dort, wo es Mitglieder und Kunden fordern. Laut Analyse der Bank steigt die Nutzung der digitalen und digitalpersönlichen Zugangswege wie die Telefonberatung über das KundenServiceCenter oder die Nutzung des Online-/Mobile-Bankings deutlich an. Während die Gruppe der Mitglieder und Kunden, die ausschließlich digitale Zugangswege nutzen, mittelfristig nicht über 20 Prozent hinaus wachsen werde und die Zahl der ausschließlich den persönlichen Kontakt Suchenden stetig sinke, wachse über alle Altersgruppen die Gruppe derjenigen, die sowohl persönliche als auch digitale Kanäle nutze, zitierte Schäfer eine hausinterne Studie. Aus diesem Grund habe sich die Genossenschaftsbank für eine sogenannte Omni-Kanal-Strategie entschieden, die persönliche, digital-persönliche und digitale Kanäle miteinander verbindet.

Maximal vier Kilometer zur nächsten Filiale

„Wir brauchen also moderne Filialen und moderne Filialformate. Das bedeutet, wir müssen unsere Öffnungszeiten sowie unser Service- und Dienstleistungsangebot so gestalten, dass sie den veränderten Anforderungen von Mitgliedern und Kunden gerecht werden“, so Schäfer. Nach seinen Worten erhöht die Volksbank mit der Gestaltung neuer Filialformate die Servicezeiten für ihre Mitglieder und Kunden um mehr als 100 Stunden in der Woche. Dabei konzentriert sie sich auf wichtige Knotenpunkte in ihrem Geschäftsgebiet. Filialen, wo die Nachfrage und eine gute Erreichbarkeit gegeben sind, werden zu VR-SISy-Standorten umgebaut. „Unsere Mitglieder und Kunden werden zukünftig nicht mehr als vier Kilometer zurücklegen müssen, um die nächstgelegene Filiale zu erreichen“, versprach Schäfer.

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