„Die ganze Region profitiert“: Interview mit Sparkassen-Chef Norbert Grießhaber

Norbert Grießhaber, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kraichgau (Foto: Sparkasse Kraichgau)
Bruchsal: Sparkasse Kraichgau |

Trotz vielfältiger Herausforderungen hat sich die Sparkasse Kraichgau mit der Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 „zufrieden“ geäußert.

BRUCHSAL (ch) Trotz vielfältiger Herausforderungen hat sich die Sparkasse Kraichgau mit der Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 „zufrieden“ geäußert. Wir haben den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Kraichgau, Norbert Grießhaber, nach den Gründen gefragt.

Herr Grießhaber, welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Faktoren für die positive Geschäftsentwicklung?

Norbert Grießhaber: Zunächst einmal haben wir wie auch schon in den Vorjahren das Vertrauen der Menschen in der Region genießen dürfen. Denn Geldgeschäfte sind Vertrauenssache. Und das Vertrauen haben unsere Kunden in die kompetenten und motivierten Mitarbeiter der Sparkasse Kraichgau im hohen Maße. Gut ausgebildete Mitarbeiter sind eine wichtige Voraussetzung, um eine faire und umfassende Beratungsleistung anbieten zu können. Dass unsere hervorragende Beratungsqualität auch jüngst wieder von unabhängigen Testern bestätigt wurde, freut uns alle außerordentlich. Ein weiterer wesentlicher Faktor war die Tatsache, dass wir momentan aufgrund der allgemeinen guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine nennenswerte Vorsorge für Ausfallrisiken zu treffen hatten.
Ein starkes Kundengeschäft bei den Einlagen, ein gesteigertes Kundenkreditvolumen sowie eine erfreuliche Dynamik im Wertpapiergeschäft sind maßgeblich für das gute Wachstum der Sparkasse Kraichgau verantwortlich. Die Kundeneinlagen stiegen um 4,5 Prozent. Das Kundenkreditvolumen wuchs um 3,9 Prozent, die Darlehenszusagen an Unternehmen und Selbstständige konnten wir sogar um 10,9 Prozent steigern. Den größten Zuwachs verzeichneten wir im Wertpapiergeschäft mit einem Zuwachs von 17,8 Prozent.

Die Bankenkrise scheint noch immer nicht vollständig überwunden. Wo sehen Sie im laufenden Jahr Risiken?

Es ist richtig, dass das Ausmaß der notleidenden Kredite in manch europäischer Bankbilanz noch viel zu hoch ist. Zwar gibt es durchaus Fortschritte zu verzeichnen, aber der aktuelle Status kann nicht befriedigen. In Deutschland sehe ich derzeit kein erhöhtes Risiko bei den Banken selbst. Das Risiko besteht vielmehr gegenwärtig darin, dass die gesunden, risikoarmen Banken aufgrund zu starker Regulatorik immense Ressourcen fehlleiten. Das kostet unsere Organisation Millionen pro Jahr und hemmt das Wachstum. Durch die von der EU-Kommission geforderte Vergemeinschaftung der Einlagensicherung könnten allerdings wieder Fehlanreize auf europäischer Ebene ausgelöst werden, die zu einer verantwortungslosen Geschäftspolitik verleiten könnten.
Nach einem Jahrzehnt Finanzmarktkrise erlebt die Regulierung derzeit einen Höhepunkt. Deren Umsetzungsanforderungen sind nicht nur zu einer enormen Belastung gerade für regionale Kreditinstitute geworden, sondern stoßen auch bei unseren Kunden zunehmend auf Unverständnis

Was meint die Sparkasse Kraichgau eigentlich mit dem Begriff „Bürgerdividende“?

Wir übernehmen eine aktive Rolle bei der Vorsorge der Menschen, leisten einen hohen Beitrag für unsere mittelständischen Unternehmen und sind ein wichtiger Steuerzahler in der Region. Wir engagieren uns für das gesellschaftliche Miteinander vor Ort und unterstützen Vereine und gemeinnützige Projekte in unserem Geschäftsgebiet. Zusammen mit der Sparkasse Kraichgau-Stiftung haben wir 650.000 Euro in den Bereichen Bildung und Wirtschaft, Umwelt und Soziales, Kunst, Kultur und Sport im Jahr 2017 vergeben. So partizipiert die gesamte Region am wirtschaftlichen Erfolg der Sparkasse.

Die Digitalisierung schreitet auch im Bankenwesen unaufhaltsam voran. Auf welche drei wichtigsten digitalen Innovationen können sich die Kunden der Sparkasse Kraichgau 2018 freuen?

Chat mit seinem Berater, Legitimation per Video, Call-back-Funktion im Online-Banking – das werden unsere nächsten neuen Web-Möglichkeiten im digitalen Zeitalter sein. Auch weitere Produkte können künftig online abgeschlossen werden: bequem und sicher von Zuhause, rund um die Uhr. Außerdem kann bald die Girocard virtuell auf das Handy übertragen werden, so dass der Kunde entscheidet, ob er beim mobilen Bezahlen die Sparkassen-Card oder das Handy benutzt. Ein noch größerer Fortschritt steht Mitte des Jahres an: Das Überweisen in Echtzeit, Instant Payment: Innerhalb von 20 Sekunden ist der Geldbetrag beim Empfänger – europaweit.
Die Fragen stellte Chris Heinemann
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