Bernhard Brenner: Leiter Polizeirevier Bretten: „Physisch und mental eine belastende Arbeit”

Bernhard Brenner leitet das Polizeirevier in Bretten. (Foto: tp)

Bernhard Brenner, Leiter des Polizeireviers Bretten, spricht im Interview mit der Brettener Woche über die Belastung der Beamten und das Stadtjubiläum in Bretten.

Als Revierleiter könnte man vermuten, Ihr polizeiliches Leben spielt sich hauptsächlich hinter dem Schreibtisch ab. Ist dem so?

Natürlich hat ein Revierleiter auch viel am Schreibtisch zu erledigen. Allerdings bin ich bei den größeren Einsätzen auch immer mit den Kollegen vor Ort. Das ist für mich eine Sache des richtigen Dienstverständnisses. Auf diese Weise kann ich den Beamten und Beamtinnen meines Reviers auch vor Ort den Rücken frei halten, wenn es um organisatorische Sachen geht, die mit solchen Einsätzen einhergehen. Außerdem bin ich nicht selten dabei, wenn Hinterbliebene über den Verlust von Angehörigen, zum Beispiel nach einem Unfall, unterrichtet werden müssen. Das ist sicher eine der schwersten Aufgaben, aber das gehört zu meiner Verantwortung dazu.

Der Ton gegenüber der Polizei ist, glaubt man vielen Beamten, rauer geworden. Auch tätliche Angriffe gegenüber Polizisten haben sich gemehrt. Wie beobachten Sie die Situation?

Das ist etwas, was auch ich in unserem Alltag beobachte. Es ist dabei nicht so, dass wir von den Leuten erwarten, dass Sie jede kleinste Anweisung sofort bedingungslos und ohne Kommentar befolgen. In einer Demokratie hat immer noch jeder das Recht, seine Meinung zu äußern. Aber es gibt ein gesteigertes Misstrauen gegenüber der Polizei, das sich auch darin äußert, dass von manchen Leuten jede kleinste unserer Handlungen hinterfragt wird. Und leider schlägt dieses Misstrauen dann auch immer öfter in Gewalt gegen Polizisten um. Diese Aggressivität bekommen wir auch in Bretten zu spüren. Zum Beispiel wurden unsere Beamte erst kürzlich bei einer Verkehrskontrolle auf der Heilbronner Straße von einem 22-jährigen Autofahrer und seiner 17-jährigen Begleiterin massiv beleidigt, eine Kolleginnen wurde von hinten getreten.

Wie gehen die Beamten und Beamtinnen, die täglich auf Streife sind, mit solchen Belastungen um?

Das ist natürlich nicht immer leicht. Denn man muss sich auch einmal vor Augen halten, dass der Polizeiberuf physisch aber auch mental allein schon eine sehr belastende Arbeit ist. Die Kollegen auf Streife wissen vor Dienstbeginn nie, was auf sie zukommt. Das kann zum Beispiel nur ein kleiner Auffahrunfall sein. Genauso kann aber auch ein schrecklicher Unfall mit Schwerverletzten und Toten passieren. Bei Festnahmen muss man auch stets eine mögliche Gewaltbereitschaft des Täters in Betracht ziehen. Diese Belastungen hält man auf Dauer nur mit einem guten Gesundheitsmanagement durch. Deswegen bin ich sehr hinterher, dass die Streifenbeamten auf meinem Revier darauf achten, dass sie sich gesund ernähren und auch sonst fit bleiben. Gerade die Fitness ist wichtig, denn wir müssen raus, egal, ob bei 40 Grad im Schatten oder bei minus zehn Grad und Schnee.

Sie sind in Bretten für ein großes Revier, bestehend auch aus den Polizeiposten in Walzbachtal, Oberderdingen und Sulzfeld, verantwortlich. Wo liegt im Moment der Arbeitsschwerpunkt in Ihrem Revier?

Im Moment ganz klar bei der Einbruchsbekämpfung. Da sind zum einen die Wohnungseinbrüche, welche die Menschen ganz direkt treffen, da die Täter dort in ihre Intimsphäre eindringen und die meist für große Beunruhigung sorgen. Vor allem für Frauen ist das oft eine schwere psychische Belastung, die manchmal sogar zu einem Umzug führen kann. Uns beschäftigt aber auch eine ähnliche Zahl an Einbrüchen in gewerbliche Gebäude oder Einrichtungen wie Kindergärten. Gerade in Kindergärten wissen die Täter zwar, dass sie nicht viel mehr als die Kaffeekasse und vielleicht einen Laptop finden werden. Aber das nehmen diese Menschen in Kauf, da die Einrichtungen zumeist wenig gesichert sind und die Gefahr geschnappt zu werden, somit auch relativ gering ist. Dennoch darf man über den Schwerpunkt Einbruch zum Beispiel nicht den Bereich Verkehrssicherheit vernachlässigen, der ebenfalls einen ganz wichtigen Punkt in unserer Arbeit darstellt.

In Bretten steht mit dem Jahr 2017 auch das große Stadtjubiläum an. Wie gehen Sie mit Ihren Kollegen die Sicherheitsplanungen für die vielen Veranstaltungen an?

Sehr positiv. Ich freue mich auf dieses Jubiläumsjahr, weil es einfach den Stellenwert der Stadt noch einmal hebt. Und daran beteiligen wir uns sehr gerne. Unter anderem natürlich auch, indem wir mit unseren Streifen Präsenz auf den verschiedenen Veranstaltungen und Festen zeigen. Das kommt im Übrigen grundsätzlich sehr gut an. Die positivsten Zuschriften und Anrufe bekommen wir tatsächlich immer dann, wenn wir auf einem Fest Präsenz durch Streife gezeigt haben.

Die Fragen stellte Brettener Woche/kraichgau.news-Redaktionsleiter Christian Schweizer
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