Runder Tisch „Integration und Vielfalt“ verbucht erste Erfolge

 

Für ein besseres Gelingen der Integrationsarbeit ist im Januar vergangenen Jahres der Runde Tisch „Integration und Vielfalt“ in Bretten ins Leben gerufen worden. Was sich seitdem getan hat, stellten die Arbeitsgruppen jetzt in einem zweiten Treffen im Großen Sitzungssaal im Rathaus vor.

Bretten (hk) Lediglich ein Prozent der in Bretten lebenden Bevölkerung hat einen Fluchthintergrund. Hinzu kommen Menschen mit einem Migrationshintergrund – das heißt, mindestens ein Elternteil hat nicht von Geburt an einen deutschen Pass. Diese Gruppe macht einen Anteil von 18,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus. Auch wenn es in Bretten „relativ ruhig“, so Oberbürgermeister Martin Wolff, in Bezug auf das Thema Flüchtlinge und Ausländer sei, kamen am vergangenen Mittwochabend engagierte Bürger und Hilfsvereine erneut zum Runden Tisch für „Integration und Vielfalt“ zusammen. Austausch und Begegnung standen im Vordergrund, aber auch die Fragen „Wie kommen wir vorwärts?, Wie kann man das Zusammenleben besser gestalten?“ und die Erkenntnis, dass aus „beiden Richtungen“ Anstrengungen kommen müssten. Vor diesem Hintergrund stellten die einzelnen Arbeitsgruppen mit dem Titel "Arbeitswelt", "Beratung", "Kinder und Jugendliche" sowie "Zusammenleben" vor, was sie seit dem letzten Treffen vor genau einem Jahr erarbeitet haben. Ein großer Teil der Ideen befindet sich dabei schon in den Startlöchern oder bereits in der Umsetzung.

„Ich habe gerade mal einen Schüler, der mich wirklich ernst nimmt“

Die Arbeitsgruppe „Arbeitsleben“ verwies auf die Problematik, dass viele Jugendliche mit einem Flucht- oder Migrationshintergrund den Drang zum „schnellen Geld“ hätten. Dies hänge vor allem mit dem Druck aus dem familiären Umkreis zusammen. Gleichzeitig würde der Wert und die Dauer einer Ausbildung von Flüchtlingen und Migranten unterschätzt. Dies konnte auch Michelle Nees vom Landratsamt Karlsruhe, die als Kümmererin Jugendliche bei der Auswahl des Berufs oder bei Bewerbungen unterstützt oder ihnen während einer Ausbildung begleitend zur Seite steht, bestätigen: „Ich habe gerade mal einen Schüler, der mich wirklich ernst nimmt.“ Dass die Undurchlässigkeit des Bildungssystems dabei eine Rolle spielen könnte, warf Bernhard Strauß, Integrationsbeauftragter der Stadt Bretten, in die Runde. Anhand unterschiedlich gewichteter Kriterien kam die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass das Erlernen der deutschen Sprache als Schlüssel zur Integration betrachtet werden könne. Deshalb will die Arbeitsgruppe eine vermittelnde Rolle zwischen „Interessenten“ und Anlaufstellen wie der Agentur für Arbeit, der Caritas oder der Diakonie einnehmen. Aber auch die Zusammenarbeit mit Vertretern von Unternehmen soll gestärkt werden.

„In Bretten sind alle wichtigen Beratungsangebote vorhanden“

Mit einer positiven Bestandsaufnahme startete Sonja Rastert vom Caritasverband Ettlingen und der Arbeitsgruppe „Beratung“ ihren Vortrag: „In Bretten sind alle wichtigen Beratungsangebote vorhanden.“ Das Problem dabei sei, dass diese Angebote gar nicht richtig wahrgenommen würden. Ziel sei deshalb, die Etablierung einer „Willkommensseite“ als Online-Plattform, auf der Informationen über Vereine oder kulturelle Angebote, zentral gebündelt werden sollen.

„Mama-Kurse“ in Gölshausen gesichert

Über erste Umsetzungserfolge berichtete die Arbeitsgruppe „Kinder und Jugendliche“. Für die Sprachförderung für Migrantenmütter mit Kleinkindern gab es laut Ulrike Stromberger, Vorsitzende des Vereins FAM, und Gerhard Junge-Lampart vom DAF – Internationaler Freundeskreis im vergangenen Jahr drei neue „Rucksack-Sprachkurse“. Im Hinblick auf das laufende Jahr sei die Fortsetzung der „Mama-Kurse“ in Gölshausen gesichert, Stromberger beklagte allerdings den Mangel an Referentinnen und Begleiterinnen, die dringend gesucht würden: „Der Fachkräftemangel stellt uns vor große Herausforderungen“. Für die durchgängige Sprachförderung von Kindergärten über Grundschulen bis zu den Sekundarschulen machte die Arbeitsgruppe konkrete Vorschläge: Den verstärkten Einsatz von Schulsozialarbeitern und aktives Zugehen auf beratungswillige Eltern. Kritik und Bedenken äußerte die Arbeitsgruppe zu den weiterhin bestehenden Defiziten bei Informationen über den Förderbedarf oder zu der Gefährdung der Förderstunden durch Stundenausfall. Von der Stadt und dem Gemeinderat wünsche man sich unter anderem die Bereitstellung von ausreichenden und geeigneten Räumlichkeiten für Förderarbeit.

Café International ist ein Selbstläufer geworden

„Integration als Interaktion begreifen“: Diesem Credo folgend will sich die Arbeitsgruppe „Zusammenleben“ weiterhin für die Stärkung des Zusammenlebens in Bretten, vor allem zwischen Einheimischen und Migranten, einsetzen. So hat die Arbeitsgruppe  vergangenes Jahr erste Erfolge verbuchen können. Das Café International habe sich laut Heidi Veith zum „Selbstläufer“ entwickelt. „In letzter Zeit haben wir vermehrt deutsche Besucher, das ist aber noch ausbaufähig“, sagte sie schmunzelnd. Auch das „Himmlische Fest“ sowie eine internationale Weihnachtsfeier habe einen großen Zulauf erlebt, wie Gunter Hauser, Bezirksbeauftragter für Flucht und Migration im Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal, erklärte. Im laufenden Jahr, so erhofft es sich die Arbeitsgruppe, soll eine Verstetigung der bestehenden Angebote erfolgen.

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