Grünflächen-Bepflanzung in Walzbachtal zeigt Wirkung

 

Gemeinde Walzbachtal schafft mit der Umgestaltung kommunaler Grünflächen natürliche Habitate für Wildbienen. Zur Überraschung aller Beteiligten wurde bei einem Wildbienen-Monitoring die bedrohte Schöterich-Mauerbiene entdeckt.

Walzbachtal (hk) Frei nach dem Credo, „ein steter Tropfen höhlt den Stein“, bemüht sich die Gemeinde Walzbachtal seit 2010 um die (Um)Gestaltung ihrer kommunalen Grünflächen. Ziel sei es, natürliche Habitate für Insekten, insbesondere für Wildbienen, zu schaffen und zu erhalten. „Die Bestätigung, dass wir mit diesem Thema richtig liegen, aber noch mehr machen müssen, war eine Berichterstattung vom November letzten Jahres“, erläutert Bauhofleiter Bernd Scholer und beruft sich auf einen „alarmierenden Aufruf“ der Uni Hohenheim: In zehn Jahren, so die Wissenschaftler, seien Wildbienen bereits ausgestorben. Deshalb habe man im Frühjahr 2017 beschlossen, offensiver, aber immer noch mit „Sachverstand und Leidenschaft“ an die Thematik heranzutreten.

Einjährige Blühmischungen haben kein Nährwert für Wildbienen

„Wir können die Welt nicht retten, wir müssen aber unserer eigenen Verantwortung nachkommen“, unterstreicht der Walzbachtaler Bürgermeister Karl-Heinz Burgey die Bestrebungen der Gemeinde. „Was können wir auf unserer gemeindeeigenen Fläche tun? Was können wir gegenüber oder mithilfe der Landwirtschaft tun? Und was kann jeder Einzelne tun?“ – in diesem Diskussionsrahmen, so Burgey, bewegen sich die einzelnen Maßnahmen. Als die Idee vor sieben Jahren zu reifen begann, habe man mit einjährigen Blühmischungen kommunale Grünflächen eigentlich nur optisch aufwerten wollen. Diese hätten zwar gut ausgesehen, erklärt Scholer, hätten aber keinen Nährwert für Wildbienen gehabt. Nach einem Vortrag im Frühjahr vom Artenschutzreferenten des NABU, Martin Klatt, habe Scholer gelernt, dass man noch mehr für die Natur tun könne. „Das hat mir zu denken gegeben“, erinnert er sich.

„Kraichgautypische“ Blühfläche am Ortseingang

Zwischenzeitlich haben sich beim Rathaus, wurden statt der üblichen Bodendecker, Stauden und in der Nähe vom Baubetriebshof im Gewann „Mönchsbrunnen“, Blumenwiesen aus einheimischem und zertifiziertem Saatgut angepflanzt. Am Ortseingang lässt sich nun eine kraichgautypische Streuobstwiese bestaunen. Darüber hinaus habe man für jede angelegte Blühfläche einen eigenen Pflanzplan entwickelt und eine Beschilderung erarbeitet. Für die anfängliche Kritik aus der Einwohnerschaft wegen verblühter Flächen, die man nicht abmähen konnte, zeigt Bürgermeister Burgey großes Verständnis, bittet aber gleichzeitig um Nachsicht. Denn man müsse die Pflanzen eine Weile stehen lassen, damit die Samen reifen könnten – dann können sie im nächsten Jahr wieder kommen.

Bestandserhebung von Wildbienen

Inzwischen sei der Parkplatz vom Bauhof „sehr toll“ mit Wildbienenarten besiedelt, verrät Scholer lächelnd. Wissenschaftlich bestätigen kann das auch Mare Haider, Biologin am Institut für Landschaftsökologie Bühl. Im Auftrag der Gemeinde hat sie eine Bestandserhebung von Wildbienen auf zwei Probeflächen – auf dem Bauhof und beim Mönchsbrunnen – durchgeführt. Über das Ergebnis zeigte sich Scholer sehr erfreut: Haider konnte eine außergewöhnlich hohe Besatzdichte an Wildbienen feststellen. Für Überraschungen sorgte unter anderem die Schöterich-Mauerbiene, die Haider entdeckt hat: Diese Biene ist in der Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet geführt.

„Wir müssen aktiv dran bleiben und das langfristig.“

Man wolle sich nicht ausruhen, sondern weitermachen, resümiert Scholer und vom erfolgreichen Wildbienen-Monitoring weitere Maßnahmen ableiten, die speziell auf gefährdete Arten abzielen. Die bisher durchgeführten Bestrebungen seien keinesfalls Selbstläufer, betont er. „Wir müssen aktiv dran bleiben und das langfristig.“ Auch Bürgermeister Burgey bestätigt dies: „Man muss der Natur Zeit geben.“ Nun hoffe man, als Vorbild für die Bürger dienen zu können. Denn selbst ein einzelner Bürger könne vieles bewirken: Eine artenreiche Gartenwiese, die Schaffung von Nistplätzen sowie mehrjährige Blütenmischungen, die eine durchgehende Blütenvielfalt bieten, tun nicht nur der Wildbiene gut. „Wir gehen davon aus, das was den Wildbienen nützt, schadet anderen Tieren nicht“, erklärt Burgey.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.