Erlebe Bretten

Klimawandel bedingt Sortenanbau
Viele Fragen beim Sommerschnittkurs des OGV in Neibsheim

„Für den Baum ist es besser, wenn man ihn zweimal im Jahr schneidet“, sagt Hermann Meschenmoser vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg. Zu seinem Sommerschnittkurs sind 36 Teilnehmer auf das Anwesen von Günter Herb in Neibsheim gekommen, um dem Experten bei der weiteren Pflege der bereits im Winter geschnittenen Beerensträucher und Obstbäume im Hausgarten über die Schulter zu schauen.

„Der Sommerschnitt ist dafür da das einjährige Holz herauszuschneiden und dem Baum somit mehr Licht zu geben“, sagt Meschenmoser. Dabei sollte man stärkere Triebe herausschneiden und kleinere ruhig bis zum Winter stehen lassen. Wenn man bemerke, dass ein Baum stark von der Rost-Krankheit befallen sei – wie in diesem Garten - sollte man sich überlegen, ihn herauszureißen oder zu veredeln. Das Problem sei der Klimawandel und die ständig steigenden Temperaturen. So werden einige Apfelsorten in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der Wärme nicht mehr so gut zu kultivieren sein.

„Die Sauerkirsche kann man schon nach der Ernte fertig schneiden“, sagt Meschenmoser, während er den Kirschbaum stark zurückschneidet. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass durch den Monilia-Pilz befallene Stellen, sowie kahle Stellen weggeschnitten werden, erklärt er. Diese entstehen, da die Sauerkirsche sowie der Pfirsich lediglich am einjährigen Holz Früchte tragen. „Auch von einem radikalen Schnitt kann sich ein Baum erholen“, antwortete der Experte auf Anfrage aus dem Publikum. Einen 15 Meter hohen Baum könne man auf fünf Meter herunterschneiden, er werde sich spätestens nach dem dritten Jahr wieder beruhigen und man könne ihn auf der gewünschten Höhe von acht Metern eingrenzen, so Meschenmoser.

Wer einen Baum düngen will, sollte dies übrigens nicht am Stamm tun, da dieser seine Nährstoffe an der Kronenkante aufnimmt, da hier das meiste Regenwasser von den Blättern heruntertropft, erklärt der Experte.

Im Beerengarten schneide man die vorhandenen Stämmchen wie einen Baum, erklärte Meschenmoser. Die Johannisbeere trage am besten am einjährigen Holz, daher sei es gut einen kurzen Astzapfen stehen zu lassen, damit sich hier wieder neue, junge Äste bilden könnten. Ein kräftiger Schnitt hingegen fördere das Wachstum. Bei einem Strauch sei es wichtig altes Holz wegzuschneiden, sowie Äste mit Flechten und Moosen. „Auch wenn nichts mehr da ist, der Strauch kommt wieder“, sagt Meschenmoser. Wichtig sei ebenfalls einen kurzen Zapfen stehen zu lassen, da die Schnittstelle eintrockne. Die Johannisbeerblattlaus sei hingegen lediglich eine optische Sache und könne ignoriert werden.

„Stachelbeeren tragen an einjährigen Trieben, daher sollte man sie auf den frischen Trieb von diesem Jahr schneiden“, sagt Meschenmoser. Die Äste, die herunterhängen oder abgetragen sind, werden ebenfalls ein Opfer der Rebschere. „An der Holzfarbe sieht man was man stehen lassen kann“, erläutert Meschenmoser. Das gilt ebenfalls für Brombeeren, hier werden alle Äste, die Früchte getragen haben bodeneben weggeschnitten. „Einen Befall mit Tierchen kann man an der ungleichmäßigen Reifung der Früchte erkennen“, sagt Meschenmoser und hält eine Beispielbeere hoch. „Ein Problem bekommt man erst dann, wenn die Früchte überreif werden oder auf den Boden fallen“, sagt er. Einen Trost habe man in jedem Fall: „Die Würmchen haben in ihrem Leben nur von den Brombeeren gefressen“, sagt der Experte.

Besonders wichtig sei es Himbeeren aufgrund von Pilzkrankheiten nicht mehr an der gleichen Stelle zu pflanzen. Herbsthimbeeren schneide man im Frühjahr komplett zurück, damit sie neu austreiben könnten, Sommerhimbeeren tragen jetzt Früchte. „Die Herbsthimbeere ist im Übrigen ein Favorit der Kirschessigfliege“, erklärt Meschenmoser.

Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins (OGV), Thomas Hauck sagte abschließend noch ein paar deutliche Worte zu umstrittenen Aktionen bezüglich des Insektensterbens. Das Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ müsse genau durchgelesen werden, da dort einige ideologische Fußangeln eingebaut seien, so Hauck. „Insekten sind uns wichtig und wir tun etwas für sie, aber es kann nicht sein, dass man zukünftig evtl. einen Antrag stellen muss, um einen alten Baum entfernen zu dürfen, das soll im Gesetz versteckt werden“, so Hauck. Die einzelnen fachlichen Dachverbände haben sich in einem gemeinsamen offenen Brief an ihre Mitglieder gewandt und um entsprechende Vorsicht gebeten.

Diese Aussagen unterstützte Hermann Meschenmoser ausdrücklich. Im Technologiezentrum finde man jeden Monat ein neues Insekt, das durch Warentransporte oder im Koffer nach Deutschland eingeschleppt wurde. Wichtig sei zu überlegen welche Insekten man schützen möchte, sagte Meschenmoser und verwies auf die Bedeutung der Biodiversität: „Hier sehen Sie eine Blumenwiese neben einem Beet für Sträucher. Das ist Biodiversität“, so Meschenmoser.

Hauck dankte Meschenmoser für sein besonderes Engagement und verwies darauf, dass der OGV sich in Zukunft vermehrt um Hausgärten kümmern wolle. „Streuobstwiesen sind wichtig, aber die zahlreichen Bewirtschafter von Hausgärten darf man nicht alleine lassen. Sie brauchen für Sortenauswahl und Schnitt im Hausgarten unsere Unterstützung“, so Hauck.

Autor:

Ralf Veit aus Bretten

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