Interview mit Kochbuch-Autor Till Müller
„Wie tolerant und empathisch dieses Inselvolk ist, erstaunt mich heute noch“

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Bretten (hk) Wie seine eigene Westentasche kennt Till Müller die spanische Insel Mallorca. Kein Wunder: Dort hat der heute 20-Jährige seine Kindheit verbracht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der leidenschaftliche Hobbykoch ein Buch veröffentlicht, dass den Zauber der mallorquinischen Küche einfängt. Im Gespräch mit der Brettener Woche/kraichgau.news spricht der junge Kochbuchautor über sein Erstlingswerk „Die Tapas-Bar auf Mallorca“ und gibt ganz persönliche Einblicke über die kulinarische Seite der Insel.

Herr Müller, würden Sie sich für unsere Leser*innen vorstellen?
Mein Name ist Till Müller, ich bin 20 Jahre alt und wohne in Karlsruhe in einer Vierer-WG. 2018 habe ich mein Abitur in Bretten am Edith-Stein-Gymnasium absolviert. Aktuell studiere ich Mechatronik in einem dualen Studienmodel bei SEW Eurodrive in Bruchsal. Ich habe in meiner Kindheit auf Mallorca gelebt und bin dort in eine spanische beziehungsweise mallorquinische Grundschule gegangen. Schon im jungen Alter durfte ich erfahren, wie gut die mallorquinischen Gerichte schmecken, da diese Inselkultur viel Wert auf frische und lokale Zutaten legt. Bis heute fasziniert mich das mallorquinische Volk, mit seiner positiven und gelassenen Art.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Kochbuch zu schreiben?
Anfangs waren es mehr oder weniger Hirngespinste. Doch im April 2020 habe ich dann den Entschluss gefasst, mein eigenes Projekt zu starten und ein Buch zu schreiben. Kann gut sein, dass das Virus und die daraus folgenden Beschränkungen meine sonstigen Aktivitäten stark eingeschränkt haben und sich daraus neue Hobbys entwickelt haben. Warum es ein Mallorca-Tapas-Kochbuch wurde? Ich bin ein leidenschaftlicher Hobbykoch und habe lange Zeit auf Mallorca gelebt. Das hat sich einfach gut ergeben.

Haben Sie Erfahrungen in der Gastronomie?
Mein Vater hatte sein eigenes Restaurant in Deutschland und später auch eine Bar auf Mallorca. Außerdem führte meine Familie, bestehend aus meinen Eltern und meinem Bruder, ein kleines, ländliches Hotel in der Nähe von Manacor, einer Stadt im Landesinneren. Dort durfte ich schon als kleiner Bursche in der Küche und im Service helfen.

Was bedeutet „Tapas“ eigentlich – und für welches Lebensgefühl steht der Begriff?
Tapas sind in Mallorca Appetithäppchen, die gerne zu Wein und Bier serviert werden. Gerade in Tapas-Bars werden sie so eher nebenbei verzehrt. Oft trifft man sich mit dem Anlass zu quatschen oder ein Fußballspiel in einer Bar zu schauen und nebenbei ein Bier und ein paar Tapas zu genießen. Dass „Tapa“ eigentlich „Deckel“ heißt, ist jedem bewusst, aber nicht von großer Bedeutung. Es ranken sich viele Mythen um die Entstehung dieses Wortes. Am plausibelsten erscheint mir diese Geschichte: Feldarbeiter sollen es als kleine Snacks zwischen den Hauptmahlzeiten zu sich genommen und ihre Getränke dabei mit einem Brot, also einem Deckel, vor Fliegen geschützt haben.

Wie sind Sie bei der Recherche vorgegangen?
Da meine Eltern ein kleines Finca-Hotel geführt hatten, war die Zubereitung von Tapas an der Tagesordnung. Seitdem essen wir regelmäßig Tapas. Diese Rezepte habe ich dann mit in das Buch aufgenommen. Meine Recherche lief meist so ab, dass ich nach Rezepten gesucht habe, die ich noch in Erinnerung hatte. Bei meinen mallorquinischen Freunden habe ich viel über Tapas erfahren und diese auch lieben gelernt. Somit musste ich nur noch Details wie Garzeit oder Kochtemperaturen nachsehen, da ich die grobe Zubereitung sowieso noch wusste. Im Internet stieß ich oft auf unterschiedliche Rezepte von einer Tapa, da jede Region ihren eigenen Stil hat. Diese Erkenntnis war auch sehr interessant, da ich ja hauptsächlich die Mallorca-Tapas kannte.

Gab es Rezepte, die es zum Schluss nicht mehr in das Buch geschafft haben?
Tatsächlich habe ich meinen kompletten „Tapas-Revolver“ leer geschossen. Bei meiner Recherche stieß ich unter anderem auf Facebook und habe dort in verschiedensten Kochgruppen viele neue Rezeptkreationen gesehen. Rezepte für einen zweiten Teil sind also umfassend vorhanden.

Was macht Ihrer Meinung nach Ihr Kochbuch so besonders?
Mein Kochbuch ist von einem Vollblut-Tapas-Liebhaber geschrieben worden, der lange Zeit mit seiner Familie auf Mallorca gelebt und gespeist hat. Ich kann vor allem mit authentischen Gerichten werben. Jedes dieser Tapas wird täglich irgendwo auf Mallorca zubereitet und vielleicht auch bald hier in Bretten und Umgebung. Außerdem bekommt man neben den vielen Rezepten auch einen emotionalen Einblick in die Inselküche und ihre Kochkultur. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber man bekommt auch sehr viel Informationen über die Top 17 Zutaten der Inselküche.

Mit welchen Tapas-Rezepten würden Sie uns Ihr Buch etwas „schmackhaft“ machen?
Für mich sind die Tapas mit Meeresfrüchten und die klassischen Gemüse-Tapas ein voller Genuss. Einer meiner Favoriten sind die Garnelenspieße („Pintxos con gambas“), da diese vielseitig mit anderen Aufstrichen und Gemüsesorten variierbar sind. Auch sehr empfehlenswert ist das Kartoffelomelette („Tortilla de patatas“) oder der Dauergast in jeder Tapas-Bar: Datteln im Speckmantel („Dátiles con tocino (beicon)“). Egal wofür man sich entscheidet, am Ende ist für jeden ein kleines Highlight auf dem Tisch.

Gibt es Unterschiede zwischen der spanischen und mallorquinischen Küche?
Ja, auf jeden Fall! Ich weiß, dass auf dem Festland ganz andere Tapas zu finden sind, als auf den Balearen. Dazu kommt noch, dass man auf dem Festland in den unterschiedlichen Regionen, unterschiedliche Tapas findet. Aber genau das finde ich auch so spannend. Als ich in Portugal mit meiner Freundin im Urlaub war, haben wir nochmal ganz andere Kreationen gesehen und probiert. Da kommt man gar nicht mehr aus dem Probieren und Naschen heraus.

Mallorca ist die größte Insel der Balearen. Welche Region in Mallorca ist kulinarisch betrachtet am interessantesten für Sie?
Für mich ist die Ostküste mit ihren Fischerdörfern das kulinarische Highlight Mallorcas. Wer auf einem Fischmarkt in Porto Cristo oder Portocolom war, der weiß was frischer Fisch ist. Die mallorquinischen Fischer fahren früh morgens raus zum Fischen und bringen um die Vormittagszeit den fangfrischen Fisch direkt zu den Märkten. Das kann man sich kaum vorstellen, wie unterschiedlich der gleiche Fisch vom Markt in Portocolom oder hier vom Discounter schmeckt. Es sind einfach Welten. Im Inland hingegen legt man mehr Wert auf den Gemüseanbau und die Viehzucht. Das behütete Iberico-Schwein ist hier zu nennen, da der Schinken unglaublich nussig schmeckt und ein echter Leckerbissen ist. Der Schinken wird auch vielfach für die mallorquinischen Tapas eingesetzt.

Was waren für Sie die wichtigsten Erfahrungen, die Sie beim Schreiben Ihres Kochbuchs gemacht haben?
Zum einen hat sich meine Improvisationskunst in der Küche verbessert, da ich durch die Recherche viel mehr Kombinationen ausprobiert habe und auch neue Techniken lernen konnte. Zum anderen ist mir verstärkt aufgefallen, wie schön meine Zeit auf Mallorca war. Ich habe eine abenteuerliche und vielseitige Kindheit gehabt, aus der ich viele Eigenschaften noch in mir trage. Wie tolerant und empathisch dieses Inselvolk ist, erstaunt mich heute noch. Ich wurde dort als kleiner deutscher Bub sehr gut in die Schule und auch in das gesellschaftliche Leben integriert. Gerne erinnere ich mich an die Zeit auf Mallorca zurück.

Herr Müller, als Sie auf der Zielgeraden waren und quasi den letzten Satz geschrieben haben – was haben Sie danach gemacht?
Eine lange Pause. Ich habe einfach Abstand gebraucht vom wöchentlichen Schreiben und Denken nach der Arbeit und dem Studium. Die Veröffentlichung kam dann zwei bis drei Monate später. Auf der Zielgeraden war ich dann stolz, aber auch unsicher, ob das überhaupt mit anderen Kochbüchern mithalten kann. Doch jetzt weiß ich, dass es nicht ums Mithalten geht, sondern darum, seinen eigenen Stil zu entwickeln und immer mal wieder an seinen Koch- und Schreibkünsten zu feilen. Man vergisst schnell, wie klein ein Tim Mälzer oder ein Jamie Oliver angefangen haben. Natürlich spielen da viele Faktoren eine Rolle, doch wären diese Persönlichkeiten nicht mit ihrer Leidenschaft am Ball geblieben, dann wären es heute einfach nur zwei Namen im Telefonregister.

Sind weitere Buch-Projekte in Planung?
Aktuell liegt der Fokus auf dem Studium, da anspruchsvolle Projekte in Aussicht sind. Doch aufhören werde ich auf keinen Fall und ein bisschen Zeit findet man immer. Das ist ja das Schöne am Schreiben: Man benötigt einen Laptop und einen freien Kopf. Und wenn einen mal wieder die Muse küsst, dann sollte man das auch durchziehen und in einen großen Block alle aufschreiben und später korrigieren oder nochmal gedanklich durchgehen.

Was ist denn Ihr absolutes Lieblingsessen?
Bei der Frage tue ich mich sehr schwer und kann es nicht so einfach wie in den Freundschaftsbüchern aus der vierten Klasse mit Spaghetti Bolognese beantworten. In unserer Vierer-WG in Karlsruhe haben wir letztens gemeinsame Pizza- und Flammkuchenabende zelebriert. Da sind dann Eigenkreationen dabei, die schon sehr lecker schmecken.

Welchen Tipp würden Sie anderen jungen Menschen geben, die versuchen, ein eigenes Buch zu veröffentlichen?
Nicht von anderen Mitmenschen aus der Ruhe bringen lassen. Stur an seinem Ziel arbeiten und auch mal das Smartphone weglegen, da das mein Gedankenstrang-Killer Nummer eins war. Wie ich eingangs schon erwähnt habe, sollte man sich nicht zu stark unter Druck setzen. Wer seine Freizeit kreativ ausleben will, braucht kleine Pausen und einen Plan, wenn es Richtung Veröffentlichung geht. Die Frage, ob man es mit einem Verlag schaffen will, oder als sogenannter „Self-Publisher“ erübrigt sich meist, wenn man bei einem professionellen Verlag anfragt. Die Bücherszene ist, wie vieles in unserer Gesellschaft, auf Profit ausgelegt und vermittelt die Nachricht, dass nur große Namen Bücher schreiben können. Diese Message ist aber falsch, da aller Anfang klein ist und man Zeit zum Wachsen braucht. Mein Tipp: Es gibt viele Distributoren, die einem eine Veröffentlichung leicht machen. Welchen man schließlich auswählt, spielt keine große Rolle. Aber eine gute Alternative zur Verlagsabsage ist es allemal.
Abschließend würde ich mich über jegliche Unterstützung aus Bretten und Umgebung freuen. Das Buch ist ab dem 22. Dezember in der Buchhandlung Kolibri in Bretten erhältlich. Ich bin langjähriger Kunde beim netten Buchladen um die Ecke und freue mich über die Partnerschaft. Das Buch heißt: „Die Tapas-Bar auf Mallorca - 86 Rezepte zum mediterranen Inselglück“ und mein Pseudonym ist „Raul Rodriguez Cruz“. Das ist der Name meines besten Freundes auf Mallorca. Ihm habe ich das Buch gewidmet.

Die Fragen stellte Redakteurin Havva Keskin.

Autor:

Havva Keskin aus Bretten

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