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jüdischer Friedhof Bretten
Tag der jüdischen Kultur 2021

Am Grab von Machol Aron Lämle und seiner Frau Elisabeth
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Das Haus der Ewigkeit, das Haus des Lebens so wird der Friedhof im Jüdischen auch genannt. Warum das so ist, das zu klären, war die Aufgabe von Heidemarie Leins vom Verein für Stadt- und Regionalgeschichte.
Die meisten Besucher waren das erste Mal auf dem schönen, gut gepflegten Brettener jüdischen Friedhof, der 1884 zum ersten Mal belegt wurde. 1822 wurde schon die Synagoge am Engelsberg gebaut und die Schule im Jahr 1829. Ja, da fehlte zur guten Infrastruktur dann nur noch der Friedhof, der schon 1847 in der Derdinger Straße angelegt werde sollte. Dann wäre es schon früher möglich gewesen, die Toten nicht mehr nach Oberöwisheim, Flehingen oder nach Obergrombach auf die Verbandsfriedhöfe zu bringen.
Weil im Sommer Nachfahren der Firma Malag (Lämle) Bretten besuchten, war auch der erste Grabbesuch das Grab von Machol Aron Lämle, der am 17.6.1884, starb. Hebräische Inschrift, der lateinische Namen steht auf der Rückseite. Er war der Firmengründer, der im Jahr 1848 einen Eisenwarenhandel angemeldet hat. Drei seiner 15 Kinder, nämlich Isidor, Max und Arnold, hatten die Firma nach dem Tod des Vaters übernommen. Isidor starb allerdings 1917 in Stuttgart, Max 1920 in Ulm, und in Bretten blieb Arnold, zu dessen Grab die Gruppe dann ging. Er starb 1927, hatte aber 1920 aus der Firma eine AG gemacht. Auf seinem riesigen Grabstein ist auch seine Frau Mina genannt und es ist ein Doppelgrab. Auf die Frage, ob Frau Lämle auch in diesem Grab liegt, gab es nur eine Antwort. Natürlich.
Die Überraschung war groß, als Leins die Lebensgeschichte erzählte, denn ihre Inschrift ist nur zu ihrem Gedenken. Nachdem 1927 ihr Mann gestorben war, wohnte sie noch fünf Jahre im großen Anwesen in der Melanchthonstraße 92, ehe es 1936 die Fa. Hunzinger übernahm. Mina Lämle zog zu ihrer früh verwitweten Tochter nach Stuttgart. Hilda verheiratete sich nach Bruchsal und Elisabeth hatte Chemie studiert und mit dem Doktor abgeschlossen. Sie heiratete einen Christen.
Im Dezember 1941 kam Mina Lämle in ein jüdisches Altersheim, um kurz darauf in das Zwangsaltersheim nach Eschenau eingeliefert zu werden, während ihre Tochter mit der Enkelin nach Riga deportiert wurde. In Zwangsaltersheimen wurden die alten Menschen gesammelt, um sie dann in Kürze nach Theresienstadt zu deportieren. In aller Regel wartete dort der sichere Tod. Bei Mina Lämle, die ihre Familie mit Post aus dem Altersheim Eschenau versorgte, die zum Teil erhalten ist, war es der Fall. Sie stirbt nach drei Wochen im Alter von 72 Jahren auf dem Dachboden an Darmkatarrh, so ihre Sterbeurkunde. Auch wenn sie nicht auf dem Friedhof liegt, machte ihr Schicksal betroffen, denn wie sie, wurden auch ihre Tochter und Enkelin Opfer des Holocausts in Riga-Jungfernhof und dem KZ Stutthof.
Weitere Familiengeschichten folgten, denn viele wichtige Brettener Bürger fanden hier die letzte Ruhestätte in einem „Kittel“, der keine Taschen hat. Diese Tradition schlägt sich im Sprichwort nieder: Das letzte Hemd hat keine Taschen. le

Autor:

Heidemarie Leins aus Bretten

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