Das Alte Rathaus: Jahrhunderte lang das Zentrum der Stadt

Das Alte Rathaus von Osten gesehen um 1885: Laut Stadtarchiv handelt es sich um eine der ältesten Aufnahmen von altem Rathaus und Marktplatz in Bretten. (Foto: Stadtarchiv Bretten)
Bretten: Altes Rathaus |

Folge 7 unserer Reihe zum Jubiläumsjahr über Schauplätze der Stadtgeschichte

Anlässlich des Stadtjubiläums „1250 Jahre Bretten“ veröffentlicht die Brettener Woche jeden Monat einen Beitrag von Dr. Peter Bahn. In der Serie beleuchtet der Leiter des Stadtmuseums im Schweizer Hof ausgewählte Schauplätze, die mit bedeutenden Kapiteln der Brettener Stadtgeschichte verbunden sind. Lesen Sie heute den siebten Beitrag von Dr. Bahn über das Alte Rathaus.

Das heute als „Altes Rathaus“ - im Gegensatz zum „Neuen Rathaus“ im Süden der Altstadt - bezeichnete Gebäude am Marktplatz wurde in seinem größeren östlichen Teil 1787 und damit noch in der kurpfälzischen Zeit Brettens errichtet. 1888 erfolgte ein Anbau im Westen, fast unmittelbar neben dem benachbarten Melanchthonhaus. An der Frontseite des Gebäudes weisen verschiedene Wappendarstellungen und dazugehörige Jahreszahlen auf den mehrfachen Wechsel der Landeszugehörigkeit Brettens hin. Hierzu gehören auch die Wappen der Pfalzgrafschaft bei Rhein und der später aus ihr hervorgegangenen Kurpfalz. Rechts von diesen historischen Wappen sind die Wappen der heutigen Brettener Partnerstädte zu sehen.

Im Vorgängerbau residierten Melanchthons Großvater und Bruder

Das „alte Rathaus“ steht an der Stelle des spätmittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Brettener Rathauses, das um 1435 als Domizil für die Einrichtungen der städtischen Selbstverwaltung erbaut worden war. Es wurde in zeitgenössischen Darstellungen als außerordentlich prachtvolles Gebäude mit Verzierungen der Fenster „nach der Glas-Ätzer-Kunst“ beschrieben. In diesem Gebäude tagten während der kurpfälzischen Zeit der Rat und das Stadtgericht. Das Gebäude war zudem Sitz des städtischen Schultheißen, der zugleich auch Stellvertreter des kurpfälzischen Vogtes für das gesamte Oberamt Bretten war. Ein erster Schultheiß wurde in Bretten bereits 1267 und damit sogar schon vor dem Beginn der Zugehörigkeit zur Kurpfalz erwähnt. Zu den Persönlichkeiten, die in Wahrnehmung wichtiger öffentlicher Ämter im damaligen Brettener Rathaus residierten, gehörten nicht zuletzt auch Melanchthons Großvater, der reiche Brettener Kaufmann Johann Reuter, und später Georg Schwartzerdt, der jüngere Bruder Melanchthons, in ihren zeitweiligen Funktionen als Schultheiße von Bretten.

Sandsteinquader erinnert an früher

Doch diente das ursprüngliche Rathaus nicht allein der städtischen Selbstverwaltung, sondern auch dem Nutzen Brettens als Marktstadt. Im Erdgeschoss waren an den Tagen des Wochenmarktes die Verkaufsbänke der Metzger und der Bäcker untergebracht. Im August 1689 fiel das Gebäude dem Stadtbrand zum Opfer, mit ihm verbrannten nicht zuletzt alle Archivunterlagen aus der Zeit davor. Ein letzter Überrest dieses spätmittelalterlichen Rathauses, ein Sandsteinquader aus seiner Gründungszeit mit einer Inschrift, ist allerdings noch bis heute zu sehen. Er befindet sich oberhalb des kleinen Treppenabgangs zwischen dem heutigen Alten Rathaus und dem Melanchthonhaus.

Ort für Genuss, Kultur und Hochzeiten

Zwischen zwei Fenstern des Erdgeschosses befindet sich eine Marmortafel aus dem Jahre 1903, die auf die weitere stadtgeschichtliche Entwicklung verweist. Sie erinnert an die damals 100-jährige Zugehörigkeit Brettens zu Baden und damit an das Ende der mehr als viereinhalb Jahrhunderte prägenden kurpfälzischen Zeit. Noch bis zur Fertigstellung des Neuen Rathauses in der Unteren Kirchgasse diente das Alte Rathaus am Marktplatz als Sitz der Brettener Verwaltung, heute beherbergt es neben einem Gastronomiebetrieb auch Räume für kulturelle Veranstaltungen und das Trauzimmer der Stadt Bretten für stimmungsvolle Hochzeiten.
Dr. Peter Bahn

Alles zum großen Jubiläum 1250 Jahre Bretten finden Sie auch auf der Themenseite
1250 Jahre Bretten.
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