Geflötet, gesungen und gebechert

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Im Dorfgemeinschaftshaus Dürrenbüchig herrscht reges Treiben. Man begrüßt sich, holt sich noch eine Apfelschorle oder selbstgemachte Snacks, vorbereitet vom Kindergarten Schatzinsel Dürrenbüchig. Langsam sucht sich jeder seinen Platz. Auch die 25 Musikerinnen des Blockflötenorchesters Picobella finden sich nach und nach auf Ihren Plätzen - auf und neben der Bühne - ein. Instrumente werden gestimmt, Noten durchblättert.

Inzwischen ist es 17 Uhr. Die Läden der Bewirtungsausgabe werden geschlossen. Das ist das Zeichen. Es wird leiser im Saal. Die letzten finden ihre Plätze. Die Spannung steigt. Daniel Koschitzki tritt vor die Bühne und wendet den Zuschauern die Rückseite seines Blumenverzierten Hemdes zu. Die sitzenden Musikerinnen merken konzentriert auf. Der Dirigent hebt die Arme. Das Geflüster im Saal erstirbt für die nächsten 60 Minuten.

Der Dirigent gibt den Einsatz. Die ersten warm-hölzernen Klänge verteilen sich im Raum. Moderne, klassische und internationale Stücke wechseln sich ab, darunter „Manchester Welcome“ und „Hava Nagila". Die Damen spielen sich - aus Sicht der Zuschauer - für sie die Finger wund. Ihre Hingabe zur Musik ist in jedem Stück spürbar. Jeder Einsatz, jeder Ton sitzt. Wer es nicht vorher wusste, weiß es spätestens jetzt - das sind keine Anfänger. Seit 24 Jahren erfreut das Ensemble völlig ehrenamtlich eine wachsende Fangemeinde durch Konzertvorstellungen wie die heutige.

Und doch ist heute etwas anders. Noch vor einer kurzen Pause kündigt Daniel Koschitzki die zweite Musikergruppe im Saal an. Der Pforzheimer Chor "a capella mundi" hat in den hinteren Reihen bisher geduldig auf seinen Einsatz gewartet. Nun stellen sich die 29 Sänger und Sängerinnen auf der Bühne hinter den Damen von Picobella auf der Bühne auf. Schon das erste Stück überrascht. In nahezu perfekter Harmonie vereinen sich die Flötentöne mit den kräftigen Stimmen des Chors. Doch als das zweite Stück im ersten Chorus einen Höhepunkt erreicht, kribbelt es jedem der Zuschauer im Nacken. Baba Yetu, komponiert von dem US-Amerikaner Christopher Tin elektrisiert jeden der etwa 100 Anwesenden. Doch offensichtlich geht es den Musikern nicht anders. Mit voller Inbrunst pusten die Flötistinnen, mit ehrlich freudig erregten Gesichtern finden die Sänger vollmundig ihren Einsatz. Jeder hat richtig Spaß. Das ist der Höhepunkt des heutigen Abends. Das Stück schreit nach mehr.

Doch erst mal müssen sich die Akteure eine Verschnaufpause gönnen. Nach 30 Minuten kehrt jeder - wieder Dank der fleißigen Organisation des Kindergartens - gestärkt zurück auf seinen Platz. Nun läuft der Chor ohne Instrumentalbegleitung zu Höchstform auf. Klassische a capella Stücke wie "Caravan of Love", aber auch moderne Songs wie Anna Kedrick's "When I'm gone" - vorgetragen mit der obligatorischen Trinkbecher-Percussion Show - ziehen in ihren Bann. Dirigent und Chorleiter Michael Hager wedelt und trommelt mit vollem Körpereinsatz. Musizieren kann offensichtlich Spaß machen!

Um 19 Uhr schließlich ist alles vorbei. Die Kulturschaffenden ziehen sich zurück ins Private - und hinterlassen ein glücklich zufriedenes Publikum. Wer nicht dabei war, ist selbst Schuld. Zum Trost: die nächste Chance kommt bestimmt. Ein Tipp: Einfach ab und zu mal auf www.picobella.net vorbeischauen, dann lässt sich solche Reue zukünftig vermeiden.

Matthias Goll

Das Konzert fand am 21. Oktober statt.

Autor:

Irene Goll aus Bretten

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